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Kommentar: Immer höhere Spritpreise - Mineralöl-Multis verstehen wirklich nur eine Sprache

Kommentar

Immer höhere Spritpreise: Mineralöl-Multis verstehen wirklich nur eine Sprache

Stefan Stahl
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    Tanken ist enorm teuer geworden. Und es gibt angesichts des Gebaren der Ölkonzerne auch keine Aussicht auf schnelle Besserung.
    Tanken ist enorm teuer geworden. Und es gibt angesichts des Gebaren der Ölkonzerne auch keine Aussicht auf schnelle Besserung. Foto: Daniel Vogl, dpa (Symbolbild)

    In einer besseren Welt würden Mineralöl-Konzerne die Spritpreise nicht sofort spürbar erhöhen, wenn ein Land wie der Iran attackiert wird. Und sie würden in einer besseren Welt die Preise nicht aufreizend langsam senken, wenn Rohöl wieder deutlich billiger wird. Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass die Riesen auch nur einen Liter Preis-Moral als Beimischung tanken.

    Die Konzerne packen den Tiger in den Tank, wie es in einer Esso-Werbekampagne heißt. Sie maximieren Gewinne, wo es nur geht, und sind daher Muster-Exemplare des internationalen Raubtierkapitalismus, wie ihn der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt wortreich gegeißelt hat. 

    Benzin und Diesel über zwei Euro – Tankstellenpächter sind unschuldig

    Insofern ist die Wut von Herbert Rabl, dem Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands TIV, über die Preis-Politik der Multis berechtigt. Schließlich bekommen die Beschäftigten der Tankstellen die Empörung der Bürgerinnen und Bürger über die hohen Preise ab, ohne dass sie dafür nur im Geringsten verantwortlich sind.

    Die Mitarbeitenden zu beschimpfen, ist genauso widersinnig und schäbig wie das Zugpersonal für das Versagen des Bahn-Managements und der Politik verantwortlich zu machen. Man sollte sich solche Tiraden verkneifen und besser mit Tankstellenpächterinnen und -pächtern über die Öl-Konzerne herziehen. So viel Solidarität unter Leidtragenden darf sein. 

    Mit sozialer Marktwirtschaft hat das nichts zu tun

    Und dem Tankstellen-Fürsprecher Rabl verdanken wir eine interessante Einschätzung über die Multis, nämlich: „Das ist Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun.“ Der erste Teil seiner Äußerung mit dem Raubtierkapitalismus ist zutreffend, der zweite Teil ist Ausdruck von Idealismus und lässt von einer besseren Welt träumen. Denn Mineralöl-Riesen haben mit sozialer Marktwirtschaft so viel zu tun wie Tiger mit Veganismus. 

    Da trifft es sich für die Unternehmen gut, dass die Kartellbehörden sich seit Jahrzehnten als zahnlose Tiger erweisen, wenn es darum geht, den Öl-Raubtier-Kapitalisten endlich Grenzen aufzuzeigen.

    Autofahrerinnen und Autofahrer sind dem Knallhart-Kapitalismus der Konzerne indes nicht ohnmächtig ausgeliefert. Sie können auf Elektroautos umsteigen und den Multis die Zähne zeigen. Das ist gut für den Geldbeutel und das Klima. Eine zumindest etwas bessere Welt ist machbar. Wir müssen weg vom Öl - und zwar schnell. 

    Dieser Kommentar wurde erstmals am 8. März veröffentlicht.

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