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Auto-Experte Dudenhöffer: So beeinflussen US-Zölle die deutsche Auto-Industrie

Autoindustrie

Auto-Experte Dudenhöffer: „In Amerika gebaute Autos werden ohne Zölle nach Deutschland verschifft“

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    Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.
    Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Foto: Nicolas Blandin, dpa (Archivbild)

    Die Quartalszahlen der deutschen Autobauer waren allesamt nicht gut, bei BMW ist der Gewinn um ein Viertel eingebrochen, bei Audi gar um ein Drittel. Mercedes und Porsche kommen auch nicht hinterher. Wie fährt die Autoindustrie wieder aus der Krise?
    FERDINAND DUDENHÖFFER: Das zweite Quartal ist ein Donald-Trump-Quartal. Wenn Sie sehen, dass sogar der US-Hersteller Ford mit zwei Milliarden Dollar Zoll-Kosten rechnet, geht das zweite Quartal auf den US-Präsidenten - und nicht unbedingt auf die Autobauer. Aber: Das erste Quartal war auch kein Wunderwerk. Zu den ohnehin nicht einfachen Zeiten kommt nun also Trump, der gegen alle Welt in den Handelskrieg zieht. Und jetzt zum zweiten Mal gegen China …

    ... den Riesen-Markt, auf dem deutsche Hersteller so lange große Erfolge hatten und noch größere Gewinne erwirtschafteten. Wie werden VW, Audi, BMW & Co dort wieder besser?
    DUDENHÖFFER: China ist der mit Abstand wichtigste Markt der Welt - und wird es lange bleiben. Dort werden dieses Jahr 24 Millionen Autos zugelassen. In den USA sind es ein wenig mehr als 15 Millionen, in der EU werden es elf Millionen sein. Also: An China geht nichts vorbei und in China müssen wir besser werden. Das ist wichtiger, als mit Trump zu dealen.

    Wie soll das konkret gelingen? Denn die Zahlen der deutschen Autobauer sind dort bereits seit ein paar Jahren rückläufig, wie ja nicht zuletzt Sie immer wieder scharf kritisiert haben.
    DUDENHÖFFER: Die deutschen Hersteller sind schon dabei und sie haben gute Vorarbeit geleistet. Gerade bei den Modellen, die nächstes Jahr auf den Markt kommen.

    Auf wen setzen Sie ihre Hoffnung?
    DUDENHÖFFER: Das ist für Mercedes der CLA – mit 800 Kilometern Reichweite in der elektrischen Version. Das ist bei BMW die „Neue Klasse“ – eine ganz neue Fahrzeug-Architektur. Vollelektrisch und digital. Und bei VW, wo die Verkaufsrückgänge in China zuletzt übrigens am geringsten gewesen sind, kommt im nächsten Jahr der sogenannte Range Extender – ein SUV mit Elektroantrieb bei dem die Batterie von einem Verbrenner-Motor geladen wird – auf den Markt. VW macht es inzwischen besser, denn VW produziert nicht nur in China, sondern entwickelt dort auch die Autos. Wie der Range Extender anläuft, das wird sehr spannend werden. Denn die Kostenstruktur ist deutlich besser als bei einem Plug-In-Hybrid.

    Wer macht es am besten von den deutschen Herstellern? Wo ist der Leuchtturm der Branche, auf den alle schauen sollten?
    DUDENHÖFFER: Der deutsche Leuchtturm steht in Tschechien, bei der VW-Tochter Skoda, die sich sehr stark entwickeln. Die machen ein sehr gutes Volumengeschäft und haben eine bessere Marge als Porsche. Skoda hat sich in den letzten 30 Jahren mit sehr harter Arbeit sehr stark nach vorne gebracht. Und die sind sehr stabil: Gute Kosten, gute Produktionsbedingungen, nicht immer Ärger mit dem sich Betriebsrat wie in Wolfsburg. Dazu günstigerer Strom, weniger Steuern, bessere Logistik. Die haben eine sehr gute Wettbewerbsposition – und dazu die VW-Technik mit hoher Qualität.

    Welcher Autobauer fährt weltweit allen davon, wem sollten die deutschen Hersteller hinterher?
    DUDENHÖFFER: Schwer zu sagen. Toyota, Tesla, General Motors oder Ford – alle haben ihre Themen. Das gilt auf für BYD aus China. Es gibt nicht den einen Besten.

    Welchen Wagen würden Sie sich denn kaufen?
    DUDENHÖFFER: Es gibt nicht das eine Auto, das ich mir kaufen würde. Es gibt aber den einen Hersteller, von dem ich glaube, dass er in nächster Zeit große Sprünge nach vorne machen wird.

    Und der wäre?
    DUDENHÖFFER: Xiaomi.

    Einer der größten Smartphone-Hersteller...
    DUDENHÖFFER: ... der aber vor anderthalb Jahren ins Auto-Geschäft eingestiegen ist. Und wenn man sieht, was die für Autos bauen, dann wird das sehr spannend. Der SU7 ist im Prinzip ein Porsche-Taycan – wird aber für nur 30.000 Euro verkauft. Davon wurden in nur eineinhalb Jahren schon über 300.000 verkauft. Und nun kommen sie mit dem YU7, einem SUV, auf den Markt. Da sind innerhalb von zwei Tagen mehr als 20.000 Vorbestellungen hereingekommen. Xiaomi ist zwar noch auf kleinem Niveau unterwegs, aber sie werden sehr stark wachsen und nach Europa kommen. Bei der nächsten IAA, denke ich, werden wir sie hier sehen.

    Noch mal zurück zu Trumps Zöllen: Wie schlimm wird es das für die deutschen Hersteller?
    DUDENHÖFFER: Der Deal ist für die deutschen Autobauer – vor allem die, die schon in den USA produzieren – gut, aber für die Beschäftigten in Deutschland ist er schlecht. Diese 15 Prozent werden uns hier sehr stark schaden. Es geht auf Kosten der deutschen Fabriken, der darin arbeitenden Angestellten und der Zulieferer und ihrer Mitarbeitenden. Wir werden in den nächsten Jahren Verlagerungen in die USA sehen, Fabriken werden nach Nordamerika verlegt werden, die Jobs werden abgezogen. Und in Amerika gebaute Autos werden nach Europa ohne Zölle verschifft werden.

    Sie rechnen mit weiterem Stellenabbau?
    DUDENHÖFFER: Ja, in Deutschland. Denn Trump ist nicht unser Freund. Und deshalb macht man in Brüssel und in Berlin einen großen Fehler, indem man zu stark auf Distanz zu China geht.

    Zur Person

    Ferdinand Dudenhöffer, 74, ist Wirtschaftswissenschaftler und Deutschlands bekanntester Auto-Experte.

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