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Luft- und Raumfahrt: Wie viel Schub hat die Rocket Factory Augsburg?

Luft- und Raumfahrt

Wie viel Schub hat die Rocket Factory Augsburg?

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    So soll sie aussehen, die RFA ONE, der von der Rocket Factory Augsburg entwickelte Microlauncher.
    So soll sie aussehen, die RFA ONE, der von der Rocket Factory Augsburg entwickelte Microlauncher. Foto: Rocket Factory Augsburg

    Dass sich etwas tut bei der Rocket Factory (RFA), sieht man unter anderem daran, dass die großen Teile inzwischen alle in der Halle stehen. Und auch wenn die RFA One eine vergleichsweise kleine und der Geschäftsidee nach preiswerte Rakete ist, bleibt so ein "Microlauncher" immer noch ein beeindruckend wuchtiges Trumm – in etwa so groß wie ein Lastwagen, aber halt aerodynamischer. Und: Das Ding soll bald abheben können. Richtung Orbit, mit einem Satelliten Huckepack. 

    Einen entscheidenden nächsten Schritt hat das Augsburger Start-up Anfang des Monats getan, als die Oberstufe der Rakete über 280 Sekunden erfolgreich getestet wurde. Nach eigenen Angaben ist die Rocket Factory damit das erste private Unternehmen in Europa, das eine Stufe mit einem Triebwerk mit gestufter Verbrennung über die gesamte Dauer des Fluges erfolgreich gezündet hat. Weniger raketenwissenschaftlich ausgedrückt: Der Motor läuft lange genug, um die RFA One in den Weltraum zu bringen.

    Jörn Spurmann ist Mitgründer und Chief Commercial Officer (CCO) der Rocket Factory Augsburg.
    Jörn Spurmann ist Mitgründer und Chief Commercial Officer (CCO) der Rocket Factory Augsburg. Foto: Rocket Factory Augsburg

    Jörn Spurmann, Mitgründer und Chief Commercial Officer (CCO) der RFA, zeigt bei einem kleinen Firmenrundgang das Helix-Triebwerk. Es schaut feingliedrig aus, fast zerbrechlich, gemessen an den Kräften, die es in der Lage ist, freizusetzen. Bis zu dem Tag, an dem die RFA One abhebt, wird aber mehr Zeit vergehen, als bisher angekündigt. Das Erstflug-Datum ist so eine Sache – und immer die erste Frage: Wann ist es denn so weit? Ende 2020 hieß es selbstbewusst: Die erste Rakete aus der Augsburger Rocket Factory soll 2022 starten. Anfang 2023 lautete die Sprachregelung "Ende 2023" könnte der erste Countdown zu hören sein. Aber auch dieses Datum ist kassiert. Spurmann sagt nun: Nachdem der Oberstufen-Test durch – und damit einer der wichtigen drei großen Meilensteine bis zum Start erreicht – ist, sollen die nächsten Stufentests Richtung Jahreswechsel stattfinden. Heißt: "Für den Erstflug ist Mitte 2024 realistisch."

    Die RFA One wird in Augsburg komplett zusammengebaut und getestet

    Getestet werden die Komponenten nach wie vor in Nordschweden, beim Esrange Space Center. Die RFA One soll sich allerdings vom auf den Shetland-Inseln gelegenen SaxaVord Spaceport, im äußersten Norden Großbritanniens, erheben. Für die weiteren Starts erwägt man aber auch weitere potenzielle Startplätze wie Kourou in Französisch-Guayana, Southern Launch in Australien oder vielleicht die GOSA-Plattform in der Nordsee (German Offshore Spaceport Alliance). Man will flexibel für alle Orbits bleiben und die Logistik-Routen so kurz wie möglich halten. 

    Die RFA ONE soll sich vom auf den Shetland-Inseln gelegenen SaxaVord Spaceport, im äußersten Norden Großbritanniens, erheben.
    Die RFA ONE soll sich vom auf den Shetland-Inseln gelegenen SaxaVord Spaceport, im äußersten Norden Großbritanniens, erheben. Foto: Rocket Factory Augsburg, Saxavord Spaceport

    Für den Erstflug sieht das Prozedere wie folgt aus: Die RFA One wird in Augsburg komplett zusammengebaut und getestet – soweit das in den Hallen auf dem alten Osram-Gelände geht. Dann wird sie teilweise wieder auseinandergeschraubt und in rund 20 Industrie-Container verladen. Die kommen auf ein Schiff, das die wertvolle Fracht bis zum Startplatz an die nördlichste Spitze von Großbritannien bringt. Für die erste Rakete braucht es laut Spurmann dann wohl noch mal rund drei Monate bis alles klar zum Start ist. Später soll die Vorbereitungsphase am Startplatz nur noch zwei bis drei Wochen dauern. 

    Wie schaut es mit der Finanzierung aus?

    Bis dahin, bis zum Tag X, wird mindestens noch ein Jahr vergehen. Wie schaut es mit der Finanzierung bis dahin aus? Start-ups brauchen Investoren und Geld – gerade in der Entwicklungsphase der ersten Jahre. Die EZB hat allerdings just den Leitzins zum achten Mal auf nunmehr vier Prozent geschraubt. Sich Geld zu beschaffen, kostet die Unternehmen also immer mehr. An der Rocket Factory ist das Bremer Luft- und Raumfahrtunternehmen OHB mit derzeit 56,6 Prozent beteiligt. Man sei offen für andere Investoren, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Dies sei indes keine Änderung in der Strategie, sondern eine Fortführung der bisherigen Politik: "Wir müssen hier nicht in der Mehrheitsposition bleiben, wir wollen die Rakete auch für Satelliten anderer Anbieter zur Verfügung stellen." Spurmann sagt: "Bisher haben wir noch keinen Investor gefunden, der so gut gepasst hätte, wie wir uns das vorstellen." Die Rocket Factory sei zwar noch nicht bis zum ersten Start durchfinanziert, "OHB finanziert aber immer nach, wenn es nötig ist." Und das werde auch weiterhin so passieren. Gerade weil Geld wieder teurer geworden ist, bleibt Spurmann überzeugt: "Es ist ein großer Vorteil, keinen reinen Finanzinvestor, sondern einen mit strategischem Interesse an Microlaunchern zu haben." Von OHB-Seite versichert man umgekehrt mit Blick auf den Starttermin: "Es kann immer zu Verschiebungen kommen, wenn man im Trägerraketenbereich eine Neu-Entwicklung anstrebt. Auch wenn der Erststart nicht dieses Jahr stattfindet, hat dies keine Auswirkungen auf unsere Strategie bezüglich RFA."

    220 Mitarbeiter hat die Rocket Factory derzeit, 250 könnten es bis Mitte nächsten Jahres sein, wenn das Unternehmen weiter so wachse wie geplant, sagt Spurmann. Dass andere Start-ups wie Isar Aerospace aus Ottobrunn oder Hyimpulse mit Sitz im baden-württembergischen Neuenstadt am Kocher in harter Konkurrenz um die Kunden zu ihnen stehen, ficht ihn nicht an: "Wir schauen auf uns."

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