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Finanzskandal

22.07.2020

Wirecard-Insolvenzverwalter Jaffé ist Fachmann für Resteverwertung

Der Schriftzug von Wirecard an der Firmenzentrale.
Bild: Tobias Hase, dpa

Michael Jaffé ist der vorläufige Insolvenzverwalter der Wirecard AG. Mit den ganz großen Pleiten kennt sich der Münchner Rechtsanwalt bestens aus

Wenn man sich als, sagen wir, um den ein oder anderen Tausender erleichterter Kleinanleger der Wirecard AG ein paar schnelle Euros hätte zurückholen wollen, wäre das vielleicht so gegangen: Einfach eine fixe Wette unter gutgläubigen Kollegen organisieren, wer wohl bald als vorläufiger Insolvenzverwalter bestimmt werde. Dabei den idealerweise in Sachen wirtschaftlicher Großpleiten nur Halbkundigen alle möglichen Namen unterjubeln, selbst aber – eher beiläufig versteht sich – auf Michael Jaffé setzen. Die zuletzt auf den Philippinen vermisste Summe von 1, 9 Milliarden Euro hätte man so zwar nicht zurückgewonnen, aber mit ein wenig Glück wäre der eigene finanzielle Schaden zu begrenzen gewesen. Ein bisschen zumindest. Vielleicht.

Jaffés Job ist nun, mehr als vielleicht nur ein bisschen zu besorgen. Ob das bei dem für Deutschlands größten Bilanzskandal verantwortlichen Finanzdienstleister Wirecard gelingt, ist natürlich fraglich. Dass Jaffé das aber besonders gut kann, Gläubigern Geld zurückzuholen und dabei – im Idealfall – Arbeitsplätze sichern und das Unternehmen erhalten, das hat der 1963 in München geborene Fachanwalt für Steuer- und Insolvenzrecht in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen.

Wirecard-Skandal: Bundesweit bekannt wurde Jaffé mit der Abwicklung des Kirch-Imperiums

Michael Jaffé ist der vorläufige Insolvenzverwalter der Wirecard AG.
Bild: dpa (Archiv)

Bundesweit bekannt wurde der Spezialist, als er 2002 mit der Abwicklung des Medienimperiums Leo Kirchs beauftragt wurde. Ein Mammutverfahren, das Jaffé deutlich über ein dutzend Jahre beschäftigte und ihm seine Reputation für Großaufgaben verlieh. Nach der KirchMedia-Pleite wurde Jaffé unter anderem mit dem Fall des früher weltweit tätigen Speicherchip-Herstellers Qimonda oder etwa der Insolvenz der deutschen Tochtergesellschaften der Petroplus-Gruppe (mit einem regionalen Raffinerie-Standort in Ingolstadt) betraut. In Sachen Petroplus zum Beispiel gelang es Jaffé, den Gläubigern ihr Geld fast komplett zurückzuerstatten. Auch für die Sanierung des Wohnwagenproduzenten Knaus Tabbert oder von Grob Aerospace zeichnete er verantwortlich. Die Liste seiner schlagzeilenträchtigen Verfahren ist lang.

Jaffé selbst scheut nicht die Öffentlichkeit, er sucht sie aber auch nicht. Er spricht, wenn es notwendig wird. Über den Menschen Jaffé ist vergleichsweise wenig bekannt. Studiert hat er in München, promoviert in Regensburg, spricht Englisch und Spanisch, gehört zum Gravenbrucher Kreis, in dem sich die Vertreter der führenden, überregional tätigen Insolvenzkanzleien Deutschlands zusammengeschlossen haben. Auf die Frage, was die größten Fehler seien, die man als Insolvenzverwalter machen könne, sagte Jaffé im Gespräch mit unserer Redaktion einmal: „Es gibt reichlich Möglichkeiten für Fehler. Ein Helfersyndrom, fehlende Sachlichkeit und eine zu große Nähe zu den Akteuren schaden jedem Verfahren enorm.“

Wie heißt es: Ruin und Wiederaufbau liegen dicht beieinander.

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