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Gaspreis: Muss Deutschland sich besser für neue Krisen rüsten?

Iran-Krieg

Braucht Deutschland eine nationale Gasreserve?

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    Deutschland hat seinen Gasbezug diversifiziert. Die Speicher allein würden aber nicht lange reichen.
    Deutschland hat seinen Gasbezug diversifiziert. Die Speicher allein würden aber nicht lange reichen. Foto: Jan Woitas, dpa

    Die hohe Abhängigkeit von Gas macht Deutschland in den aktuellen Turbulenzen auf den Energiemärkten verwundbar. Im vergangenen Jahr hat das Land so viel Erdgas verstromt, wie seit Jahren nicht: Über 50 Prozent des Stroms wurden zwar erneuerbar erzeugt. Aber auch die Stromerzeugung aus Erdgas stieg – um mehr als zehn Prozent. 16 Prozent des Stroms kam aus Gaskraftwerken. Hinzu kommt: Gas ist auch in der Industrie noch immer unverzichtbar. Die Kämpfe im Nahen Osten und eine Drohung aus Moskau haben deshalb eine alte Debatte neu entfacht.

    Die Versorgung sei zwar trotz des neuen Kriegs am Golf und den Folgen auf den Energiemärkten sicher, betont Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Doch um den Bedarf zu decken und die Speicher zu füllen, die in diesem Winter bedrohlich leer geworden sind, muss in Deutschland in den kommenden Monaten kräftig Gas eingekauft werden. Das dürfte teuer werden, doch ohne gut gefüllte Speicher ist die Versorgungssicherheit nicht immer gewährleistet.

    Für weitere Unsicherheit sorgte in dieser Woche Russlands Präsident Wladimir Putin, der androhte, kein Gas mehr nach Europa zu liefern. Zwar bezieht Deutschland selbst so gut wie kein Gas mehr aus Russland, aber die fehlende Menge auf dem europäischen Markt könnte die Preise noch weiter treiben. Auch deshalb gewinnt die Diskussion um eine staatliche Gasreserve neu an Fahrt.

    Die Gasspeicher zu befüllen wird immer schwieriger

    Der Verband der Gas- und Wasserstoffspeicherbetreiber, Ines, untermauerte seine Forderung nun mit einem detaillierten Vorschlag zur Umsetzung. Demnach sollte etwa ein Drittel der bestehenden Speicherkapazität für eine solche staatliche Reserve genutzt werden, die nur in einem klar definierten Krisenfall angebrochen werden dürfte. Diese Reserve, Ines spricht von 78 Terawattstunden, würde laut dem Verband reichen, um etwa den vollständigen Ausfall der norwegischen Gaspipelines nach Deutschland für 90 Tage zu überbrücken.

    Auch der Verband der Gas- und Wasserstoffwirtschaft drängt auf eine rasche Klärung. Denn die Befüllung der Speicher gestaltete sich zuletzt deutlich schwieriger. Seit dem Energiepreisschock nach der russischen Invasion in der Ukraine gelten gesetzlich vorgeschriebene Mindestfüllstandshöhen. Sie konnten aber nur noch erreicht werden, weil letzten Endes die Gasverbraucher über eine Umlage dafür bezahlt haben.

    Weil die Gaslieferanten darauf zählen konnten, dass nach dem Winter viel Gas gekauft werden muss, um die Vorgaben einzuhalten, war Gas für die Lieferung im Sommer teils teurer als für den Winter. Damit haben Händler keinen Anreiz mehr, Gas einzuspeichern. In der Folge lohnt sich auch das Geschäftsmodell der Speicherbetreiber weniger. Der neue Krieg in Nahost und der rapide Anstieg der Gaspreise haben die Lage verschärft, erklärte ein Verbandssprecher.

    Speicher sind eine Versicherung gegen Risiken

    Zeitdruck entsteht auch, weil gerade im Süden der Republik Gas in Porenspeichern gelagert wird, unterirdische Gesteinsschichten, die das Gas wie ein Schwamm in winzigen Hohlräumen aufnehmen. Das Ein- und Ausspeichern dauert hier länger als in den im Norden vorherrschenden Kavernenspeichern, in denen das Gas in großen Hohlräumen lagert.

    Reiche hat sich noch nicht eindeutig positioniert. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher nur allgemein, die Speicherbefüllung müsse marktlich erfolgen. „Ein staatlicher Eingriff sollte nur erfolgen, wenn er die Versorgungssicherheit nachhaltig erhöht, kosteneffizient ausgestaltet werden kann und die Marktakteure nicht aus der Verantwortung nimmt.“

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    In einem Gutachten der Analysefirma Frontier Economics für das Wirtschaftsministerium werden zwei Alternativen für eine Reform der Speicherbefüllung genannt: die vollständige Streichung der bisherigen Füllstandsvorgaben oder ihre Streichung mit dem Vorbehalt einer strategischen Reserve. Ausdrücklich werden als Argumente für letztere Option neue Krisenszenarien wie Sabotageakte oder gezielte Angriffe aufgezählt.

    Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft warnt, Marktkräfte kämen an ihre Grenzen, wenn unerwartete Risiken sich materialisieren und externe Schocks auftreten. Die Branche hält eine Speicherreserve für ein sinnvolles Instrument, allerdings nur dann, wenn sie ausschließlich zur Sicherung der Versorgung eingesetzt wird.

    Teuer wird es trotzdem. Die Speicherbetreiber gehen von zwei bis vier Milliarden Euro für den Aufbau der Reserve aus – sowie weiteren, deutlich geringeren Haltekosten.

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