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Die unwiderstehliche Kraft des Geldes: Wie sich Chinesen vor zehn Jahren Kuka geschnappt haben.

Kuka

Die Kraft des Geldes: Wie sich Chinesen vor zehn Jahren Kuka geschnappt haben

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    Der Roboter-Hersteller Kuka gehört dem chinesischen Midea-Konzern.
    Der Roboter-Hersteller Kuka gehört dem chinesischen Midea-Konzern. Foto: Kuka

    Es gibt einen nervigen, oberlehrerhaften Satz, aber gerade was das Drama des Augsburger Roboter- und Anlagenbauers Kuka anbelangt, trifft er wie die Faust aufs Auge. Die Weisheit lautet: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Journalisten könnten hinzufügen: „Wer recherchieren kann, ist klar im Vorteil.“ 

    Dabei lässt sich rasch in Erfahrung bringen, welche Strategien die chinesischen Super-Kapitalisten verfolgen. Die Herrscher in Peking gehen, zumindest was ihre wirtschaftlichen Ziele ausmacht, äußerst transparent vor. Die Machthaber veröffentlichen brav Fünf-Jahrespläne und wurden im Mai 2015 fast schon provokativ konkret, wie sie die ökonomisch-globale Vorherrschaft für ihr Reich erlangen wollen. Das Konzept „Made in China 2025“ liest sich wie eine Gebrauchsanweisung zum weiteren wirtschaftlichen Aufstieg des Imperiums. Das Strategiepapier lag öffentlich vor, ehe am 21. August 2015 publik wurde, dass sich der chinesische Midea-Konzern an Kuka anschleicht. 

    Der Hersteller von elektrischen Haushaltsgeräten wie Kühlschränken oder Klimageräten kaufte eiskalt zunächst mehr als drei und schließlich gut fünf Prozent der Anteile des damals noch börsennotierten Augsburger Hightech-Unternehmens. Der erste kühle Luftzug wurde hierzulande verwundert aufgenommen. Beschwichtigungen folgten. Den Chinesen kam zugute, dass sie in den Reihen der Kuka-Verantwortlichen in Augsburg lange unterschätzt wurden, obwohl Konzerne des Landes selten ohne staatliche Rückendeckung, eben politischen Antrieb, handeln. Und die kommunistisch-ultrakapitalistischen Industrie-Thesen, sozusagen die Blaupause für das Kuka-Manöver, waren im Manifest „Made in China 2025“ für alle nachlesbar. 

    Kuka passte in das planwirtschaftliche Beuteschema

    Das Mercator Institute for China Studies, eine gute Adresse für Aufklärung über das Riesen-Reich, erkannte früh, dass Peking den Masterplan ausgegeben hat, in zehn Jahren bis 2025 dank Investitionen in Milliardenhöhe Marktführer in Bereichen wie computergesteuerte Maschinen, energiesparende Fahrzeuge, medizinische Geräte und Roboter zu werden. Kuka, das von seinem früheren Chef Till Reuter als technologischer Musterschüler, eben als digitalisierte Industrie-4.0-Perle, in Szene gesetzt wurde, passte perfekt in das planwirtschaftliche chinesische Beuteschema.

    Den Herrschern in Peking lassen sich berechtigt Vorwürfe machen, vor allem was die Wahrung von Menschenrechten betrifft. In einer Hinsicht sind sie indes vorbildhaft: Die Machthaber halten Pläne im Gegensatz zu Marktwirtschaften wie Deutschland erschreckend verlässlich ein. Die Robotik wurde in dem Land auch dank Kuka massiv ausgebaut. Inzwischen ist China der wichtigste Markt für Automatisierungslösungen der Welt. 

