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Chip-Krise
25.01.2022

Der Chipmangel bremst die Industrie weiterhin aus

Der Chipmangel bremst das Wachstum, auch der Elektroindustrie.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Die Elektroindustrie hat sich 2021 erholt. Auch die Prognose für 2022 ist sehr gut, könnte aber besser sein, wenn Europa in Sachen Halbleiter besser aufgestellt wäre.

Der Chipmangel ist eines der größten Probleme, mit der die deutsche Industrie umgehen muss. Und das wird nach Einschätzung des Verbandes der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) auch das gesamte Jahr so bleiben. Zwar hat die Branche zum Jahresauftakt gute Zahlen präsentiert. Die Produktion zwischen Januar und November 2021 stieg um gut neun Prozent, auf das gesamte vergangene Jahr hochgerechnet erreichte der Umsatz erstmals knapp 200 Milliarden Euro, wie ZVEI-Präsident Gunther Kegel mitteilte. Zugleich aber hätte das Wachstum ohne den Chipmangel deutlich höher ausfallen können. Der „Verteilungskampf“ um die global so begehrten Halbleiter, so Kegel, gehe weiter, Besserung sei frühestens ab Jahresmitte zu erwarten, eine „gewisse Normalität 2023“.

Korrespondierend dazu forderte Kegel erneut, dass Bundesregierung und Europäische Union mehr tun müssen, um in Sachen Halbleiter für Europa eine strategische Unabhängigkeit zu erreichen, zumindest langfristig.

Milliarden fließen um Europa unabhängiger von Asien zu machen

Die Notwendigkeit hiefür ist erkannt, verschiedene Initiativen sind angelaufen, aber die über Jahre gewachsene Abhängigkeit gegenüber Asien lässt sich nicht kurzfristig beheben. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hatte zuletzt 32 Unternehmensprojekte zur Mikroelektronik – mit einem Investitionsvolumen von insgesamt mehr als 10 Milliarden – ausgewählt, die gefördert werden. Diese sollen die Produktion von Halbleitern wieder nach Deutschland, also nach Europa holen. Das Ganze findet im Rahmen eines sogenannten „Wichtigen Projekt von gemeinsamem europäischem Interesse für Mikroelektronik und Kommunikationstechnologie“ (IPCEI II) statt, ein von rund 20 EU-Staaten unterstütztes Vorhaben. Insgesamt werden europaweit 90 weitere Unternehmen in diesem Rahmen von ihren Staaten unterstützt. Damit soll eine europäische Allianz für Mikroelektronik vorangetrieben werden. Der Bedarf ist gewaltig, denn den globalen Markt dominieren fernöstliche Länder wie zum Beispiel China.

Im Februar will die EU-Kommission den "European Chips Act" vorstellen

Die Europäische Kommission hat zudem für Februar den sogenannten European Chips Act angekündigt. Ziel auch hier: Dem Rückgang des europäischen Anteils an der weltweiten Halbleiterproduktion von rund 22 Prozent im Jahr 1998 auf unter zehn Prozent heute soll entgegengewirkt werden. Bis 2030 sollen in Europa produzierende Unternehmen einen Anteil von 20 Prozent am Chip-Weltmarkt haben.

Das, was da aufzuholen ist, kann vielleicht mit einer anderen Zahl ins Verhältnis gesetzt werden, die Kegel am Montag nannte: In Südkorea wird die Chipindustrie staatlich in den kommenden Jahren mit über 400 Milliarden Dollar gefördert. Kegel mahnte Tempo an: „Wenn anderswo Milliarden-Förderungen erfolgen, darf Europa nicht zurückstehen.“ Man darf dieses Plädoyer Kegels für mehr europäische Resilienz allerdings nicht als Gegenrede zur Globalisierung verstehen. Im Gegenteil: Der ZVEI beobachte „mit Sorge“ Entkoppelungstendenzen, die Abschottung von Wirtschaftsräumen.

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In diesem Jahr sind Halbleiter und andere elektronische Bauteile so knapp wie seit langem nicht.
Foto: Ole Spata, dpa (Symbolbild)

Auf das gerade angebrochene Jahr blickt Kegel zuversichtlich. Für 2022 geht er von „einem Produktionsplus von vier Prozent aus“. Im Augenblick würden die Unternehmen bereits einen Auftragsbestand von fünf Monaten vor sich herschieben. Genug Arbeit also für die rund 877.000 Beschäftigten der deutschen Elektroindustrie, in der die – auch vom Chipmangel bedingte – Kurzarbeit rückläufig ist. Ob die Wachstumsprognose gehalten oder übertroffen werden kann, hängt in der Folge übrigens auch an den genannten Lieferengpässen.

Der 2021 am meisten gewachsene Sektor der Branche ist die Batterieproduktion. Grund: die steigende Nachfrage nach E-Autos. Im Mobilitätssektor, beim Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur, bleibt laut ZVEI viel zu tun. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, nahm die neue Bundesregierung aber auch an anderer Stelle in die Pflicht. Stichwort: Stromnetzausbau. Weber betonte: „Ohne ein leistungsstarkes, digitalisiertes Stromnetz kann die Energiewende nicht gelingen.“ Und aus Verbandssicht muss – auf dem Weg zur „All Electric Society“ – der Strompreis runter. Dass die EEG-Umlage wegfalle reiche nicht, auch die Stromsteuer müsse gesenkt werden.

.Aber nicht nur beim Stromnetz sieht man erheblichen Bedarf. Weber sagt: „Die Infrastruktur in Deutschland insgesamt braucht eine Verjüngungskur.“ Der Großteil der Gebäude in Deutschland sei nicht „Energiewende-fähig, die Sanierungsquote zu gering und die Elektroinstallationen sind häufig museumsreif“.


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Die gute Nachricht: Europa korrigiert seinen Kurs.

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