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Die EZB sitzt in der eigenen Falle

Kommentar Von Stefan Stahl
16.06.2022

Die zu lange Nullzins-Politik rächt sich nun. Notenbank-Chefin Lagarde sind die Hände gebunden. Italien wird zum Problem-Fall.

Die Wirtschaftswelt verändert sich dramatisch. Durch Inflationsraten um die acht Prozent müssen die Notenbanken hart gegensteuern, damit der Wert des Geldes und damit der Ersparnisse nicht weiter entwertet wird. Dabei sitzen die Währungshüter in einer über Jahre der Niedrig- und Nullzinsen selbst gebauten Falle. Denn um die Konjunktur anzukurbeln und im Euro-Raum Schuldenländer wie Italien vor dem Kollaps zu bewahren, haben Notenbanken Geld viel zu lange viel zu billig gemacht. Damit befeuerten gerade die Verantwortlichen der Europäischen Zentralbank sogar die Inflation.

Nun müsste EZB-Chefin Christine Lagarde wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den USA die Zinsen möglichst schnell und kräftig anheben. Am besten wären zwei Erhöhungen um jeweils 0,5 Prozentpunkte. Doch die Notenbank-Präsidentin sitzt in der Italien-Falle: Der hoch verschuldete Staat muss schon jetzt mehr aufbringen, wenn er neues Geld aufnimmt. Die Finanzmärkte haben schließlich die nun folgenden Zinserhöhungen der EZB zum Teil vorweggenommen.

Die Lage für Italien wird zunehmend prekär

Die Lage wird zunehmend prekär für Italien. Deswegen hat Lagarde die Spitze der EZB zu einem Krisen-Treffen versammelt. Die Zentralbank-Präsidentin läuft Gefahr, mit zu starken Zinserhöhungen Italien in die Enge zu treiben und eine neue Euro-Krise zu beschwören. Ihr sind auf fatale Weise die Hände gebunden. Das ist das logische Resultat der falschen Nullzinspolitik, dank der Italien weitermachen konnte wie bisher und nicht gezwungen war, durch politische Reformen Wachstumskräfte zu entfesseln und deutlich mehr Steuergeld einzunehmen. Dann hätte Rom ohne EZB-Almosen den Weg aus der Schuldenkrise finden können.

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18.06.2022

Die EZB hat nur äußerst eingeschränkte Möglichkeiten, die Inflation zu bekämpfen. Hauptgründe für die Inflation sind eindeutig fehlende/abgebrochene Lieferketten und die daraus folgende Knappheit von Gütern. Ebenso die EU-Sanktionen (nicht nur gegen Rußland) und die daraus folgende Knappheit von Gütern, bzw. deren Beschaffung zu horrenden Preisen. Also: Knappheit!! M.e. könnte die EZB mit einer Zinssteigerung von 1-1,5 %-Punkten die Inflation vielleicht um ebenso viel senken. Das wäre zwar spürbar - aber nicht die Welt.

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18.06.2022

Europa steht in der Geld- und Finanzpolitik vor einem Scherbenhaufen! Über dem Euro hängen dunkle Wolken. Inflation ist unsozial und kann zu politischen Verwerfungen führen. Da hilft kein Wehklagen: Die EZB muss die Inflation bekämpfen. Wenn die EU-Mitgliedstaaten in den sauren Apfel beißen und Italien bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung unterstützen würden, könnten sie der EZB mehr Spielraum für die Stabilisierung der Preise eröffnen. Am Ende wird es keinen einfachen Weg geben.

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18.06.2022

Herr Thürmer, also christlich ist das nicht: Sie wollen „Todsünder“ (Originalton Theo Waigel) belohnen und diejenigen, die unter den Sünden am meisten gelitten haben, nochmals belasten. (Der Wert des TARGET2-Saldos der Bundesbank, Stand im Moment etwa 1,15 BILLIONEN Euro, erodiert mit der Inflation; er steht seit vielen Jahren in den Büchern und bringt keinen Ertrag, während die Erträge der Bundebank aus als „Verwahrentgelt“ bezeichnete Strafzinsen resultieren. Deutsche mussten und müssen länger arbeiten, weil z. B. die fürs Alter gedachten Lebensversicherungen nicht den erhofften Ertrag erbringen.)

1999 hatte ich noch ein CSU-Parteibuch und vertraute deshalb auch der Schwesterpartei, die plakatierte: „Muss Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen? Ein ganz klares Nein!“ – Heute stimme ich mit der Luzerner Zeitung überein, die 2012 schrieb: „Mit diesem Wahlplakat führten Merkel und Co. die Deutschen 1999 hinters Licht“. (https://www.luzernerzeitung.ch/international/mit-diesem-wahlplakat-fuhrten-merkel-und-co-die-deutschen-1999-hinters-licht-ld.1934283)

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