Als vor rund vier Wochen die Weltbild GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet hatte, betonte das Unternehmen noch, dass es sich hierbei nur um eine Gesellschaft aus der sonst intakten Weltbild-Gruppe mit rund 1500 Beschäftigten handeln würde. Diese Lage hat sich nun komplett gewandelt: Auch die meisten der anderen Tochterunternehmen sind inzwischen pleite oder stehen kurz davor, Insolvenz anzumelden. Die gesamte Gruppe droht damit zu kippen. Die Hintergründe liegen offenbar in der Konstruktion des Konzerns, aber auch gegen den Eigentümer gibt es Vorwürfe - die Droege-Gruppe in Düsseldorf.
Insolvenz hat nach dem Handel mit Büchern und Accessoires über den Katalog, die Online-Seite und die bekannten Weltbild-Filialen am Montag jetzt auch das moderne Antiquariat Jokers und die Weltbild Logistics GmbH angemeldet. Pleite ist auch das Lernmittel-Unternehmen D2C digital und der Rucksack-Hersteller Fitz & Huxley, der zur Gruppe gehört. Bei all diesen Töchtern wurde der Augsburger Rechtsanwalt Christian Plail zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dies geht aus den amtlichen Insolvenzbekanntmachungen hervor. Plail ist bereits seit Juni für die Weltbild GmbH & Co. KG zuständig.
Gärtner Pötschke meldete als zweite Tochter Insolvenz an
Bereits seit Ende Juni ist der Gartenversand Gärtner Pötschke pleite. Dort hat das Amtsgericht Düsseldorf Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, wie dessen Kanzlei bestätigt. „Wir befürchten, dass in naher Zukunft der größte Teil der WB D2C-Gruppe Insolvenz anmeldet“, sagt Betriebsratschef Timm Boßmann unserer Redaktion.
Nach der Insolvenz des Buchhandels- und Filialgeschäfts im Juni hieß es noch, dass der Rest der Gruppe intakt sei. Für eine Sanierung zeigte man sich zuversichtlich: „Für unseren Kurs haben wir auch die wichtige finanzielle Rückendeckung unseres Gesellschafters, der Droege Group, erhalten“, teilte der Finanzchef Sami Sagur damals mit. „Ich bin daher überzeugt, dass die Restrukturierung gelingen wird.“ Wie konnte sich dies so schnell ändern?
Verweigerte Droege einen Kredit?
Zur Fortführung der Geschäfte hätte das Unternehmen nach Informationen unserer Redaktionen einen Kredit gebraucht. Kreditgeber hätte die Droege-Gruppe in Düsseldorf sein sollen, deren Geschäftsmodell es ist, in angeschlagene Unternehmen zu investieren und diese zu sanieren. Inhaber Walter Dröge hat es damit zu großem Wohlstand gebracht. „In den Gesprächen der Banken mit Droege konnte aber keine Einigkeit erzielt werden, jetzt fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen“, sagt Boßmann.
Zwei Gründe sollen dafür ausschlaggebend sein, dass nun der Gesamtkonzern wackelt. Zum einen hat die Weltbild GmbH & Co. KG mit ihrem Kerngeschäft in Augsburg für die neu hinzugekauften Tochterunternehmen zahlreiche Dienstleistungen erbracht. Für diese sind auch Rechnungen gestellt worden. Es soll sich dabei um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln. Mit der Insolvenz der Weltbild GmbH & Co. KG wurden die Rechnungen eingefordert. Die Töchter verfügten jedoch nicht über ausreichend finanzielle Mittel, sodass sie in Zahlungsschwierigkeiten gerieten.
Bürgschaften untereinander
Zum anderen sollen die Weltbild-Gesellschaften offenbar untereinander für Kredite gebürgt haben. Mit der Insolvenz der Weltbild GmbH & Co. KG wurden diese Bürgerschaften nun fällig. Dies scheint die Tochterunternehmen endgültig überfordert zu haben.
Der Effekt ist, dass auch die Insolvenzen anderer Tochterunternehmen der Gruppe zu erwarten sind. Zur Gruppe gehören auch der Kindermodenversand Tausendkind, der Gesundheitsprodukte-Händler Orbisana und der bekannte Bücherversand buecher.de.
Timm Boßmann, Betriebsrat: „Strategie fulminant gescheitert“
Unter den Beschäftigten ist der Unmut groß. „Die Belegschaft ist sehr enttäuscht, dass Dröge entgegen der Zusicherung Weltbild nicht die Stange hält“, sagt Boßmann. „Die Strategie von Walter Dröge ist fulminant gescheitert“, kritisiert er. Die Gruppe hat zuletzt zahlreiche andere Einzelhändler übernommen. Dazu zählte Gärtner Pötschke oder der Kinder- und Babymodenhändler Tausendkind. Alle diese Marken waren selbst wirtschaftlich angeschlagen, Tausendkind hatte zum Beispiel im Jahr 2020 Insolvenz anmelden müssen.
Der Insolvenzverwalter wird nun für Weltbild und die Tochterunternehmen einen Investor suchen müssen. Da manche Tochterunternehmen in anderen Städten gemeldet sind, ist man nach Informationen unserer Redaktion außerdem bemüht, die Fälle in einem Gruppenverfahren in Augsburg zu bündeln. Dies würde den Prozess vereinfachen.
Betrieb von Weltbild läuft noch weiter
Die Hoffnung ist, dass nach der Insolvenz der Tochterunternehmen ein Gesamtpaket geschnürt werden kann, das für einen Investor attraktiv ist. Der Prozess muss allerdings schnell gehen. Das Insolvenzgeld für die Beschäftigten der Weltbild-Kerngesellschaft ist noch bis 31. August gesichert.
Bei Weltbild läuft der Betrieb indes weiter: „Wir arbeiten weiter“, sagt Boßmann. „Wir nahmen Aufträge entgegen und versenden Ware“, betont er. „Alle setzen sich ein, wo sie nur können.“
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