Die Commerzbank ist systemrelevant für deutsche Unternehmen. Das gilt insbesondere, wenn Firmen international Geschäfte betreiben und dabei auf einen heimisch-vertrauten Finanzier angewiesen sind. Die Deutsche Bank, Landesbanken und die zur italienischen Unicredit gehörende HypoVereinsbank reichen nicht, um den deutschen Außenhandel als Kreditinstitute zu stützen.
Die Commerzbank kann auf eine bis in das Jahr 1870 reichende Tradition als Garant für die deutsche Exportwirtschaft zurückblicken. Damals wurde das Geldhaus von Hamburger Kaufleuten mit dem Zweck aus der Taufe gehoben, Unternehmens-Kunden mit Krediten zu bestücken und so die globale Ausbreitung der Firmen zu stützen. Das Geschäft betreibt die Commerzbank bis heute verlässlich und nach langen Krisen- und Umbauzeiten wieder wirtschaftlich erfolgreich. Als der Konzern wie manche Wettbewerber im Zuge der Finanzmarkt-Krise der Jahre 2008 und 2009 ins Wanken geriet, stieg der deutsche Staat als Retter ein. Das belegt, welche enorme Bedeutung das Kreditinstitut für die nationale Wirtschaft hat.
Insofern wirkt es bizarr, dass sich Deutschland auf derart unprofessionelle Weise von einem Teil der Anteile an der Commerzbank getrennt hat. Schließlich ist seit Langem bekannt, dass der expansionslustige Unicredit-Chef Andrea Orcel Appetit auf die Commerzbank verspürt. Er will sich das Unternehmen gerne als zweites deutsches Standbein nach der HypoVereinsbank einverleiben. Trotzdem trafen die Verantwortlichen der Bundesregierung keine hinreichenden Vorkehrungen, um den Italienern den Zutritt zur deutschen Mittelstandsbank zu verwehren.
Bundesregierung gibt in Sachen Commerzbank kein gutes Bild ab
Wie Kanzler Olaf Scholz zu beklagen, dass Unicredit „ohne jede Kooperation, ohne jede Rücksprache, ohne jede Rückkoppelung versucht, mit unfreundlichen Methoden sich an Unternehmen aggressiv zu beteiligen“, wirkt weltfremd. Es ist schließlich bekannt, dass Orcel als gelernter Investmentbanker keine karitative Existenz führt, sondern konsequent und im Fall der Commerzbank clever finanzielle Interessen seines Arbeitgebers verfolgt. Das hätten Scholz, sein Wirtschafts-Experte Jörg Kukies, und Finanzminister Christian Lindner wissen müssen. Insofern stecken sie berechtigt Prügel ein. Am rustikalsten teilt mit Martin Herrenknecht einer der angesehensten deutschen Unternehmer aus: Der Tunnelbau-Spezialist ließ Linder wissen, er habe beim Commerzbank-Anteilsverkauf „total gepennt“. Im besten Fall seien die Verantwortlichen der Bundesregierung naiv gewesen. Mit seiner Diagnose bohrt Herrenknecht an der richtigen Stelle.
Der „Fall Commerzbank“ ist wiederum ein Beweis für die wirtschaftspolitische Inkompetenz der Bundesregierung. Wenn die Ampel-Koalitionäre untätig gewesen wären und den Anteil Deutschlands an der Commerzbank unverändert beibehalten hätten, wäre das die klügere Entscheidung gewesen. Schadensbegrenzung ist nun schwierig. Orcel wird nicht schnell aufgeben. Er träumt davon, die Commerzbank mit der gut gemanagten und kapitalstarken HypoVereinsbank zusammenzulegen und einen deutschen Champion neben der Deutschen Bank zu schaffen. Das würde reichlich Arbeitsplätze bei der Commerzbank kosten, was ein Sozialdemokrat wie Scholz hätte wissen und verhindern müssen. Der Krimi geht weiter. Wenn der Unicredit-Chef das Gefühl hat, in Deutschland trotz seines erfolgreichen HypoVereinsbank-Engagements nicht willkommen zu sein, könnte er den Rückzug antreten. Dazu bedarf es geballten politischen Widerstands gegen die Übernahme-Gelüste der Italiener. Es reicht nicht, wie Lindner zu betonen, er stehe hinter der Strategie der Commerzbank, die Eigenständigkeit des Hauses zu bewahren. Um Orcel zu stoppen, müssen Scholz und Lindner auf politischer Ebene in Rom massiv Druck ausüben. Die Commerzbank ist längst ein Politikum.
Ich freue mich, dass sich die Augsburger Allgemeine und Herr Stahl hier langsam auch merken: man darf die deutsche Wirtschaft nicht der kapitalistischen Marktwirtschaft zum fraß vorwerfen. Der Staat hat die Pflicht dirigistisch Entscheidungen zu treffen und proaktiv privatwirtschaftliche Entscheidungen zu planen zum Wohl der Gesellschaft. Bitte einen ähnlichen Kommentar schreiben wenn es mal wieder um strauchelnde Fahrzeugbau geht die die Zeichen der Zeit verpasst haben...
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