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Konservativ sein bringt Vorteile: BMW-Chef Zipse ist kein Freund von Abenteuern. Mitte Mai tritt er ab.

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Konservativ sein bringt Vorteile: BMW-Chef Zipse ist ohne Abenteuer erfolgreich

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    BMW-Chef Oliver Zipse und der neue iX3.
    BMW-Chef Oliver Zipse und der neue iX3. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Oliver Zipse ist der erfolgreichste deutsche Auto-Manager. Wenn er Mitte Mai mit 62 Jahren als BMW-Chef ausscheidet, weil ein so früher Abschied beim Münchner Konzern Brauch ist, verliert das Unternehmen einen Strategen der besonderen Art. Denn der gebürtige Heidelberger hat sich in den vergangenen Jahren von seinen Manager-Kollegen bei Mercedes und Volkswagen, also auch Audi, nicht nur modisch abgesetzt. Zipse, der nach wie vor gerne Krawatte trägt, „vermied als Konservativer Abenteuer“, wie Deutschlands bekanntester Auto-Experte, Ferdinand Dudenhöffer, im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. Abenteurer, damit sind Ex-Volkswagen-Chef Herbert Diess, ein Mann mit BMW-Vergangenheit, und Mercedes-Lenker Ola Källenius gemeint. Ersterer hat ungebremst auf den Siegeszug der E-Mobilität gesetzt und sich dabei verzockt. Letzterer „verrannte sich mit seiner Luxus-Strategie“, wie Dudenhöffer anmerkt. Diess musste gehen und Källenius durfte bleiben, auch weil er Abstand von seiner Radikal-Taktik nahm. 

    Zipse blieb in all den Jahren unangefochten im Amt. Mancher BMW-Beschäftigte würde es gutheißen, wenn er noch einige Jahre bliebe. Das Unternehmens-Regelwerk ist indes streng. Der Vater vieler heutiger BMW-Erfolge, Norbert Reithofer, nahm schon mit 59 Jahren Abschied vom Posten des Vorstandsvorsitzenden und wechselte als Chef in den Aufsichtsrat, gilt doch bei dem Autobauer üblicherweise eine Altersgrenze von 60 Jahren für Vorstände. 

    Zipse gibt Kunden, was sie wollen

    Zipse durfte zwei Jahre länger bleiben, derart wohlgelitten muss er bei den Großaktionären Susanne Klatten und Stefan Quandt sein. Sie sind dem scheidenden Manager sicher dankbar, dass er in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und dem Top-Management den Fehler vermieden hat, sich von der Elektro-Euphorie zu sehr anstecken zu lassen und damit enorme Risiken einzugehen. Zipse predigte früh „Technologieoffenheit“. Seine Philosophie besteht darin, Fabriken und Produktionslinien so auszurichten, dass dort Autos gebaut werden können, deren Antrieb nach dem Geschmack der Kundinnen und Kunden ausfällt. 

    Die Nachfrage bestimmt in Zipses Welt das Angebot und nicht umgekehrt, ein marktwirtschaftlich naheliegendes Geschäftsprinzip. Käuferinnen und Käufer bekommen bei BMW und Mini, was sie wollen, ob immer effizientere, eben umweltfreundlichere Verbrenner, Elektroautos oder Hybrid-Fahrzeuge. Dabei hebt Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, anerkennend hervor, dass „ein BMW immer wie ein BMW aussieht, also auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, ob es sich um einen Benziner oder ein E-Auto handelt“. Zipses Erfolgsgeheimnis ist keine Raketenwissenschaft, sondern Ausdruck pragmatischen Denkens. Natürlich hätte er auch danebenliegen können, wenn aus Elektro-Euphorie massenhafte Elektro-Realität geworden wäre und Autos mit Verbrenner-Motor im großen Stil ausgebremst worden wären. Dudenhöffer läuft zur philosophischen Hochform auf: „Ob man Recht hat, weiß man, wenn die Zukunft Vergangenheit wird.“ Ein schöner Satz. 

