Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wirtschaft
Icon Pfeil nach unten

Krieg in Iran: Steigende Kosten und Lieferverzögerungen belasten Wirtschaft und Verbraucher

Ölpreis und Reisen

Wie Wirtschaft und Verbraucher vom Iran-Krieg getroffen werden

  • |
  • |
  • |
  • |
    Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr der weltweiten Logistik.
    Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr der weltweiten Logistik. Foto: Kamran Jebreili, AP/dpa (Archivbild)

    Der israelisch-amerikanische Angriff auf den Iran führt zu erheblichen Beeinträchtigungen für die Weltwirtschaft. Kurzfristig sind vor allem der Flugverkehr und die Schifffahrt betroffen. Auf längere Sicht könnte das Wachstum der Weltwirtschaft sinken. Antworten auf wichtige Fragen:

    Wie entwickelt sich der Ölpreis?

    Die Ölpreise sind mit dem Beginn des Handels in der Nacht auf Montag deutscher Zeit deutlich gestiegen, haben im Verlauf des Tages aber wieder nachgegeben. Die Frankfurter Bethmann Bank betont, dass die Märkte das Risiko eines Krieges teilweise schon eingepreist hatten. Schon Tage vor dem Angriff hatten die Preise um über zehn Prozent angezogen.

    Entscheidend sei nun die Dauer des Konflikts, erklärt auch Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank. Bereits bei den jüngsten Angriffen der USA und Israels auf die iranischen Atomanlagen im Sommer vergangenen Jahres sei der Ölpreis rasch wieder von kurzzeitigen Preisspitzen gefallen. „Sofern die militärische Auseinandersetzung auch dieses Mal zeitnah beigelegt oder zumindest die Straße von Hormus wieder passiert werden kann, dürfte sich dieses Muster wiederholen“, sagt Marten.

    Sollte die Durchfahrt durch dieses von Iran gesperrte Nadelöhr der Schifffahrt aber länger andauern, hält Marten, wie auch andere Analysten, ein Preisniveau von bis zu 100 Dollar pro Barrel für möglich. Am Montag waren es rund 78 Dollar für die Nordseesorte Brent. So hohe Ölpreise würden dann auch das weltweite Wachstum der Wirtschaft bremsen und sich in sinkenden Aktienkursen und höherer Inflation zeigen.

    Warum steigt der Gaspreis?

    Nicht nur in Deutschland sind die Gasvorräte nach dem Winter vergleichsweise niedrig. Europa muss also in den kommenden Monaten auch viel Flüssiggas importieren, um die Speicher vor dem nächsten Winter wieder aufzufüllen. Das könnte nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs den Gaspreis stützen. Wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus einen Monat lang unmöglich ist, könnte sich der europäische Gaspreis demnach mehr als verdoppeln.

    Bereits zu Handelsbeginn am Montagmorgen hat an der Leitbörse in Amsterdam der Kontrakt für die Auslieferung in einem Monat um etwa 25 Prozent zugelegt. In den Mittagsstunden schnellte der Preis weiter in die Höhe, nachdem die staatliche katarische Nachrichtenagentur Qatar News Agency mitgeteilt hatte, dass die Produktion von Flüssigerdgas und verwandten Produkten aufgrund eines Angriffs auf die Anlagen von QatarEnergy eingestellt wurde. Energieversorger kaufen aber in der Regel langfristiger ein, daher können sie kurzfristige Preisschwankungen eine gewisse Zeit lang abpuffern.

    Wird Sprit jetzt teurer?

    Einem Anstieg der Ölpreise folgen in der Regel auch die Spritpreise. Nach Angaben des ADAC ist das Tanken bereits im Laufe des Februars spürbar teurer geworden. Super E10 kostete demnach im Februar im bundesweiten Mittel 1,76 Euro und damit 2,1 Cent mehr als im Vormonat. Der Diesel war im Schnitt für 1,722 Euro je Liter zu haben, das Plus betrug hier sogar drei Cent.

    Der teuerste Tag zum Tanken im Februar war der vergangene Samstag, als auch die Luftschläge der USA und Israels auf Ziele im Iran begannen. Zu Wochenbeginn sind die Preise an den Tankstellen im Vergleich zu Freitag laut ADAC erneut um etwa fünf Cent je Liter gestiegen.

    Der ADAC empfiehlt, beim Tanken die Morgenstunden zu meiden, da der Sprit dann oft am teuersten ist. Zudem lohne sich gerade jetzt der Preisvergleich, etwa über Apps auf dem Smartphone.

    Welche Folgen gibt es für die Lieferketten?

    Der neue Krieg könnte auch erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten von Asien nach Europa haben. Das sagte Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. Die Golfstaaten seien Umschlagplätze für den Warenverkehr.

    Die weltgrößte Reederei MSC hat alle Schiffe, die sich in der Golfregion befinden oder auf dem Weg dorthin sind, angewiesen, Schutzgebiete anzulaufen. Zudem habe MSC vorsorglich alle Buchungen für weltweite Frachttransporte in den Nahen Osten bis auf Weiteres ausgesetzt, teilte die Reederei mit. Auch Hapag-Lloyd hat Fahrten durch die Straße von Hormus ausgesetzt. Für Fahrten zum und vom Persischen und Arabischen Golf verlangt die Reederei einen Risikozuschlag. Für Standardcontainer würden 1500 US-Dollar, für Kühlcontainer und Spezialausrüstung 3500 Dollar extra berechnet.

    Nach Angaben des Verbands deutscher Reeder (VDR) sind mindestens 25 Schiffe sieben deutscher Reedereien von den Einschränkungen der Schifffahrt in der Golfregion betroffen, darunter auch zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen etwa 7000 Passagieren an Bord. In der gesamten Großregion, mit Arabischem und Rotem Meer, seien noch weitaus mehr Schiffe deutscher Reedereien betroffen.

    Welche Rechte haben Reisende, die nun festsitzen?

    Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind derzeit rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern von Einschränkungen wegen gesperrter Lufträume, Flughäfen oder Schiffsrouten in der Region betroffen. Nachdem das Auswärtige Amt zunächst ausgeschlossen hatte, Reisende auszufliegen, kündigte Minister Johann Wadephul am Montagnachmittag an, zumindest vulnerable Gruppen wie Kinder, Kranke und Schwangere mit Charterflügen schnell nach Hause zu bringen.

    Reiserechts-Experte Ernst Führich aus Kempten betont, dass zunächst die Fluggesellschaften und Reiseveranstalter in der Pflicht stehen, Kosten für Unterbringung zu tragen, wenn es keine sichere Rückkehrmöglichkeit gibt. Allerdings gilt dieser europäische Rechtsanspruch nicht für Flüge, die von einer Nicht-EU-Airline aus einem Drittstaat in die EU durchgeführt werden. 

    Was gilt für gebuchte Reisen in den kommenden Wochen und Monaten?

    Gäste, die eine in den nächsten Tagen beginnende Reise in die Region geplant haben, sollten sich mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen. Laut DRV werden Gäste, die ihre gebuchte Reise in die Golfregion noch nicht angetreten haben, aktiv informiert. Sie könnten dann kostenfrei auf ein anderes Ziel oder einen anderen Zeitraum umbuchen. Wenn sie stornierten, erhielten sie ihr Geld zurück. (mit dpa)

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren