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Chip-Fabrik: Magdeburg statt Penzing: So sieht das Milliarden-Projekt von Intel aus

Chip-Fabrik

Magdeburg statt Penzing: So sieht das Milliarden-Projekt von Intel aus

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    Geplante Intel-Fabrik in Magdeburg: Entstehen sollen 3000 dauerhafte Arbeitsplätze
    Geplante Intel-Fabrik in Magdeburg: Entstehen sollen 3000 dauerhafte Arbeitsplätze Foto: Intel Corporation

    Think Big. Manchmal lohnt es sich, groß zu denken. Diese Strategie verfolgt derzeit der Chef des US-Chip-Herstellers Intel, Pat Gelsinger, auch wenn es sich um die Teile handelt, die eigentlich zu den kleinsten Bauteilen gehören. "Zusammen schreiben wir Geschichte", sagte Gelsinger am Dienstag pathetisch, als er im kalifornischen Santa Clara sein Investitionsprogramm für Europa in den nächsten zehn Jahren umrissen hat. Rund 80 Milliarden Euro will das Unternehmen investieren, davon in einem ersten Schritt allein 17 Milliarden Euro in den Bau eines neuen Standorts in Magdeburg, der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Dieser soll aus zwei Fabriken für die Halbleiter-Produktion bestehen. Intel spricht gerne von "Mega-Fabs". Dabei ist es erst ein Jahr her, dass Gelsinger eine Investition über 20 Milliarden Dollar für den Bau neuer Chip-Fabriken in Ohio bekannt gegeben hat.

    Die Planung der Fabriken in Magdeburg soll sofort beginnen, sagte Gelsinger. Allerdings sei noch einiges "an Arbeit zu tun". Zum einen, um die Weichen für den Bau zu stellen. Zum anderen, um die "finanzielle Unterstützung sicherzustellen, die nötig ist, um solch ein Projekt rentabel betreiben zu können". Intel wünscht sich dem Vernehmen nach rund acht Milliarden Euro an staatlichen Subventionen. Er hoffe in beiden Dingen auf einen Durchbruch bis zur ersten Jahreshälfte 2023, sagte Gelsinger. Dann könnte mit dem Bau begonnen werden, die ersten Chips könnten 2027 in Magdeburg gefertigt werden.

    Intel will 3000 High-Tech-Jobs schaffen

    Das Bundeswirtschaftsministerium sicherte am Dienstag zu, das Intel-Investitionsvorhaben in Magdeburg unter den Beihilferegeln der EU zu unterstützen. Voraussetzung sei, dass die EU-Kommission die Beihilfe genehmigt und der Haushaltsgesetzgeber dem Ministerium die Mittel zur Verfügung stelle.

    Intel-Chef Pat Gelsinger investiert intensiv in neue Produktionsanlagen.
    Intel-Chef Pat Gelsinger investiert intensiv in neue Produktionsanlagen. Foto: Franziska Kraufmann, dpa

    Bei Intel in Magdeburg sollen 7000 Arbeitsplätze allein in der Bauphase entstehen. Für die Fabriken in der angestrebten Größenordnung brauche es so viel Stahl wie für fünf Eiffeltürme, so viel Beton wie für 240 Olympia-Schwimmbecken und den Platz zweier WM-Fußballfelder.

    Steht die Fabrik, bringt diese "3000 dauerhafte Hightech-Jobs", sagte Gelsinger. Dazu kommen tausende neue Stellen bei Zulieferbetrieben. Deutschland sei ein "wunderbarer Ort" für eine derartige Investition, lobte Gelsinger. Das Land habe eine "stolze Tradition" als innovativer Produktionsstandort.

