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Gasspeicher leeren sich rapide, Bayern besonders betroffen: Forderung nach einer nationalen Gasreserve

Energie

Gasspeicher leeren sich rapide, Bayern besonders betroffen: Forderung nach nationaler Gasreserve

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    Die deutschen Gasspeicher haben sich stark entleert, besonders niedrig ist der Füllstand in Bayern.
    Die deutschen Gasspeicher haben sich stark entleert, besonders niedrig ist der Füllstand in Bayern. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

    Nachdem sich die Gasspeicher in Deutschland angesichts der kalten Witterung insbesondere im Norden rasant leeren, steigt der Druck auf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), in Zukunft wieder für eine höhere Speicherung zu sorgen. Neben der Gefahr höherer Gaspreise im Sommer besteht vor allem das Risiko, dass bei neuen Krisen die Gasversorgung nicht mehr gesichert ist.

    In den vergangenen Wochen haben sich die deutschen Gasspeicher rasch entleert. Der Füllstand der deutschen Speicher betrug am 8. Februar im Schnitt noch rund 27 Prozent. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es fast 50 Prozent.

    Die Speicher in Bayern sind besonders leer

    Besonders leer sind die Speicher im Freistaat, das geht aus einer Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hervor. Demnach war Ende Januar der Speicher Wolfersberg noch zu fünf Prozent gefüllt, Schmidhausen zu 13 Prozent, Breitbrunn und Inzenham-West zu 17 Prozent und Bierwang noch zu 42 Prozent.

    Bayern war schon einmal die Achillesferse der deutschen Versorgungssicherheit“, sagt Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. „Die Ampel-Regierung arbeitete in den letzten Jahren mühsam daran, diese Fehler zu korrigieren“, meint sie. „Kaum sind CDU/CSU wieder an der Regierung, wiederholen sie ihre Fehler und lassen die Gasspeicher leerlaufen, statt vorzusorgen und den Verbrauch von weniger Gas zu forcieren.“

    Badum kritisiert das Argument der Bundesregierung, dass im Notfall kurzfristig Flüssiggas über die neuen Importterminals eingeführt werden könnte: „Die Wette darauf, dass wir im Zweifel problemlos mehr Trump-Gas aus den USA importieren können, kann in dieser weltpolitischen Lage nur ein Witz sein“, sagt sie. Sie fordert auch die Landesregierung zum Handeln auf: „Die CSU muss sich endlich um die Energiesicherheit kümmern!“ Auch Fachleute besorgt die Situation.

    Sebastian Heinermann, INES: „Versorgungssicherheit bei Gas nicht ausreichend abgesichert“

    Denn je leerer die Gasspeicher am Ende der Heizperiode sind, desto schwieriger und teurer wird die Wiederbefüllung. „Es ist bereits absehbar, dass die Gasspeicher mit extrem niedrigen Füllständen in die Phase der Wiederbefüllung im Sommer dieses Jahres starten werden“, sagt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Speicherverbandes INES. „Die Gasnachfrage zur Befüllung kann den Gaspreis im Sommer erhöhen“, erklärt er. Normalerweise ist Gas im Sommer an den Märkten günstiger als im Winter. Sinkt diese Differenz, lohnt es sich für die Speicherbetreiber nicht mehr, Gas einzuspeichern und für den Winter zu bevorraten. Die Folge wäre: Deutschland könnte mit noch geringeren Füllständen in die kommende Heizsaison starten. Die Fachleute fordern deshalb schnelles politisches Handeln.

    „Die Wette darauf, dass wir im Zweifel problemlos mehr Trump-Gas aus den USA importieren können, kann in dieser weltpolitischen Lage nur ein Witz sein“. meint Grünen-Politikerin Lisa Badum.
    „Die Wette darauf, dass wir im Zweifel problemlos mehr Trump-Gas aus den USA importieren können, kann in dieser weltpolitischen Lage nur ein Witz sein“. meint Grünen-Politikerin Lisa Badum. Foto: Soeren Stache, dpa

    „Der Status quo ist nicht tragfähig – bestehende Mechanismen sichern Versorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind“, warnt Heinermann. Der gesetzliche und regulatorische Rahmen müsse weiterentwickelt werden. Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, unterstützt diese Idee und fordert eine nationale Gasreserve: „Zur Absicherung eines akuten Krisenfalls und unerwarteter externer Schocks ist die Schaffung einer Speicherreserve ein sinnvolles Instrument“, sagt sie. „Sie kann die Handlungsfähigkeit erhalten und Deutschland resilienter machen.“

    Für Öl bildet Deutschland bereits eine strategische Reserve, die für 90 Tage halten soll. Eine Gas-Bevorratung für den Notfall fordert auch Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller: „Damit wir uns effizient gegen disruptive Ereignisse absichern können, ist die Diskussion über eine strategische Gasreserve sinnvoll.“

    Michael Kellner, Grüne: „Wenn wir die Regeln nicht ändern, bekommen wir die Speicher nicht voll“

    „Wenn wir die Regeln nicht ändern, bekommen wir im Frühling und Sommer die Speicher nicht voll“, warnt auch Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Eines beunruhigt Kellner besonders: „Wir erleben einen normalen Winter - ohne Katastrophen, ohne Terrorangriffe - und trotzdem zittern wir uns bei der Gasversorgung ins Frühjahr“, sagt er.

    „Über 90 Prozent des importierten Flüssiggases stammt derzeit aus den USA“, warnt Kellner. „In diesen Zeiten will man aber nicht von US-Präsident Donald Trump abhängig sein.“ Für ihn ist neben der Bildung einer Gasreserve auch entscheidend, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden: „Jede Wärmepumpe, jedes E-Auto hilft uns, weniger abhängig von fossilen Energien zu sein“, sagt er.

    Bundeswirtschaftsministerium: Speicherbedarf allgemein gesunken

    Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Lage entspannter: „Dass dieses Jahr trotz vergleichsweise niedriger Füllstände kein Versorgungsengpass droht, liegt unter anderem daran, dass der Speicherbedarf allgemein gesunken ist“, heißt es in der Antwort an die Grünen. Dies liege an höheren Kapazitäten für Flüssigerdgas, ausreichenden Pipeline-Importen und einem geringeren Gasverbrauch.

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