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Die BBC versucht den Neustart nach einer Reihe von Skandalen

Medien

Nach einer Reihe von Skandalen: Dieser Tech-Manager soll die BBC retten

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    Der ehemalige Google-Top-Manager Matt Brittin wird neuer BBC-Senderchef.
    Der ehemalige Google-Top-Manager Matt Brittin wird neuer BBC-Senderchef. Foto: Pedro Fiuza, dpa (Archivbild)

    Matt Brittin hat keinen Hehl daraus gemacht, dass es ihn ins Fernsehen zieht. Der frühere Google-Manager sagte noch kürzlich bei einer Branchenveranstaltung, er habe „seit sehr langer Zeit“ vor, in diese Welt zu wechseln. Nun hat der 57-Jährige dieses Ziel erreicht. Er wird ab Mitte Mai der neue Generaldirektor der BBC und landet damit direkt auf einem der mächtigsten, aber auch besonders heiklen Posten der britischen Medien.

    Brittins Ernennung gilt als ungewöhnlicher Schritt: Er ist der erste Tech-Manager an der Spitze der Sendeanstalt – ein Umstand, der die Erwartungen erhöht. Geboren in Surrey, studierte Brittin in Cambridge und absolvierte später einen Master an der London Business School. Nach Stationen in der Medienbranche wechselte er 2007 zu Google, wo er über fast zwei Jahrzehnte hinweg aufstieg und schließlich das Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika leitete. Nach seinem Abschied dort im vergangenen Jahr legte er eine kurze Auszeit ein – nun beginnt für ihn die wohl größte Herausforderung seiner Karriere.

    Donald Trump hat die BBC verklagt

    Brittin übernimmt das Amt in schwierigen Zeiten. Der Posten des Generaldirektors musste neu besetzt werden, nachdem ein Skandal den bisherigen Amtsinhaber Tim Davie zum Rückzug gezwungen hatte. Nach einem umstrittenen Beitrag, der 2024 ausgestrahlt wurde, sieht sich die BBC mit einer milliardenschweren Verleumdungsklage von Donald Trump konfrontiert.

    In der Sendung wurden Szenen aus Trumps Rede vom 6. Januar 2021 so geschnitten, dass zwei Sätze, die in Wahrheit etwa 50 Minuten auseinanderlagen, unmittelbar ineinander übergingen – der Aufruf, zum Kapitol zu marschieren, und die Kampfansage, man müsse „wie die Hölle kämpfen“. Dies vermittelte den Eindruck, Trump habe seine Anhänger in dieser Form direkt zur Gewalt angestachelt.

    Die BBC räumte später Fehler ein und entschuldigte sich. Zu einer Einigung mit Trump kam es nicht. Der Prozess ist für Februar 2027 vor einem US-Bundesgericht in Miami angesetzt. Beobachter werfen der BBC überdies vor, wiederholt zu zögerlich oder unzureichend auf Kontroversen reagiert zu haben. So geriet der Sender im Juni 2025 in die Kritik, nachdem er beim Glastonbury-Festival einen Auftritt der britischen Punk-Band Bob Vylan mit politisch extremen Parolen – darunter gewaltbezogene Rufe gegen das israelische Militär – weiter ausstrahlte und nicht aus dem Stream nahm.

    Die BBC muss sparen

    Der Traditionssender, den die Briten liebevoll „Auntie Beeb“ nennen, steht überdies unter wirtschaftlichem Druck: Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Disney+ verändern das Sehverhalten grundlegend und greifen das klassische Geschäftsmodell an. Außerdem laufen Verhandlungen über die Royal Charter an, die 2027 ausläuft. Das Dokument regelt Auftrag, Struktur und Finanzierung der BBC und wird etwa alle zehn Jahre neu festgelegt. Bereits jetzt wird über Alternativen zur klassischen Rundfunkgebühr diskutiert.

    Von Brittin erhofft sich die BBC nun den dringend nötigen Neustart. Beobachter erwarten, dass er die digitale Umgestaltung beschleunigt und die Anstalt stärker auf veränderte Nutzungsgewohnheiten ausrichten soll. Der einstige Generaldirektor der Sendeanstalt, Mark Thompson, sagte, die Ernennung sei eine „kühne und interessante Wahl – eine Art Investition in die Zukunft“. Doch die Entscheidung für einen Branchenfremden sorgt auch für Kritik. Der frühere BBC-Chefkorrespondent John Sergeant bezeichnete die Ernennung als „desaströs“ und kritisierte, Brittin wisse „nichts über Journalismus“. An der Spitze brauche es stattdessen Menschen, die auch unter Druck schnelle redaktionelle Entscheidungen treffen könnten. 

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