Nach jahrelanger Vorbereitung soll der Deal diese Woche endlich abgeschlossen werden: Die Lufthansa steigt bei ITA ein. Deutschlands größte Fluglinie will in einem ersten Schritt 41 Prozent an Italiens bekanntester Airline erwerben. Das Ziel ist, ITA in den nächsten Jahren ganz zu übernehmen. Es ist, wie Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr der FAZ sagte, der „größte Zukauf“ der Unternehmensgeschichte. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem XXL-Vorhaben:
Was verspricht sich die Lufthansa von dem Geschäft?
Wie Spohr der FAZ sagte, erwartet sich das Unternehmen eine „Ergebnisbeteiligung im dreistelligen Millionenbereich“. Außerdem: Zugang zum Flughafen Fiumicino bei Rom, der laut Spohr zu „den besten Europas“ zählt. Und: rund 100 weitere Flugzeuge in der Lufthansa-Flotte. Und: Nach Einschätzung der Lufthansa-Strategen hat ITA mit ihrer defizitären Vorgängerin Alitalia nichts mehr gemein. Der Lufthansa-Chef hat die 2020 gegründete Italia Trasporto Aereo mit ihrer hochmodernen Airbus-Flotte als „Startup in der mittleren Entwicklungsphase“ bezeichnet. ITA-Chef Antonino Turicchi hat für das Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von drei Milliarden Euro und einen kleinen operativen Gewinn von 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Im Konzernverbund sollten zudem weitere Einsparungen möglich sein. ITA wird auf Anhieb größte Auslandsgesellschaft im Konzern.
Was haben Lufthansa und ITA vereinbart?
Die Lufthansa erhält die 41 Prozent der ITA-Anteile für eine Kapitaleinlage von 325 Millionen Euro. Die Gesellschaft befindet sich vollständig in Staatsbesitz. Mit dem italienischen Wirtschafts- und Finanzministerium ist vereinbart, dass die Deutschen in zwei weiteren Schritten das Unternehmen vollständig übernehmen können, wenn die Zahlen stimmen. Der italienische Staat bliebe noch mit an Bord, wenn Lufthansa im zweiten Schritt mit 90 Prozent die Mehrheit übernehmen sollte. Bis 2033 könnte dann die Komplettübernahme folgen, für die eine Gesamtsumme von 830 Millionen Euro gehandelt wird.
Was können die Lufthansa-Passagiere erwarten?
Zunächst einmal könnte Lufthansa das Angebot zwischen Italien und ihren anderen Heimatmärkten „optimieren“. Für die Kunden könnte das höhere Preise bei einem etwa gleichbleibenden Platzangebot bedeuten. Hier hält die EU mit ihren Auflagen dagegen und will Konkurrenz schaffen. Auf der Kurz- und Mittelstrecke kommt dabei dem bereits in Italien aktiven Billigflieger Easyjet eine zentrale Rolle zu, der mit acht Flugzeugen zwei weitere Basen in Rom-Fiumicino und Mailand-Linate gründet. Von dort werden 27 neue Strecken angeboten, sechs davon nach Deutschland. Zielorte sind München, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf.
Lufthansa-Übernahme: Was ändert sich für die ITA-Passagiere?
Für die bisherigen Kunden der ITA, zu denen wegen seiner Auslandsreisen regelmäßig auch Papst Franziskus zählt, ändern sich viele Kleinigkeiten rund um den Flug. Mit dem Wechsel vom Airline-Bündnis Skyteam in die von Lufthansa dominierte Star Alliance ändern sich Partnergesellschaften für etwaige Weiterflüge ebenso wie die zur Verfügung gestellte Infrastruktur wie Lounges am Flughafen. ITA-Stammkunden aus dem Vielflieger-Programm Volare will Lufthansa in das eigene Miles&More integrieren, entsprechende Angebote zur Bewertung von Status und Meilen sollen bald kommen. Lufthansa-Boss Spohr sagte der FAZ, dass sich die Kunden auf Veränderungen „in den ersten 100 Tagen“ einstellen können. „Sehr bald“ solle es eine Partnerschaft der Vielfliegerprogramme geben.

Werden Flüge 2025 billiger?
Der Präsident des Luftfahrtverbandes, Jens Bischof, erwartete im Dezember steigende Ticketpreise bei Flugreisen. „An- und Abflüge in Deutschland werden signifikant teurer“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zwar sei die seit Mai 2024 höhere Luftverkehrssteuer bereits eingepreist. Aber ab Januar steige der Gebührendeckel für die Sicherheitskontrollen an Flughäfen von 10 auf 15 Euro pro Fluggast. Auch stehe eine deutliche Erhöhung der Kosten für die Flugsicherung im Raum.
Werden die Flüge 2025 pünktlicher?
Ja - zumindest an den großen Flughäfen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Porsche Consulting. Die Verspätungen am Boden hätten zuletzt um 70 bis 80 Prozent reduziert werden können und das sollte den weiteren Angaben zufolge auch in den hektischen Sommermonaten „für Entlastung und mehr Regelbetrieb sorgen“. Noch nicht jedes Problem sei gelöst, aber es werde besser als im vergangenen Jahr, so die Experten. (dpa, kuep)
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