    Die Verantwortlichen in Deutschland hätten 2015 gewarnt sein können, dass China den Spieß umdreht und sich von der verlängerten globalen Werkbank zum tonangebenden Hightechland wandeln will. Kuka war einer der Bausteine auf dem Weg. So teilte Midea im Februar des Jahres 2016 mit, sich bereits 10,22 Prozent an dem bayerischen Unternehmen geschnappt zu haben. Es wurde immer klarer, dass die Chinesen Großes in Augsburg vorhaben. Sie schlichen sich nicht mehr möglichst geräuschlos an, sie packten im Jahr 2016 lauter und beherzt zu. Aus einem Luftzug wurde ein Kälte-Schock. Am 16. Juni 2016 zog Frost ein, hatte Midea doch ein unwiderstehlich hohes Angebot an die Anteilseigner veröffentlicht. Die Chinesen boten 115 Euro je Aktie und sollen gut 4,5 Milliarden Euro für Kuka gezahlt haben. Der Preis war heiß und viel zu hoch. Darin sind sich Kuka-Kenner einig. 

    Damit drängte sich der Verdacht auf, Midea habe mit aller Macht und auf Geheiß Pekings Kuka attackiert. Bis heute bleibt unklar, ob der Konzern – in welcher Form auch immer – von politischer Seite finanziell beim Augsburger Deal unterstützt wurde. Dass der Einstieg politisch gewollt gewesen ist, gilt hingegen als unstrittig. So schnappte die Falle mit dem wohlschmeckenden 115-Euro-Köder zu. Die Chinesen erbeuteten mit ihrem Mega-Angebot schließlich 94,55 Prozent der Aktien. Bis auf wenige Widerständler wie den einstigen Kuka-Betriebsratsvorsitzenden Armin Kolb fielen die Anteilseigner reihenweise um, lag die Offerte doch rund 30 Prozent höher als die Kurse der dem materiellen Lockruf vorausgegangenen Monate. Und der realistische Preis für eine Kuka-Aktie soll bei rund 80 Euro gelegen haben. In Deutschland beheimatete Kuka-Großaktionäre wie die Heidenheimer Voith-Gruppe und der Industrielle Friedhelm Loh wurden schwach, so sehr hierzulande Politikerinnen und Politiker an ihre patriotische Ehre appellierten. Geld weist Heimatverbundenheit oftmals in die Schranken. 

    Vergebliche Versuche, ein deutsches Kuka-Bollwerk zu schaffen

    Der aus Augsburg stammende heutige IG-Metall-Vize Jürgen Kerner erinnert sich an die aufwühlenden Zeiten der Kuka-Übernahme: „Das Angebot der Chinesen war genial. Wir haben alle Fehler gemacht, auch die Aufsichtsräte, weil sie sich bei der Abwehr von Midea auf Voith und Loh verlassen haben.“ Der Gewerkschafter ist einer der führenden Industriekenner des Landes und war wie der damalige Augsburger IG-Metall-Chef Michael Leppek eng mit dem Fall befasst. Kerner blickt gegenüber unserer Redaktion auf die vergeblichen Versuche zurück, heimische Konzerne wie Siemens und VW oder das schweizerische Unternehmen ABB zu überreden, sich bei Kuka zu engagieren und als eine Art Bollwerk den Vormarsch der Chinesen zu stoppen. 

    Jürgen Kerner ist Zweiter Vorsitzender der IG Metall.  Er war einst intensiv mit dem „Fall Kuka“ betraut.
    Jürgen Kerner ist Zweiter Vorsitzender der IG Metall. Er war einst intensiv mit dem „Fall Kuka“ betraut. Foto: IG Metall

    Damals, im Jahr 2016, versuchte Kerner mit dem einstigen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel alles, eine deutsche oder europäische Lösung für Kuka zu zimmern. Doch der einstige Siemens-Chef Joe Kaeser winkte auch wegen des hohen Preises ab. Selbst die Volkswagen-Bosse, die ein Interesse daran hatten, dass ihr wichtiger Zulieferer Kuka unter heimischer Kontrolle bleibt, blieben untätig. Ihnen steckte die Diesel-Affäre in den Knochen. VW war wie gelähmt. Auch die ABB-Variante scheiterte.

