Die Auswirkungen des Kriegs im Iran sind in Deutschland bislang vor allem an der Tankstelle spürbar: Die Preise für Benzin und Diesel sind gestiegen. Doch noch gravierender als teurer Sprit wäre ein Szenario, in dem Kraftstoff gar nicht mehr verfügbar ist. Genau davor warnte Ende März Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Ihrer Einschätzung nach könnte der Sprit knapp werden, sollte der Krieg anhalten – und zwar möglicherweise schon Ende April. Doch wie kritisch ist die Lage aktuell wirklich?
Aral: Reiche weise zu Recht auf mögliche Auswirkungen des Iran-Kriegs hin
Bei Benzin und Diesel für Autos zeichnet sich hierzulande derzeit eher keine akute Gefahr ab. Das Ministerium selbst betonte, dass sich Reiche auf „ein Worst-Case-Szenario“ mit anhaltendem Krieg und einer Sperrung der Straße von Hormus bezog. Ein Sprecher des Mineralölkonzerns Aral erklärt auf Nachfrage, dass die Ministerin zu Recht auf mögliche Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten hinweist. Bei Aral gebe es aber „derzeit keine Lieferengpässe an unseren Tankstellen“.
Auch Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft), gibt vorerst Entwarnung für Autofahrer: „Wir sehen derzeit keine Hinweise auf eine akute oder absehbare Knappheit bei Benzin oder Diesel in Deutschland“. Deutschland importiere im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nur halb so viel Rohöl aus dem Nahen Osten. „Bei uns kommt es vor allem aus Norwegen, den USA, Kasachstan und Libyen“, sagt Kaddik.
Die EU soll an einem Notfallplan gegen Kerosinmangel arbeiten
Kritischer könnte die Situation jedoch im Flugverkehr werden. Bei sogenannten Mitteldestillaten wie Diesel oder Kerosin ist Deutschland stärker auf Importe angewiesen, erklärt Kaddik. Europa habe „vielleicht noch etwa sechs Wochen Flugzeugtreibstoff“, sagte der der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die EU bereits an einem Notfallplan gegen Kerosinmangel arbeitet, der für den 22. April angekündigt ist. Lufthansa kündigte am Donnerstag an, infolge der gestiegenen Kerosinpreise erste Flugzeuge stillzulegen.
Ein Sprecher von en2x, dem Wirtschaftsverband Fuels and Energy, entwarnt hingegen: „Aktuell sehen wir für Deutschland keine Versorgungsengpässe bei Benzin, Diesel, Heizöl und Flugkraftstoff.“ Die Versorgungssituation stelle aber aktuell eine anhaltende Herausforderung dar, die Situation müsse permanent neu bewertet werden. Dem stimmt auch Wirtschaftsministerin Reiche zu: „Wir haben in Deutschland keinen Mangel an Kerosin“, erklärt die Wirtschaftsministerin am Donnerstag in Berlin.
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