An Superlativen hat BMW nicht gespart. Von der größten Investition in der Firmengeschichte und der wichtigsten Weichenstellung für die Zukunft war in München vor der Weltpremiere des neuen Sport-SUV iX3 am Freitagvormittag die Rede. Konzernchef Oliver Zipse präsentierte dann wenige Tage vor der Eröffnung der Mobilitätsmesse IAA ein mutig gezeichnetes, blaues Auto mit auffälligem Nierengrill an der Front. Es sind aber vor allem die inneren Werte des Fahrzeugs, die helfen sollen, die Elektromobilität in der Breite auf eine neue Stufe zu heben.
800 Kilometer Reichweite und 400 kW Peak-Ladeleistung verspricht BMW. Zudem soll eine neue Elektronik- und Software-Architektur mit vier getrennten Hochleistungsrechnern das Fahrverhalten deutlich dynamischer machen. Für Fortschritte bei der Digitalisierung steht auch ein über die ganze Breite des Fahrzeugs durchgehender Displaystreifen unterhalb der Windschutzscheibe, auf dem alle Fahrinformationen dargestellt werden.
Ab dem Frühjahr rollt der BMW iX3 auf den Straßen
Produziert wird das erste Modell der sogenannten „Neuen Klasse“ ab dem Herbst in einem neuen BMW-Werk im ungarischen Debrecen, zunächst in einer Variante mit 469 PS und elektrischem Allradantrieb. Weitere Varianten folgen. Ausgeliefert wird in Europa ab dem kommenden Frühjahr zu Preisen ab 70.000 Euro. Wie groß die Hoffnung und der Druck sind, mit der neuen Plattform einen Durchbruch zu schaffen, zeigt schon die Tatsache, dass BMW die Innovationen zuerst in einem Mittelklassewagen und damit in der Breite auf den Markt bringt. In der Regel sind solche Neuerungen zunächst den Autos der Oberklasse vorbehalten und finden dann den Weg in günstigere Modelle.
Große Bedeutung wird für den Konzern haben, wie erfolgreich der neue Wagen in China ist. Dafür soll eine extra für diesen Markt entwickelte Variante sorgen, die vor Ort produziert wird und im Sommer auf den Markt kommt. Auch finanziell soll die „Neue Klasse“ BMW einen großen Schritt nach vorn bringen. Bisher gilt die Faustregel, dass die Hersteller mit Elektroautos deutlich weniger verdienen als mit Verbrennern. BMW-Finanzvorstand Walter Mertl sieht den iX3 hier aber auf Augenhöhe mit vergleichbaren Verbrennern.
Die Autobosse wollen das Verbrennerverbot stoppen
Dennoch drängt Zipse auf eine Rücknahme des Verbrennerverbots in der EU ab dem Jahr 2035. In einem Interview mit der FAZ ließ er sich am Freitag zitieren: „Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Pläne in der aktuellen Form umgesetzt werden, ist äußerst gering.“ Er erkenne aus den Gesprächen, die aus der Branche mit der Regierung geführt werden, ein Umdenken in der Politik. Die Vorgaben würden seiner Einschätzung nach dazu führen, dass die europäische Autoindustrie um die Hälfte schrumpfe. Auch Mercedes-Chef Ola Källenius argumentierte jüngst gegen die EU-Pläne, allerdings mit der Begründung, die EU mache sich mit einem Verbrennerverbot zu abhängig von China, das die Batterietechnologie dominiert.
In der Politik gibt es durchaus Unterstützung dafür, die Einigung beim Verbrennerverbot erneut aufzuschnüren. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sollen sich nach einem Bericht der Bild-Zeitung beim Treffen der Koalitionsspitzen im Kanzleramt dafür starkgemacht haben. Offen ist bislang, ob und wie die SPD dabei mitzieht. Söder bekräftigte die Forderung auf Instagram: „Wir brauchen Technologie-Offenheit. Es ist richtig, E-Fahrzeuge zu fördern. Es wäre allerdings ein schwerer Fehler, ausschließlich auf Elektro zu setzen“, schrieb er dort.
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