Der Fahrplan hin zum weltweit ersten kommerziellen Kernfusionskraftwerk in Gundremmingen steht. Am Donnerstag haben Bayerns Wirtschaftsminister Huber Aiwanger (FW) und Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in München eine entsprechende Absichtserklärung mit dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching sowie den Unternehmen Proxima Fusion und RWE unterzeichnet. Geplant ist zunächst der Bau einer „Alpha“ genannten Demonstrationsanlage in Garching, in der die Technik für den kommerziellen Betrieb fortentwickelt wird. Noch Ende der 2030er-Jahre soll dann im Landkreis Günzburg erstmals Strom aus einem Fusionskraftwerk ins Netz eingespeist werden.
„Kernfusion ist eine völlig neue Technologie für grundlastfähigen, CO2-freien und sauberen Strom in unbegrenzter Menge. So könnten wir den exponentiellen Stromhunger durch Elektromobilität, KI und Rechenzentren stillen“, sagte Söder.
Zwei Milliarden Euro kostet die Demonstrationsanlage in Garching
Die Gesamtkosten für die Demonstrationsanlage schätzen die Partner auf zwei Milliarden Euro. Rund 20 Prozent dieser Summe, 400 Millionen Euro, will Proxima Fusion, das Start-up, das die Technik marktreif machen will, über private, internationale Investoren aufbringen.
Der größte Teil der Kosten muss jedoch aus öffentlichen Mitteln beglichen werden. Der Freistaat hat sich bereit erklärt, bis zu 400 Millionen Euro beizusteuern, wenn der Bund sich ebenfalls beteiligt. Söder erwartet sich eine Milliarde aus Berlin, sagte er am Donnerstag. Der Bau des ersten Fusionskraftwerks in Deutschland ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert und mit Mitteln aus der sogenannten Hightech-Agenda hinterlegt.
Bereits jetzt passe der Konzern seine Rückbau-Planungen in Gundremmingen an, damit der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden könne. „Der Rückgriff auf die bestehende Infrastruktur kann die Kosten eines Fusionskraftwerks massiv senken“, sagte Konzern-Chef Markus Krebber. Das Unternehmen bringe zudem seine Erfahrung beim Strahlenschutz und den nötigen Genehmigungsprozessen mit ein.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks soll zudem eine Fabrik entstehen, um die starken Magnete zu fertigen, die nötig sind, um das 150 Millionen Grad Celsius heiße Plasma einzuschließen, in dem die Kernfusion stattfindet. Proxima Fusion arbeitet derzeit an der Fertigstellung dieser stark gekrümmten, dreidimensionalen Spulen und will diesen Zwischenschritt kommendes Jahr erreichen.
Der Bund soll sich an den Kosten beteiligen
Die Demonstrationsanlage in Garching, in der das Plasma erstmals mehr Energie freisetzen soll, als ihm zugeführt werden muss, soll Anfang der 2030er-Jahre stehen. Dort werden dann einzelne Komponenten unter realistischen Bedingungen getestet und in kurzen Entwicklungszyklen weiterentwickelt, erklärte Francesco Sciortino, Chef und Mitgründer von Proxima Fusion. „Wir haben die Chance, eine ganz neue Industrie zu bauen.“ Die wissenschaftliche Leitung des Projekts übernimmt das IPP.
Die Industrie kann auf Aufträge hoffen
Proxima Fusion kann sich auf die die technischen Herausforderungen und den Bau des Stellarators konzentrieren. Dafür hat das Unternehmen jüngst die Gründung einer eigenen Industrieallianz verkündet. Mit den Partnern sollen Methoden und Materialien für eine künftige Serienfertigung entwickelt werden. Darin liegt ein großer Hebel, um die Kosten künftiger Kraftwerke drastisch zu senken.
Der Großteil der Investitionen für den Demonstrator fließe unmittelbar in die industrielle Lieferkette, betonte Sciortino. Das sichere nicht nur den Transfer von exzellenter Grundlagenforschung in die praktische Anwendung. Mit den Kraftwerksprojekten könnten über Jahre hinweg entlang der bayerischen und europäischen Lieferkette Aufträge ausgelöst werden und mehrere Tausend Arbeitsplätze entstehen.
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