    Erzählungen zufolge soll Kanzlerin Angela Merkel 2016 auf ihrer China-Tour mitreisende deutsche Konzern-Bosse animiert haben, sich für Kuka zu engagieren, nach dem Motto: Meine Herren, jetzt macht mal! Wie es heißt, hätten die Herren betreten auf den Boden gestarrt. IG-Metall-Vertreter Kerner hat dafür eine Erklärung: „Wenn Konzerne wie Siemens oder Volkswagen bei dem Roboter-Spezialisten eingestiegen wären, hätten sie die Differenz zwischen einem zu hohen Kaufpreis und dem wirklichen Wert abschreiben müssen, was sich nur schwer Aktionären erklären lässt.“ Ob die Chinesen all das geahnt haben, bleibt eine offene Frage im Kuka-Drama. War alles Kalkül oder hatten sie auch Glück? Eine Mischung aus beiden Faktoren sicherte ihnen letztlich die Kuka-Trophäe.

    Der frühere Kuka-Chef Till Reuter trug gerne orangefarbene Krawatten. Orange ist die Firmenfarbe von Kuka.
    Der frühere Kuka-Chef Till Reuter trug gerne orangefarbene Krawatten. Orange ist die Firmenfarbe von Kuka. Foto: Ulrich Wagner (Archivbild)

    Till Reuter war von 2009 bis 2018 Kuka-Chef. Heute führt er nach seiner Zeit als Aufsichtsrats-Vorsitzender der Unternehmens-Gruppe Theo Müller, des Milch-Imperiums aus Aretsried im Landkreis Augsburg, die Schweizer Dormakaba Group, einen weltweit führenden Konzern, der Zutrittslösungen für Gebäude anbietet. Für die Firma arbeiten rund 16.000 Frauen und Männer. Dormakaba ist wie einst Kuka börsennotiert. Als sich der chinesische Midea-Riese vor zehn Jahren die Macht über den Roboterbauer sicherte, sagte der einstige Ferrari- und Fiat-Chef Sergio Marchionne zu Reuter: „Till, I give you two years.“ Die Prognose des erfahrenen Automobil-Weltmanns, dass die Chinesen den früheren Kuka-Chef nur noch zwei Jahre im Amt belassen, sollte sich bewahrheiten. Die Geschichte erzählt Reuter entspannt in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Schließlich werden Chefs, wenn ihre Firmen übernommen werden, häufig ausgetauscht, zumal wenn neue Eigentümer andere Akzente setzen wollen. 

    Ex-Kuka-Chef Reuter: „Wir konnten schneller Entscheidungen fällen“

    Reuter ist gelernter Jurist und Investmentbanker. Er denkt gerne an die „spannenden und schönen Kuka-Jahre“ zurück. Zwar äußert er sich nicht über die Details des Einstiegs und Siegeszugs von Midea, der 58-Jährige sagt aber: „Das war eine super Zeit bei Kuka. Ich sehe es nicht als negativ an, dass ein chinesischer Investor das Unternehmen übernommen hat. Jeder Eigentümer hätte das Gleiche mit dem Unternehmen gemacht, auch wenn er aus Japan oder aus den USA gekommen wäre.“ Reuter bedauert indes, „dass Augsburg nicht mehr ein derart starkes Innovationszentrum für Kuka wie einst ist“. Es fehle im Gegensatz zu früher an einer klaren, von der bayerischen Stadt ausgehenden Vision für den Roboterbauer. Der Manager erinnert sich an die Zeit vor dem Einstieg der Chinesen: „Wir konnten schneller Entscheidungen fällen.“ Für ihn sei stets das Thema „Innovation“ wichtig gewesen. Reuter sagt: „Unter mir als CEO hätte Kuka heute auch humanoide, also menschenähnliche Roboter im Angebot.“

