Herr Walch, mit Ihrem Unternehmen Ilzhöfer versorgen Sie Ihre Kunden mit Treibstoff und Heizöl. Ist nach den Rekordpreisen eine Entspannung in Sicht?
RICHARD WALCH: Der Indikator für die Preise für Treibstoff und Heizöl ist der Rohölpreis in Deutschland. Vor dem Ausbruch des neuen Iran-Krieges lag er bei rund 60 Dollar pro Barrel. In der Spitze ist er auf 120 Dollar hochgeschossen, am Mittwoch hat er sich wieder bei rund 80 bis 85 Dollar eingependelt. Das war eine extreme Aufwärtsbewegung, auf die ein leichter Rückgang folgte. Inzwischen ging es wieder ein Stück nach oben.
Weshalb ist der Transport durch die Straße von Hormus so entscheidend, wenn doch nur ein kleiner Teil des Öls in Europa landet?
WALCH: Physikalisch hat das über die Straße von Hormus exportierte Rohöl nichts mit der Energieversorgung hier zu tun. Nur 20 Prozent des weltweiten Rohölbedarfs werden durch die Meerenge transportiert, und diese Menge geht zum großen Teil nach Asien. Es ist nicht das Öl, das wir hierzulande tanken und verheizen. Wir haben allerdings einen globalen Markt für Rohöl. Die Rohstoffbörse reagiert sofort auf kriegerische Ereignisse, die Preise steigen an. Falls Asien zu wenig Öl aus dem Nahen Osten bekommt, kaufen die Länder am Markt an anderer Stelle ein. Die Verknappung führt zu steigenden Preisen.
Heizölhändler aus Augsburg erklärt die Preis-Explosion
Mal ehrlich, wieso kam der Anstieg so rasch nach Kriegsausbruch, obwohl manche Tankstellen sicher noch volle Lager hatten?
WALCH: Es gibt eine simple technische Erklärung: Die Marktführer auf dem Tankstellenmarkt haben bundesweit jeweils 1600 bis 2300 Tankstellen. Diese haben meist rund fünf Produkte – von Super E10 bis Diesel. Dies macht insgesamt mindestens 11.500 Tanks pro Unternehmen. Für die Tanks einzelne Preise festzulegen, je nachdem, ob der Tank noch vor der Krise günstiger befüllt worden war oder schon wieder teurer aufgefüllt werden musste, ist nicht darstellbar. Man hätte in dieser Phase zudem in der Nachbarschaft einige sehr teure Tankstellen und einige sehr billige, das würde zu langen Schlangen führen. Tatsächlich sind es Computerprogramme, die im Minutentakt die Preise abgleichen. Die Preise werden an die Markttransparenzstelle gemeldet und sind dort für Betreiber von Spritpreis-Vergleichsplattformen wie dem ADAC abrufbar. Die Basis für die Kalkulation der Händler sind immer die Wiederbeschaffungskosten zuzüglich der Kosten für die Fracht und die Marge, so entsteht der Endpreis auf Minutenbasis.
Die Erfahrung lehrt, dass die Preise schnell steigen, aber langsam fallen. Woran liegt das?
WALCH: Man muss stringent sein. Die Preisanpassungen müssen in beide Richtungen vorgenommen werden.
Was kann denn der Verbraucher tun?
WALCH: Der Verbraucher tut mir leid. Wir sind ja selbst betroffen von den Preiserhöhungen: Wir haben einen Fuhrpark und Mitarbeiter, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Wir sitzen alle im selben Boot. Für jeden, der auf das Auto angewiesen ist, sind derart hohe Preise eine Katastrophe. Bayern ist ein Flächenstaat, die Wirtschaft braucht Mobilität. Eine optimale Antwort gibt es nicht. Die üblichen Rezepte, sparsam zu fahren, den Reifendruck zu prüfen und Dachgepäckträger abzunehmen, kennen die Autofahrer zur Genüge. Grundsätzlich hat es sich als günstiger erwiesen, in den Abendstunden zu tanken, also besser auf dem Heimweg von der Arbeit als auf dem Hinweg.
