In Deutschland gibt es weniger Bauernhöfe und landwirtschaftliche Betriebe. Deren Zahl ging in den vergangenen drei Jahren um 7800 auf 255.000 zurück, wie das Statistische Bundesamt meldete. Das entspricht einem Rückgang um drei Prozent. Die Daten stammen aus der landwirtschaftlichen Zählung, die die Jahre 2020 und 2023 miteinander vergleicht. Im gleichen Zeitraum gingen der Landwirtschaft 62.000 Arbeitskräfte verloren (minus sieben Prozent), womit auf dem Feld, in Ställen, Gewächshäusern und Plantagen nur noch 876.000 Menschen arbeiten. Der Rückgang teilt sich zu gleichen Teilen auf Saisonhelfer und Familienarbeitskräfte auf. Damit hat sich in den zurückliegenden Jahren eine Entwicklung fortgeschrieben, die den Sektor seit Jahrzehnten prägt.
Bauernproteste in Augsburg: Die Bilder der Großdemonstration
Im Winter hatten ein Schlaglicht auf die Branche geworfen. Mit ihren Traktoren blockierten sie Straßen und Plätze, um die von der Ampelkoalition geplante Streichung der Privilegien bei Agardiesel und Kfz-Steuer aufzuhalten. Die Demos hatten Erfolg, das Regierungsbündnis nahm ihre Kürzungspläne teilweise zurück. Theresa Schmidt hat seinerzeit mitdemonstriert, hielt als Chefin der Landjugend auf einer der großen Demonstrationen vor dem Brandenburger Tor eine Rede. Wie blickt sie heute auf diese aufgewühlten Wochen?
Zukunft der Landwirtschaft: „Daran ist nichts rosig“
„Die Proteste im Winter haben uns sichtbar gemacht. Sie haben die Wertschätzung für unsere Arbeit und auch das Wir-Gefühl in der Agrarbranche gestärkt“, sagt sie heute. Die Stimmung habe sich beruhigt, aber grundsätzlich besser sei die Situation der Bauern nicht. „Daran ist nichts rosig. Das erklärt die historisch niedrigen Investitionen auf den Höfen.“ Schmidt beklagt, dass die Landwirte nicht wüssten, wohin die Reise geht. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat im Februar seinen Vorschlag für eine Tierwohl-Steuer vorgelegt. Mit den Einnahmen soll der Stallumbau unterstützt werden, damit die Tiere mehr Platz haben.
Doch ob die Ampelkoalition die Abgabe tatsächlich beschließt, ist mehr als fraglich. Die FDP lehnt Steuererhöhungen ab, die SPD will keine Debatte über teurere Lebensmittel. Doch ohne verlässliche Perspektiven scheuen Bauern Investitionen, die sie 20 Jahre binden. „Für die Hofnachfolge ist es kein gutes Signal, wenn die in zwei hochkarätigen Kommissionen erarbeiteten Vorschläge für die Zukunft der Landwirtschaft in der Schublade verstauben“, sagt die Landjugend-Vorsitzende. Die zwei Kommissionen sind die Borchert-Kommission, die ein Konzept für Tierwohl schon 2020 vorgelegt hat, und die Zukunftskommission Landwirtschaft. Letztere tagt noch, die Beratungen gehen aber schleppend voran.
Der Bauernverband fordert steuerliche Entlastungen
Wirtschaftlich sind die Aussichten in diesem Jahr gedämpft. Der Bauernverband rechnet nicht damit, dass sich die Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr wiederholen lassen, die allerdings rekordverdächtig ausfielen. Die Betriebe hatten mit durchschnittlich 132.000 Euro doppelt so hohe Gewinne eingefahren wie im fünfjährigen Mittel. Die Branche hatte ihre Umsätze um acht Prozent auf 304 Milliarden Euro nach oben geschraubt. Dahinter stecken keine Mengensteigerungen, sondern vor allem höhere Preise, die sich aus den Turbulenzen aus dem Ukraine-Krieg ergeben haben.
Mittlerweile sind diese deutlich gefallen. Im März lagen die weltweiten Getreidepreise beispielsweise um etwa 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Der Bauernverband fordert steuerliche Entlastungen und einen Abbau bürokratischer Vorgaben, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Höfe im Vergleich zur europäischen Konkurrenz zu stärken.