    Kuka und Augsburg haben Reuter zu verdanken, dass er das Unternehmen nach einer „Fast-Pleite“ im Jahr 2009 auf eine solide Basis gestellt hat, was Beobachter wie IG-Metall-Vize Kerner anerkennen und als „Kraftakt“ beschreiben. Es kam dem früheren Firmen-Chef in schwierigen Gesprächen mit Bankern sicher zugute, dass er einst etwa für die Deutsche Bank und Morgan Stanley tätig war. Von nun an gelang Reuter mit seinem Team ein erstaunlicher Imagewandel: Aus dem Insolvenz-Kandidaten wurde eine deutsche Industrie-Perle, ein weltweites Aushängeschild der heimischen Wirtschaft. Der Maschinenbauer galt als Muster-Beispiel für die Industrie 4.0, das Zusammenwachsen von Mechanik und Digitalisierung. Der Höhepunkt war sicher, als der damalige US-Präsident Barack Obama und die frühere Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2016 den Stand des Roboterbauers auf der Hannover Messe besuchten. Reuter war als „Mister Kuka“ in seinem Element und auf dem Gipfel seiner Karriere in Augsburg angekommen. Am Ende musste er dem Siegeszug der Chinesen zusehen. Es gelang ihm nicht, den deutschen Block als Anteilseigner zu halten und auszubauen. 

    Reuter verstand es jedenfalls, Fantasien zu wecken: Was technische Höchstleistungen „Made in Germany“ betraf, wurde in den Jahren 2015 und 2016 nach Siemens oft Kuka genannt. Kein Wunder, dass die Chinesen heiß auf die Übernahme des Automatisierungsspezialisten waren. Die Physikerin Merkel hatte dem Unternehmen in Augsburg einen Besuch abgestattet und bekannt: „Wir können stolz sein, dass in Deutschland Unternehmen wie Kuka zu Hause sind.“

    Warum konnte die Bundesregierung die Chinesen nicht auf Abstand halten? Lange nach der Übernahme beschäftigt die Frage nach wie vor Menschen, vor allem in Augsburg. Wie kam der Kuka-Sündenfall zustande? Der zu der Zeit amtierende Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erinnert sich im Gespräch mit unserer Redaktion an die aufwühlende Zeit: „Wir haben alles versucht, die Übernahme von Kuka durch Midea zu verhindern. Doch uns waren die Hände gebunden.“ Der SPD-Politiker spielt darauf an, dass zu Zeiten des Angriffs der Chinesen die Bundesregierung die Übernahme nicht verhindern konnte, weil das Außenwirtschaftsgesetz für solche Fälle keine ausreichende Handhabe bot. Gabriel gesteht ein: „Entsprechende, später erfolgte Verschärfungen dieses Gesetzes kamen zu spät.“ Auch seien Versuche gescheitert, die beiden einstigen Kuka-Großaktionäre Voith und Friedhelm Loh davon abzubringen, ihre Anteile an dem Roboterbauer den Chinesen anzudienen. 

    Wie Geld alle Türen für die Chinesen öffnete

    Am Ende lautet die schmerzliche und banale Kuka-Haupterkenntnis: Geld macht schwach. Letztlich waren es die Mechanismen eines puren Kapitalismus, mit denen die Investoren aus Fernost alle Bedenken und Versuche, Kuka doch noch zu retten, vom Tisch gewischt haben. Gabriel ist sich sicher: „Heute würde es uns leichter fallen, eine solche Firma vor dem Einstieg eines Unternehmens aus einem Nicht-EU-Land zu bewahren.“ Insofern kommt das Drama um die Augsburger Industrie-Perle für viele Menschen, gerade in Augsburg, einer Tragödie gleich, wurden doch alle Türen mit dem Schlüssel des enorm lukrativen Angebots geöffnet. Die Tür des Außenwirtschaftsgesetzes stand derweil weit offen.

    Ist der Einstieg von Midea wirklich eine Tragödie für die Kukanerinnen und Kukaner, wie sich die stolzen Beschäftigten selbst nennen und gerne darauf verweisen, durch ihre Adern fließe orangefarbenes Blut? Orange ist bekanntlich die Firmenfarbe. Stünde das Unternehmen heute besser da, wenn die Chinesen den Kürzeren gezogen hätten? Wäre die Zahl der Beschäftigten in Augsburg dann nicht immer wieder um einige Hundert Mitarbeitende von in der Spitze knapp 4500 auf zuletzt rund 3000 Menschen zurückgegangen, während in China Kuka schon etwa 2700 Angestellte zählt? Ja, wäre nach dem allseits angesehenen und als „menschlich“ geltenden Reuter-Nachfolger Peter Mohnen nicht ein derart hart in schwierigen wirtschaftlichen Umbruchzeiten durchgreifender Christoph Schell von Midea auf den Kuka-Chefsessel bugsiert worden? 

