In der europäischen Rüstungsindustrie herrschen nach wie vor nationale Eifersüchteleien vor. Es wird gestritten, als hätte Wladimir Putin nicht die Ukraine überfallen und als würde der russische Präsident nicht Europa bedrohen.
Der Chef des französischen Kampfflugzeugbauers Dassault, Éric Trappier, führt erwartungsgemäß eine Solo-Nummer auf. Er stellt die Belange seines Unternehmens deutlich über die Sicherheitsinteressen Europas und wird dabei in Paris nicht wirkungsvoll eingebremst. Über die Ego-Nummer freut sich nur ein Mann, nämlich Putin. Denn der Franzose beansprucht mit aufreizendem Selbstbewusstsein eine klare Dominanz seines Unternehmens bei der Entwicklung des europäischen Kampfflugzeugs der Zukunft als wichtigen Baustein des Luftkampfsystems FCAS. Er versucht damit, Deutschland auf die Positionen eines industriellen Zwergs und Bittstellers zu degradieren.
Ohrfeige für deutsch-französische Zusammenarbeit
Trappier will auf Basis des hauseigenen Kampfflugzeugs Rafale dem Vernehmen nach zu 80 Prozent bestimmen, wie das Nachfolgemodell für das FCAS-Projekt aussehen soll. Dieser kecke Egoismus verwundert nicht, ist aber trotzdem eine Ohrfeige für die europäische Zusammenarbeit und die viel beschworene deutsch-französische Freundschaft.
Der Dassault-Chef fällt damit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in den Rücken, der einst mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel das europäische Rüstungs-Prestigevorhaben angeschoben hat. Es ist ungewöhnlich, dass es einem Firmen-Lenker, der von Aufträgen aus Paris abhängig ist, egal ist, was der Präsident des Landes denkt.
Womöglich sieht Trappier Macron als „lame duck“, also lahme Ente, an und spekuliert schon darauf, dass die Rechts-Populisten vom Rassemblement National die Präsidentschaftswahlen im April 2027 gewinnen. Dann dürften nationalistische Interessen vor Partnerschaften wie mit Deutschland gehen. Es ist damit sinnlos, sich seitens der Bundesregierung an die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeuges mit Frankreich zu klammern. Wenn nicht ein Wunder geschieht, ist das Projekt tot. Die Erkenntnis soll sich bei Kanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Vize-Kanzler Lars Klingbeil durchgesetzt haben.
Die Zukunft des Eurofighters ist der Eurofighter
So muss jetzt die Devise gelten: Die Zukunft des Eurofighters ist ein weiterentwickelter Eurofighter. Damit ließe sich vielleicht sogar FCAS retten. Dann können die Franzosen die neuen Dassault-Flieger mit Drohnen, Satelliten und anderem Verteidigungsgerät verbinden und Deutschland verfährt ebenso mit einem Eurofighter der neuen Generation. Dieser von IG-Metall-Vize Jürgen Kerner und dem deutschen Luftfahrt-Branchenverband BDLI skizzierte Weg ist die logische Konsequenz aus der verfahrenen Lage in Frankreich.
Deutschland kann etwa bei dem neuen Kampfflugzeug mit den Schweden und vielleicht auch den Briten zusammenarbeiten, ohne FCAS zu beerdigen. So lassen sich Tausende Eurofighter-Arbeitsplätze gerade in Süddeutschland, vor allem bei Airbus, absichern. Der deutsch-französische Konzern ist ein Musterbeispiel dafür, wie Beschäftigte beider Nationen zum wirtschaftlichen Wohl beider Länder zusammenarbeiten. Über Jahrzehnte hinweg ist im zivilen Luftfahrtbereich ein weltweit dominantes Unternehmen entstanden, das den US-Riesen Boeing in die Schranken verwiesen hat.
Airbus ist die Blaupause für Europa, Dassault das abschreckende Beispiel für nationalen Egoismus.
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