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Augsburg

27.04.2020

Trotz Corona-Einbruch: Kuka plant keinen weiteren Job-Abbau

Die dänische Firma Life Science Robotics setzt bei einem Rehabilitationsgerät namens "Robert" auf einen Kuka-Leichtbau-Roboter.
Bild: Kuka AG

Plus Der Roboter- und Anlagenbauer Kuka ist nach einem guten Jahr 2019 tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Vorstand will aber die Beschäftigung sichern.

Das Coronavirus färbt die ersten Bilanzen deutscher Aktiengesellschaften rot. So ist der Augsburger Roboter- und Anlagenbauer Kuka zwischen Januar und März dieses Jahres in die roten Zahlen gerutscht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach von im ersten Quartal 2019 noch positiven 22,2 Millionen Euro auf minus 34,2 Millionen Euro ein. Den deutlichen Verlust führt der Vorstand des Unternehmens auf einen rückläufigen Umsatz und „Projektverschlechterungen“ zurück.

Hintergrund: Weltweit wurden Investitionen und Vorhaben wegen der Auswirkungen der Pandemie verschoben. Für Kuka besonders wichtige Kunden aus der Autoindustrie wie etwa Volkswagen hatten ihre Produktion überwiegend stillgelegt und laufen erst jetzt wieder an. Das traf Kuka als weltweit in mehr als 40 Ländern aktiven Zulieferer hart.

Dabei hatte Kuka-Chef Peter Mohnen im vergangenen Jahr das Unternehmen, das schon seit 2018 die lange vor Corona ausgebrochene Krise der Autoindustrie spürt, deutlich stabilisiert. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen war auch dank immer besser greifender Sparmaßnahmen von 34,3 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 47,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Nach Steuern verblieb damit ein Überschuss von 17,8 Millionen Euro.

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Sanierungsprogramme haben bereits Jobs gekostet

Der Kuka-Vorstand bleibt nach Informationen unserer Redaktion bei seiner Aussage von Ende März „dass keine weiteren Job-Maßnahmen geplant sind“. Mohnen hat sich zum Ziel gesetzt, während der Corona-Krise an den zuletzt rund 3500 Arbeitsplätzen in Augsburg festzuhalten. Einst arbeiteten für Kuka etwa 4000 Frauen und Männer am schwäbischen Stammsitz. Durch Sanierungsprogramme in einzelnen Bereichen wurden aber hunderte Jobs gestrichen. Allein durch ein von Mohnen aufgesetztes Effizienzprogramm fielen bis Ende vergangenen Jahres 350 Arbeitsplätze in Augsburg weg. Bereiche des Standortes sind nach wie vor in unterschiedlichem Ausmaß von Kurzarbeit betroffen.

Die Kuka-Quartals-Bilanz lohnt eine genauere Analyse: Es fällt auf, dass der Bereich „Systems“, also der Anlagenbau, spürbarer in die roten Zahlen abgerutscht ist als das Roboter-Segment. So betrug das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im Anlagenbau minus 8,3 Millionen Euro nach noch plus 4,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. In der Roboter-Sparte lag das Ebit mit 3,9 Millionen Euro jedoch nicht so stark im negativen Bereich, während hier 2019 in den ersten drei Monaten noch 14,1 Millionen Euro zu Buche standen.

Wie in Branchenkreisen immer wieder zu hören ist, leiden Anlagenbauer wie Kuka darunter, dass Auto-Konzerne ihre Bänder für den Bau neuer Montagelinien, auf denen dann auch Hybrid- und Elektrofahrzeuge gebaut werden können, nur umbauen und nicht wie früher neue Systeme in Auftrag geben. Das Geschäft ist bekanntermaßen margenschwach. Und der Preisdruck seitens der Autobauer wird in Fachkreisen einhellig als „immens“ beschrieben. Doch für ein Unternehmen wie Kuka ist es sinnvoll, Kunden alles aus einer Hand anbieten zu können, also neben Robotern auch entsprechende weitere Automatisierungslösungen im Programm zu haben.

Mohnen machte aber auch deutlich, das stark von der Pandemie betroffene erste Quartal dieses Jahres sei „sicher nicht aussagefähig für das Jahr 2020“. Seiner Ansicht nach werden die Auswirkungen des Coronavirus Kuka im ersten Halbjahr begleiten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Konzern-Chef sich derzeit wie viele Kollegen in anderen Firmen nicht in der Lage sieht, einen verlässlichen Ausblick für 2020 abzugeben.

Neben Kuka kam auch Fanuc bei BMW zum Zug

Einstweilen laufen die Geschäfte trotz Corona - wenn auch noch auf einem niedrigeren Niveau - weiter. Dabei mehren sich mittel- und langfristig betrachtet durchaus die Hoffnungszeichen für Kuka. So hat das Unternehmen einen Rahmenvertrag mit BMW für die Lieferung für rund 5000 Robotern für neue Produktionslinien unterzeichnet. „Seit mehr als 40 Jahren setzt BMW auf Kuka-Technologien aus Augsburg“, sagte Mohnen zu dem symbolisch wichtigen und in Mitarbeiterkreisen mit Erleichterung aufgenommenen Groß-Auftrag.

Dabei ist Kuka bei BMW nicht alleine zum Zuge gekommen. Auch Fanuc, der große japanische Konkurrent der Augsburger, wurde von den Münchnern Autobauern, wenn auch nicht ganz so üppig wie Kuka, bedacht. Die Asiaten sind mit 3500 Robotern bei BMW mit von der Partie. Solche in der Regel mit höheren Margen als im reinen Anlagenbau lockenden Aufträge ziehen sich meist über Jahre hin, schlagen sich also schrittweise in den Bilanzen nieder, können aber die Beschäftigung über eine längeren Zeitraum stabilisieren.

Kuka bekommt auch in Corona-Zeiten nach wie vor wichtige Orders aus dem Anlagenbau und trumpfte hier jüngst mit Erfolgsmeldungen in drei Fällen auf, ohne die Auftraggeber zu nennen. Die bestehenden Montagelinien müssen hier in kurzer Zeit etwa so umgerüstet werden, dass auf ihnen auch Elektroautos hergestellt werden können. Dabei ist der Druck für Zulieferer enorm, fordern die Autohersteller doch immer kürzere Taktzeiten ein, mit denen sich dank neuer Automatisierungstechnik Fahrzeuge produzieren lassen. Doch Kuka steht auf vielen Beinen und erzielt zunehmend Erfolge im lukrativen Medizintechnik-Bereich.

Die dänische Firma Life Science Robotics setzt bei einem Rehabilitationsgerät namens „Robert“ auf den Kuka-Leichtbau-Roboter LBR Med. Ein Video zeigt, wie der automatische Helfer das Bein eines Patienten nach der Vorgabe der Physiotherapeutin rauf und runter bewegt, um den Genesenden wieder zu mobilisieren. Die Fachkräfte werden dadurch entlastet und können sich, während ihnen der starke und dennoch sensible „Robert“ assistiert, anderen Kranken zuwenden. Der Roboter dürfte gerade in Corona-Zeiten, in den Menschen Abstand voneinander halten müssen, für Kliniken interessant sein, übernimmt doch „Robert“ den Nahkontakt für die Physiotherapeuten.

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