    Keiner der aktuell bei Kuka Verantwortlichen will sich bei einem solchen „Was-wäre-wenn-Spiel“ zitieren lassen. Klar ist: Wäre Kuka mit ABB zusammengelegt worden, hätte das sicher reichlich Arbeitsplätze in Augsburg gekostet. Der schweizerische Konzern hat am Ende seine Robotersparte an den japanischen Technologie-Investor Softbank für etwa 5,4 Milliarden Dollar verkauft. Die Entwicklung hätte vielen Kukanerinnen und Kukanern nicht gutgetan. 

    Beim Einstieg eines Finanzinvestors, einer Heuschrecke, wie SPD-Mann Franz Müntefering sagen würde, hätten andere Spielregeln gegolten: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wären Teile wie der Anlagenbau in Deutschland oder die Logistik verkauft worden. Das ist unter chinesischer Regentschaft ausgeblieben. Ein Insider sagt: „Zu glauben, Kuka stünde ohne Chinesen heute viel besser da, ist pure Romantik.“ Selbst wenn sich Volkswagen trotz Diesel-Skandals zum weißen Ritter, also Retter von Kuka aufgeschwungen hätte, würden heute hinter der Investition reichlich Fragezeichen stehen. Derzeit hat VW einen immensen Finanzbedarf und trennt sich von seinem Augsburger Großmotorenbauer Everllence. 

    Am Ende sehen es aus der Rückschau Beteiligte als Fehler des einstigen Voith-Managements an, nicht rechtzeitig Kuka-Aktien vor der Mega-Offerte von Midea dazugekauft zu haben, schließlich hätte der Roboter-Spezialist gut zu dem baden-württembergischen Konzern als zusätzliches Geschäftsfeld gepasst. Wer wie Voith zu spät kommt, den bestrafen die Chinesen. 

    Armin Kolb war lange Betriebsratsvorsitzender von Kuka.
    Armin Kolb war lange Betriebsratsvorsitzender von Kuka. Foto: Ulrich Wagner (Archivbild)

    Armin Kolb sah in seiner Zeit als Betriebsratsvorsitzender das Engagement der Chinesen nicht grundsätzlich negativ an. Denn nach seiner Lesart eröffnet Midea Kuka einen besseren Zugang zum stark wachsenden asiatischen Markt, was den Standort Augsburg langfristig absichert. Der Arbeitnehmer-Vertreter hob auch immer wieder hervor, dass es in Verhandlungen gelang, dem Investor Standortgarantien abzutrotzen. All das räumte Kolb ein, selbst wenn er durch und durch ein Kukaner ist. Doch die Entscheidung des Managements, Kompetenzen und Produkte ins europäische Ausland zu verlagern, ja weitere Arbeitsplätze abzubauen, ließ ihn Konzern-Chef Schell kritisieren. So sagte er: „Die unternehmerische Pflicht, soziale Verantwortung für sichere Arbeitsplätze am Standort Augsburg zu übernehmen, fehlt mir derzeit komplett bei Kuka.“

    Dessen ungeachtet scheint dem Roboter-Spezialisten die enge Bindung zum asiatischen Markt insgesamt nicht schlecht bekommen zu sein: In China rangiert Kuka – nach Stückzahlen gemessen – auf Platz drei. Und eigenen Berechnungen zufolge steht das Unternehmen erstmals seit vergangenem Jahr weltweit auf dem zweiten Platz – und das vor allem dank des guten China-Geschäfts. Ob die Augsburger auch ohne die Hilfe von Midea derart erfolgreich in dem asiatischen Land wären, ist für Branchenkenner fraglich. 

    Weiter darf also heftig darüber gestritten werden, ob Midea für Kuka das kleinere Übel war oder doch von Nachteil. 

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