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Das Lastenrad braucht keinen Sprit: Steigendes Interesse bei Unternehmen und Handwerkern

Spritsparen

Ein Lastenrad braucht keinen Sprit: Im Handwerk steigt das Interesse

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    Lastenräder sind nicht nur etwas für die Freizeit: Hannover nutzte die Räder in der Baumkontrolle.
    Lastenräder sind nicht nur etwas für die Freizeit: Hannover nutzte die Räder in der Baumkontrolle. Foto: Moritz Frankenberg, dpa

    Mehr als eine Million Lastenfahrräder sind in Deutschland unterwegs. Durch sie wurden 2024 rund 2200 Tonnen CO2 eingespart. Laut Branchenreport Radlogistik 2025 des Radlogistikverbandes Deutschland ist die Zeit des Wachstums der Branche allerdings vorbei: Im Vergleich zum Vorjahr wurden bundesweit 2024 erstmals sowohl weniger Lastenfahrräder als auch Lastenanhänger verkauft.

    „Dieser Trend setzte sich im vergangenen Jahr fort“, bestätigt Stefan Kruschel, Vertriebsleiter bei der BAYK GmbH aus Aichach. Das insgesamt 120 Mitarbeiter zählende Unternehmen fertigt im tschechischen Pilsen sowie in Regensburg pro Jahr 100 E-Schwerlastenräder für den gewerblichen Einsatz sowie 100 E-Velotaxis für die Personenbeförderung. Kostenpunkt pro Rad: rund 15.000 Euro. Zu den Hauptkunden für die Cargobikes – maximale Zuladung 250 Kilo – zählen Kurier-Express-Paketdienste, die ihre Sendungen auf der letzten Meile in Großstädten oft emissionsfrei zustellen, wie zum Beispiel UPS in Augsburg. „Die meisten Paketdienste haben ihre Investitionen in den letzten Jahren allerdings zurückgefahren“, sagt Kruschel und fügt hinzu: „Inzwischen haben wir mehr Kunden aus dem Handwerk und bei kommunalen Dienstleistern wie der Stadtreinigung. Da wächst die Nachfrage.“

    Wo Parkplätze knapp sind, ist das Lastenrad fein raus

    Kruschel nennt dafür zwei Gründe: Auch Auszubildende ohne Führerschein können als Fahrer eingesetzt werden. Zudem tragen zeitliche Zufahrtsbeschränkungen in vielen Innenstädten sowie fehlende Parkplätze dazu bei, dass in erster Linie Reinigungsfirmen, Elektrobetriebe sowie auf den Innenausbau spezialisierte Handwerker Lastenräder einsetzen, um flexibler und schneller als mit dem Auto unterwegs zu sein – ein potenziell großer Markt.

    Denn nach einer aktuellen Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks haben bislang nur zwei Prozent aller Handwerksbetriebe ein Lastenrad. In Betrieben in Innenstadtlage liegt dieser Anteil laut ZDH-Umfrage doppelt so hoch – vor allem im Lebensmittelhandwerk sowie von Glasern, Klempnern und Tischlern werden Lastenräder genutzt. Der Düsseldorfer Tischlermeister Dirk Schmidt bringt es so auf den Punkt: „Zeit ist Geld. Dazu kommen viel geringere Wartungskosten als bei einem Auto und der eingesparte Sprit. Außerdem kann ich direkt vor der Haustür des Kunden parken und muss meine Werkzeuge nicht noch durch die Gegend tragen.“

    Alexander Lutz, cargobike.jetzt: „In sozialen Medien sind Lastenräder zum Hassobjekt geworden“

    Deutlich problematischer ist das Bild, das Alexander Lutz von cargobike.jetzt entwirft. Das Beratungsunternehmen aus Berlin fördert die Nutzung von Lastenrädern. „In den sozialen Medien sind Lastenräder bei vielen zum Hassobjekt und zum Symbol für eine Verkehrspolitik weg vom Auto geworden, die man ablehnt“, sagt Lutz. Das habe Konsequenzen. „90 Prozent unserer Kunden sind Kommunen. Sie haben wegen der Anti-Stimmung zunehmend Angst vor Konflikten und lassen die Finger von der kommunalen Förderung des Verkehrs mit Lastenrädern.“ Kommunale Förderprogramme habe es in den vergangenen Jahren bundesweit in rund 130 Städten und Gemeinden gegeben, diese Zahl habe sich halbiert. In Bayern unterstützen 26 Städte von Amberg bis Weilheim den Kauf eines Lastenrades mit einem Zuschuss. In 57 bayrischen Städten gibt es Verleihstationen für Lastenräder, unter anderem in Augsburg, Kempten und Landsberg (siehe www.cargobike.jetzt).

    „Von dieser Anti-Stimmung sind Hersteller von Lastenrädern für die private Nutzung betroffen. Für unsere Kunden spielt die ideologische Ablehnung von Lastenrädern keine Rolle, sie sehen die wirtschaftlichen Vorteile“, sagt Kruschel. Nach seinen Worten war auch die zeitweise Aussetzung der finanziellen Förderung beim Kauf eines Lastenrades für die sinkenden Absatzzahlen verantwortlich: „Jetzt gibt es sogar mehr Geld bei der Anschaffung, statt 3000 nun 3500 Euro. Allerdings wird der Mietkauf nicht mehr gefördert.“

    Hirschvogel stellt Achsen und Getriebe für Lastenräder her

    Auch der Automobilzulieferer Hirschvogel (6300 Beschäftigte, 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz) setzt auf Lastenräder. Die Hirschvogel E-Solutions GmbH aus Schongau hat Ende 2022 in Kaufbeuren mit der Serienfertigung von Antriebsachsen für ein dreirädriges E-Lastenrad begonnen. Inzwischen liefert Hirschvogel unter dem Markennamen Aximo Antriebsachsen und Differentialgetriebe für E-Bikes und E-Lastenräder verschiedener Hersteller.

    Bundesweit wurden bis Ende 2024 mehr als eine Million Lastenräder verkauft. Überwiegend werden Kinder mit ihnen transportiert. Laut Branchenreport Radlogistik 2025 lag der Jahresumsatz der Branche, die mehr als 6000 Beschäftigte zählt, in Deutschland zuletzt bei 190 Millionen Euro.

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