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Gassi-Gehen und Fitnessuhren: Darum laufen die Deutschen 20 Millionen Kilometer mehr am Tag

Mobilität

Deutsche laufen 20 Millionen Kilometer mehr: Corona-Hunde machen den Leuten Beine

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    Der besten Freunde des Menschen sorgen dafür, dass mehr Herrchen und Frauchen auf den Beinen sind.
    Der besten Freunde des Menschen sorgen dafür, dass mehr Herrchen und Frauchen auf den Beinen sind. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Die Deutschen scheinen es mit ihrem Dichterfürsten Goethe zu halten: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, hat er dereinst gesagt. Und in der Tat, die Menschen benutzen öfter ihre zwei Beine, um einen Weg zu erledigen. Das hat eine große Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums mit über 400.000 Teilnehmern herausgefunden. Mit 26 Prozent wird jeder vierte Weg zu Fuß getan. Bei der vorhergehenden Untersuchung im Jahr 2017 waren es nur 22 Prozent. Das mag sich wenig anhören, doch hochgerechnet auf 84 Millionen Einwohner laufen die Deutschen 20 Millionen Kilometer mehr pro Tag als 2017. In Summe legen die Beine aller täglich 113 Millionen Kilometer zurück.

    Gründe für die neue Lust aufs Laufen gibt es mehrere. Verkehrsforscher Sebastian Vollmer muss aber die Deutschlehrer enttäuschen, mit Goethe hat es wohl nicht zu tun. „Das ist ein bunter Mix. Es gibt seit Corona mehr Hunde, die ausgeführt werden. Und es gibt mehr Gesundheitsbewusstsein. Wir zählen unsere Schritte“, sagt Vollmer, der wesentlich an der Studie mitgearbeitet hat.

    Wie bewegen sich die Leute im Alltag?

    Das Auto ist immer noch König. 50 Millionen Pkw sind auf den Straßen des Landes unterwegs. Die Hälfte aller Wege wird damit abgespult, ein Viertel erfolgt zu Fuß. Das Fahrrad kommt auf elf Prozent der Strecken zum Einsatz und ist damit genauso stark wie Bus und Bahn. Die Werte sind in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ziemlich stabil, nur das Gehen hat einiges auf das Auto gutgemacht. Im Durchschnitt aller Bevölkerungsgruppen legt jeder pro Tag 35 Kilometer zurück. Der Wert ergibt sich, wenn längere Pendelstrecken zur Arbeit mit dem kurzen Schulweg der Kinder verrechnet werden. Im Mittel sind wir laut Studie täglich rund anderthalb Stunden unterwegs. Die Wissenschaftler haben nicht nur nach dem Weg zur Arbeit gefragt, sondern auch, wie weit der Supermarkt entfernt liegt und wie man sich in der Freizeit fortbewegt. Im Vergleich zur letzten Erhebung 2017 ist die tägliche Durchschnittsstrecke dank des stärker verbreiteten Arbeitens von zu Hause heute vier Kilometer kürzer.

    Trotz dichten Berufsverkehrs ist das Auto noch immer das Verkehrsmittel Nummer 1 in Deutschland.
    Trotz dichten Berufsverkehrs ist das Auto noch immer das Verkehrsmittel Nummer 1 in Deutschland. Foto: Matthias Balk/dpa

    Wie unterscheidet sich Mobilität?

    „Den Hauptunterschied gibt es zwischen Metropolen und dem ländlichen Raum“, sagt Verkehrsforscher Vollmer. Je größer die Stadt, desto mehr Strecken werden zu Fuß, auf dem Rad oder mit Bus und Bahn zurückgelegt. Liegt das eigene Zuhause in der Kleinstadt oder im Dorf, desto stärker dominiert das Auto. Verkehrsminister Patrick Schnieder leitet aus den Ergebnissen ab, allen Formen der Fortbewegung ihren Raum geben zu wollen. „Wir haben uns im Koalitionsvertrag vorgenommen, Mobilität in Stadt und Land nach den Bedürfnissen der Menschen ermöglichen“, sagte der CDU-Politiker. Anders als die Vorgängerregierung wird die Verkehrende nicht mehr in Großbuchstaben geschrieben, wonach für den Klimaschutz möglichst viele Menschen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen sollen. Eigentlich sollte die Zahl der Passagiere in Bus und Bahn bis 2040 verdoppelt werden, Schnieder verweist aber darauf, was realistisch ist. „Wir können die Schiene nicht überall hinbringen.“

    Hauptverkehrsmittel nach Ländern
    zu FußFahrradBus und BahnAuto
    Bayern23%11%10%56%
    Berlin35%14%27%24%
    Baden-Württemberg27%11%9%53%
    Hessen27%9%12%52%
    Sachsen24%8%11%57%
    Schleswig-Holstein22%15%11%53%
    Gesamt:26%11%11%53%

    Was bringt das Deutschlandticket?

    Die Wissenschaftler haben sich auch damit befasst, wie es um die Akzeptanz neuerer Formen der Mobilität steht. Das Deutschlandticket beispielsweise nutzen nicht nur Pendler, ausweislich der Studie tun es ein Drittel der Nutzer für Ausflüge, Kurztrips und die Fahrt in den Urlaub. Aktuell haben 14,5 Millionen Menschen in Deutschland die günstige Monatskarte. Nach der Preiserhöhung im Januar von 49 auf 58 Euro kündigten eine halbe Million Nutzer. Wenn mit dem Jahreswechsel der Preis auf 63 Euro steigt, könnte das neuerlich passieren. „Der Politik muss klar sein, dass das Ticket für viele Menschen mit geringem Einkommen unerschwinglich wird. Deshalb braucht es hier stabile Preise und zusätzlich ein bundesweit gültiges Sozialticket, damit Mobilität für alle bezahlbar bleibt“, sagte die Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, Michaela Engelmeier, unserer Redaktion.

    Wie steht es um E-Bikes und E-Autos?

    Dass längere Strecken mit dem Fahrrad gefahren werden, liegt vor allem am Boom der Elektro-Räder. Ihr Zahl hat sich in den vergangenen acht Jahren v auf rund 16 Millionen verdreifacht. Ein E-Bike kaufen sich Kunden, die schon vorher mit dem klassischen Rad unterwegs waren. Es ermöglicht aber Älteren, länger im Sattel zu sitzen. Elektroautos haben den Fluch der Reichweitenangst abgelegt. Sie werden mittlerweile genauso genutzt wie Benziner und Diesel, was die Länge der zurückgelegten Strecken und die Jahreskilometer betrifft.

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