    Penzing ist endgültig aus dem Rennen

    Im Vorfeld der Entscheidung habe Intel intensiv nach einem Standort in Europa gesucht, berichtete der Intel-Chef. Rund 70 Kandidaten sollen es anfangs gewesen sein. Im Rennen war auch Penzing bei Landsberg, das nun den Kürzeren gezogen hat. In Penzing waren auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts der Bundeswehr große Flächen frei. In unserer Region hatte man eine mögliche Ansiedlung aber auch kritisch gesehen. Durch den Wirtschaftsboom der letzten Jahre ist zum Beispiel der Immobilienmarkt angespannt, Fachkräfte sind rar. Nachbarkommunen und auch Umweltschützer hatten Bedenken geäußert. Um die Ansiedlung bemühten sich auch die Stadt Schweinfurt und das sächsische Dresden.

    Intel plant in Magdeburg den Bau einer neuen Chip-Fabrik.
    Intel plant in Magdeburg den Bau einer neuen Chip-Fabrik. Foto: Intel Corporation

    Pat Gelsinger drückt bei Intel massiv aufs Tempo. Der 61-Jährige steht erst seit Februar 2021 an der Spitze von Intel. Das Unternehmen soll damals technologisch ins Hintertreffen geraten sein. Gelsinger scheint entschlossen, rasch aufzuholen. Die Situation ist günstig: Auch durch die Corona-Epidemie boomt die Nachfrage nach Chips für Laptops und Smartphones. Autos entwickeln sich zu rollenden Computern, auch in Alltagsgeräte ziehen Chips ein, um sie intelligent zu machen. "Die Nachfrage nach Chips steigt, während das Angebot gesunken ist", sagt Gelsinger. In der Corona-Krise sind Lieferketten gerissen, Autohersteller, aber zum Beispiel auch Maschinenbauer bekommen weniger Halbleiter, als sie benötigen.

    Derzeit kommen rund 80 Prozent der Chips aus Asien, sagte Gelsinger. Es rächt sich, dass man zu sehr abhängig von nur einer Region ist. "Wir brauchen eine stärker ausbalancierte Lieferkette", sagt er. Der Ausbau der Kapazitäten in Europa soll dafür einen Beitrag liefern. Dies kommt den Plänen der EU-Kommission entgegen, die eine neue Chip-Strategie ausgearbeitet hat und dafür 14 Milliarden Euro investieren will. Derzeit kämen nur zehn Prozent der Chips aus der EU, sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Im Jahr 2030 soll der Anteil den Plänen der EU zufolge bei 20 Prozent liegen – "in einem Markt, der sich bis dahin verdoppelt".

    Magdeburg wird zur "Silicon Junction"

    In der Politik kommt die Intel-Entscheidung für eine Produktion in Deutschland dementsprechend gut an: „Zwei Halbleiterfabriken von Intel in Magdeburg sind ein wichtiger und starker Impuls für die Wirtschaft in schwieriger Zeit und ein zentraler Sprung für die digitale Souveränität Europas", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nannte das Projekt "die größte Investition in der Geschichte Sachsen-Anhalts" und einen "Quantensprung" für sein Land.

    Der Schwung also ist groß, Gelsinger will Magdeburg deshalb zu einer Art Knotenpunkt oder Kreuzung – einer "Silicon Junction" – seiner Aktivitäten in Europa machen. Das Unternehmen ist auch in anderen europäischen Ländern vertreten und will auch dort kräftig investieren: In Irland steckt Intel zwölf Milliarden Euro in den Ausbau der Produktion am dort bereits vorhandenen Standort. In Italien soll für 4,5 Milliarden Euro eine Fabrik für die Weiterverarbeitung entstehen – mit 1500 neuen Jobs. Und in Frankreich plant Intel ein europäisches Forschungszentrum für Themen wie Künstliche Intelligenz und Hochleistungscomputer. Daneben sind Investitionen in Polen und Spanien geplant. Alles in allem soll nach Vorstellung Gelsingers ein "Ökosystem" der Chip-Entwicklung entstehen, das sich über ganz Europa erstreckt.

    Bei allen Visionen, den Krieg in Europa gegen die Ukraine vergaß der Intel-Chef nicht. "Intel steht den Menschen in der Ukraine bei – wie auch die Weltgemeinschaft, die diesen Krieg verdammt", sagte er.

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