Heizöl wird immer teurer: Das sollten Kunden jetzt tun
Was raten Sie Heizölkunden?
WALCH: Heizöl hat den Vorteil, dass man die Energie lagern kann. Die Kunden haben für ein bis zwei Jahre Lagerkapazität. Sie können in vielen Fällen entscheiden, ob sie ihren Tank vollmachen oder einige Monate abwarten wollen. Wer ein Sicherheitsmensch ist, dem empfehle ich, den Tank vollzumachen. Wer weiß, wie sich die Krise entwickelt? Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Wer sagt, dass ihm sein Heizöl einige Monate reicht und er die Krise aussitzen will, der könnte den Herbst abwarten. Die Kurse sind jetzt schon besser als vor drei Tagen. Man kann nie abschätzen, welche Pläne die US-Regierung von Donald Trump hat. Ich persönlich denke aber nicht, dass er mit einem Krieg in die US-Zwischenwahlen im Herbst gehen will.
Sollte der Staat nicht doch steuerliche Entlastungen in Erwägung ziehen, statt nur festzulegen, dass Tankstellen die Preise einmal am Tag erhöhen dürfen?
WALCH: Jede Entlastung, die der Staat geben kann, ist willkommen. Es wäre möglich, die Energiesteuer abzusenken, das spürt man sofort an der Zapfsäule. Zu bedenken gebe ich allerdings, dass ein Gesetzgebungsverfahren Zeit braucht. Bis das Gesetz beschlossen ist, kann die Lage wieder ganz anders sein. Erschwerend kommt dazu, dass die Staatskassen leer sind und die Energiesteuer eine der Haupteinnahmequellen ist.
Die Bundesregierung plant, dass weiter neue Ölheizungen eingebaut werden können. Allerdings müssen dem Heizöl dann ab 2029 schrittweise steigende Bioanteile beigemischt werden. Was halten Sie davon?
WALCH: Heute lassen sich aus Rest- und Abfallstoffen aus der Nahrungsmittelproduktion synthetische Kraftstoffe herstellen. Die Abkürzung heißt HVO 100, dies steht für hydrated vegetable oil und ist in seinen Eigenschaften dem Diesel leicht überlegen. Die CO2-Emissionen lassen sich damit um 85 Prozent reduzieren. Der Abschlag kommt zustande, da für die Produktion auch Energie aufgewendet werden muss. Dieses HVO 100 kann man als Dieselkraftstoff verfahren, es lässt sich aber auch anteilig dem Heizöl beimischen. Der Heizung macht dies überhaupt nichts. Es ist aber der einzige Weg, den Heizungsbestand grün zu bekommen. Einen Verbesserungsvorschlag hätten wir aber …
Nämlich?
WALCH: Der Vorschlag unseres Verbandes Uniti lautet, den HVO 100-Anteil für alle Heizölkunden unterzumischen statt nur für neue Heizungen. Dann müsste der Tankwagen nur einmal durch die Siedlung fahren, die Transportkosten würden deutlich sinken.
Was halten Sie von der Elektrifizierung, also E-Auto und Wärmepumpe?
WALCH: Wir brauchen alle Technologien. Wir müssen Wasserstoff einsetzen, wo es sinnvoll ist, vor allem in der Industrie. Synthetische Treibstoffe sind unverzichtbar, um den Bestand klimafreundlich zu versorgen. Und wir brauchen Elektromobilität. Unser Unternehmen hat an unserer Avia-Tankstelle in Oberhaching im Sommer 2024 gleichzeitig HVO100 und zwei Hypercharger mit 400 Kilowatt Leistung installiert – getreu unserem Motto: Technologieoffenheit für unsere Kunden.
Zur Person
Richard Walch, 55 ist Geschäftsführer und Inhaber des Energiehändlers Ilzhöfer Inh. Walch GmbH & Co KG aus Augsburg und Gesellschafter der Avia.
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