    BMW ist mit Elektro-Autos erfolgreich

    Zipse, der als Cleverle der deutschen Autoindustrie gilt, hat auch für den Fall, in der Zukunft nicht Recht zu haben, in der Vergangenheit vorgesorgt. Konservative Menschen sind nicht nur Bewahrer, sie denken auch voraus. Am treffendsten hat das einst die CSU-Legende Franz Josef Strauß formuliert: „Konservativ heißt, nicht nach hinten blicken, konservativ heißt, an der Spitze des Fortschritts marschieren.“ Genau dort steht der Noch-BMW-Chef, ohne dass er das als flexibler Taktiker groß hinausposaunt. Die Absatz-Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr sprechen eine überraschende Sprache. Ganz nüchtern teilt BMW in münchen-untypischem Understatement mit: „Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am weltweiten Gesamtabsatz der BMW Group beläuft sich im Gesamtjahr 2025 auf 26 Prozent.“ BMW hat in dem Zeitraum weltweit rund 442.000 vollelektrische Fahrzeuge verkauft und damit etwas mehr als im Jahr zuvor. Das sind Werte, die sich sehen lassen können. 

    Die bayerischen Autobauer haben damit die Wende zur E-Mobilität besser geschafft als Konkurrenten - und das trotz des behutsamen Vorgehens Zipses. Auch ein geschickt vorgehender Manager wie er hat keine Lösung gefunden, wie sich Absatz-Rückgänge auf dem wichtigen chinesischen Markt aufhalten lassen. Vielleicht hilft den Münchnern dort die „Neue Klasse“ mit 30 Prozent längeren Reichweiten der E-Autos, die auch noch 30 Prozent schneller geladen werden können und bei denen Informationen in die Windschutzscheibe projiziert werden. Die Zukunft wird es weisen, ob Zipse in der Vergangenheit richtig lag. 

    Eine Reise in die Vergangenheit des Diplom-Ingenieurs gibt Aufschluss darüber, wie er wurde, was er ist. Der Manager reiste als junger Mann nach Japan und ist mit einer Japanerin verheiratet. Im Gespräch mit unserer Redaktion schilderte er einmal, wie sehr ihn das Land geprägt hat: „In Japan denkt man Dinge gerne zu Ende und bindet möglichst viele Menschen ein.“ Damit brauche man zwar etwas länger, um zu einer Entscheidung zu kommen. Doch dann würden die Beschlüsse konsequent und schnell umgesetzt. Diese Mentalität scheint Zipse verinnerlicht zu haben: „Ich lernte, dass man als Führungskraft gut beraten ist, nicht einfach von oben nach unten durchzuregieren, sondern über die Einbindung der Mitarbeiter alle Aspekte zu berücksichtigen, um dann anschließend rasch zur Umsetzung zu kommen.“ Damit sei man robust aufgestellt. Die Japaner bezeichnen diese unaufgeregte Methode als das „Schneiden von Rosenwurzeln, eben Nemawashi“, schilderte der Manager.

    Der BMW-Chef schätzt Japan

    Der scheidende BMW-Chef ist ein geübter Rosenwurzel-Schneider. Dass er sich nicht mit Hurra in die E-Mobilität gestürzt hat, verdankt der BMW-Mann den elektromobilen Wurzeln des Unternehmens. Schließlich waren die Münchner früher als deutsche Rivalen vor allem mit dem i3 in die Welt der Stromer eingestiegen und mussten ordentlich Lehrgeld zahlen. Das wollten sie beim zweiten Anlauf partout vermeiden. 

    Noch ist Milan Nedeljkovic Produktionsvorstand bei BMW. Mitte Mai steigt er an die Spitze des Autobauers auf.
    Noch ist Milan Nedeljkovic Produktionsvorstand bei BMW. Mitte Mai steigt er an die Spitze des Autobauers auf. Foto: Jan Woitas, dpa

    Zipse wirkt jedenfalls zu tatkräftig, um der philosophischen Rosenzucht sein Leben zu widmen. Er soll etwa in den Airbus-Verwaltungsrat einziehen. Weitere Mandate könnten folgen. Eine neue Karriere als Aufsichtsrat und damit Ratgeber wie Kontrolleur entspricht seiner Vorliebe für die grundlegende japanische Erkenntnis, „dass es niemals einen Zustand gibt, der fertig ist“. Dergleichen tiefsinnige Überlegungen sind aus Führungsetagen anderer Autohersteller selten zu vernehmen. Zipses Nachfolger Milan Nedeljković kennt BMW bestens, schließlich gehört er seit 2019 dem Vorstand an und verantwortet das Produktions-Ressort, das Karriere-Sprungbrett des Unternehmens. Von dort aus stieg auch Zipse zum Vorstandsvorsitzenden auf.

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