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Gasspeicher: Füllstand geringer als letztes Jahr - Droht Deutschland eine Gasknappheit im Winter?

Gasspeicher

Geht uns im Winter das Gas aus?

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    Im Winter wird der Gasverbrauch anziehen. Reichen die gespeicherten Mengen?
    Im Winter wird der Gasverbrauch anziehen. Reichen die gespeicherten Mengen? Foto: Bernd Weißbrod, dpa

    Zum Beginn der Heizsaison warnen Speicherbetreiber, dass unter ungünstigen Umständen das Gas in Deutschland knapp werden könnte. Für einen normalen Winter dürfte der Füllstand der großen unterirdischen Gasspeicher zwar ausreichen, erklärt die „Initiative Energien Speichern“ (INES), der Verband der Speicherbetreiber. „Bei extrem kalten Temperaturen könnten die Gasspeicher jedoch bereits Ende Januar 2026 vollständig entleert sein“, sagt Geschäftsführer Sebastian Heinermann. „Die derzeitigen Verbrauchsmuster könnten in einem solchen Szenario nicht mehr vollständig gedeckt werden“, warnt er. Die Speicher sind derzeit zu 77 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr waren es noch 96 Prozent.

    Das hat auch damit zu tun, dass die Bundesregierung die während der akuten Energiekrise besonders strengen Vorgaben gelockert hat. Kavernenspeicher – praktisch große unterirdische Höhlen – müssen zum Stichtag 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein, zuvor waren es 90 Prozent gewesen. Für unterirdische Porenspeicher lautet das Ziel sogar nur 45 Prozent. Im Durchschnitt ist heute eine Füllmenge von 70 Prozent das Ziel.  

    Speicherbetreiber: 70 Prozent Füllstand reichen bei einem kalten Winter nicht aus

    Genau daran entzündet sich die Kritik des Verbandes: „Ein Speicherfüllstand von 70 Prozent reicht nicht aus, um die Gasversorgung in einem sehr kalten Winter zu gewährleisten, selbst dann nicht, wenn die Gasspeicher in unseren Nachbarstaaten vollständig befüllt worden sind“, sagt Heinermann. „Das Absenken der Füllstandsvorgaben ging sicherlich nicht mit Überzeugung einher, dass auch 70 Prozent für Deutschland ausreichen könnten“, sagt er. „Vielmehr war es das Ziel des Wirtschaftsministeriums, den erzwungenen Gaseinkauf im Sommer zurückzunehmen, um Druck aus dem Sommerpreis zu nehmen.“

    Bezahlen wir also die zuletzt gesunkenen Gaspreise mit dem Risiko, dass das Gas knapp werden könnte? Das Bundeswirtschaftsministerium, die Bundesnetzagentur und der Verband der Gas- und Wasserstoffwirtschaft, in dem auch die Energieversorger vertreten sind, sehen derzeit keinen Grund für ernsthafte Sorgen: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil“, betont die Bundesnetzagentur. „Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.“

    Hintergrund: Bei einem kalten Winter geht man davon aus, dass sich die Speicher täglich um einen Prozentpunkt leeren. Ein Füllstand von 70 Prozent würde dann also für 70 Tage reichen, erklärt Charlie Grüneberg, Sprecher des Verbandes der Gas- und Wasserstoffwirtschaft.

    Timm Kehler, Gas- und Wasserstoffwirtschaft: Deutschlands Gasversorgung ist gerüstet

    Mit einer Füllmenge von 77 Prozent habe man das durchschnittliche Ziel aus der Gasfüllstandsverordnung bereits vor dem 1. November erreicht, argumentiert das Wirtschaftsministerium. „Die meisten Einzelspeicher sind deutlich über 90 Prozent gefüllt“, heißt es aus dem Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU). Das gilt zum Beispiel auch für die für Bayern wichtigen Speicher Haidach (93 Prozent) und Seven Fields (90 Prozent), berichtet der Verband der Gas- und Wasserstoffwirtschaft.

    Timm Kehler, Vorstand von „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“, führt noch einen weiteren Punkt zur Beruhigung an: „Die hohen Speicherstände, unsere in den vergangenen Jahren aufgebaute LNG-Infrastruktur und die reibungslose Zusammenarbeit von Gashändlern im In- und Ausland geben uns Sicherheit für die anstehenden kälteren Monate.

    Vier deutsche LNG-Terminals in Betrieb

    Tatsächlich hat Deutschland in der Energiekrise als Ersatz für die gestoppten russischen Gas-Importe neue Flüssigkeitsterminals (LNG-Terminals) geschaffen, die inzwischen in Betrieb sind und zur Versorgungssicherheit beitragen, wie das Wirtschaftsministerium betont: „LNG ist auf dem Weltmarkt ausreichend vorhanden, es gibt keine Knappheit.“ Anders als in den Vorjahren stünden derzeit vier schwimmende Flüssiggasterminals für die Versorgung zur Verfügung: Wilhelmshaven 1 und 2, Brunsbüttel und Mukran. „Die Terminals gewährleisten das ganze Jahr eine sehr flexible Möglichkeit, Gas zu importieren. Das führt dazu, dass Gasspeicher relativ gesehen an Attraktivität verloren haben zur Sicherstellung der Gasversorgungssicherheit.“

    Über vier deutsche LNG-Terminals sind inzwischen Gasimporte möglich.
    Über vier deutsche LNG-Terminals sind inzwischen Gasimporte möglich. Foto: Jens Büttner, dpa

    Speicherbetreiber-Chef Sebastian Heinermann: Politische Eingriffe haben zu einem dyfunktionalen Markt geführt“

    Die Speicherbetreiber halten dagegen, dass sie alle Gasterminals in ihren Berechnungen bereits berücksichtigt hätten. Soll bei kalten Temperaturen nicht das Gas knapp werden, sei mehr Vorsorge nötig: „Die regulatorischen Eingriffe der Politik, während der Gas-Krise haben zu einem mindestens teilweise dysfunktionalen Markt geführt“, warnt INES-Geschäftsführer Heinermann. Die Bundesregierung habe sich vorgenommen ein Instrument zu entwickeln, das eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherstellt. „Wie dieses Instrument konkret aussieht, ist derzeit noch völlig offen“, kritisiert er. „Die Befüllung der Gasspeicher in Deutschland muss im europäischen Kontext gedacht werden.“

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