Fast jeder kennt die Marke Segmüller, doch die Männer hinter dem Einrichtungshaus suchten nie das Rampenlicht. Womöglich ist gerade das eine wichtige Zutat im Erfolgsrezept des Familienunternehmens mit Sitz in Friedberg. Untrennbar verbunden mit dem Aufstieg vom kleinen Handwerksbetrieb für Polstermöbel zu einem der größten Einrichtungshäuser der Republik mit mehr als 4000 Beschäftigten ist der Name Peter Segmüller. Gemeinsam mit seinen Brüdern Hans und Paul baute er die Firma auf, die ihr Vater vor 100 Jahren gegründet hat. Nun ist er im Alter von 83 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben.
Peter Segmüller ging völlig neue Wege im Marketing
Peter Segmüller hatte einen geradezu visionären Instinkt für Marketing. In der Geschäftsführung, in die er 1967 mit Mitte 20 nach Abitur in Augsburg und Studium in Köln eintrat, war er auch verantwortlich für Einkauf, Verkauf, Finanzen und Personalentwicklung – aber seine große Vision war es, die Marke Segmüller über Bayern hinaus bekannt zu machen. 1980 gingen die drei Brüder den größten Schritt auf diesem Weg: Aus der Sitzmöbelmanufaktur mit eigenem Vertrieb, die sie vom Vater übernommen hatten, wurde ein Einrichtungshaus. Die erste Großfiliale entstand natürlich am Stammsitz in Friedberg.
Rund 15.000 Quadratmeter Fläche samt Restaurant glichen in den 80er Jahren einer Revolution. In einer Zeit, in der den Begriff in Deutschland noch kaum einer kannte, organisierte Peter Segmüller „Events“. Er wollte den Einkauf zum Erlebnis machen, ging mutige Wege in der Werbung, kämpfte offensiv um die besten Preise am Markt, stellte auch mal ein Bierzelt oder ein Karussell auf den Parkplatz und machte Segmüller so zum Publikumsmagneten. Kundinnen und Kunden kamen von weit her nach Friedberg. Für die Stadt und die ganze Region wurde das Möbelhaus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor und Sponsor. Prominente Werbefiguren wie der Kabarettist Willy Astor (“Ja sappralott, der Segmüller“) prägten das Image.
Ein Familienunternehmer im besten Sinne
Doch die große Show war für Peter Segmüller und seine Brüder kein Selbstzweck. Sie legten zugleich Wert auf fundierte Beratung und ein breites Sortiment in ihren Häusern. Den Mann für die Werbetrommel selbst zog es nicht auf die Bühne, am wohlsten fühlte er sich in seinem Betrieb, galt als leidenschaftlicher Familienunternehmer im besten Sinn. Einer, der von seinen Leuten durchaus viel forderte, auf den sich die Belegschaft umgekehrt aber auch verlassen konnte. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kannte er persönlich, sein Wort hatte Gewicht. Gespräche mit ihm seien stets geprägt gewesen von Charme, Verstand und hintersinnigem Humor, heißt es in einem Nachruf, den die Familie am Montag in Erinnerung an den Seniorchef veröffentlichte.
Ihm war bewusst, dass wirtschaftlicher Erfolg mehr bedeutet als die Zahlen unter dem Strich. Und dass es noch ein Leben neben der Arbeit geben muss. Dieses Leben an der Seite seiner Frau Sabine, die all die Jahre sein Rückhalt gewesen war, widmete er der Familie, den Söhnen Florian und Andreas – und der Musik. Voller Freude setzte er sich ans Piano und pflegte Freundschaften mit anderen Musikern.
Im Jahr 2012 trat Peter Segmüller aus dem operativen Geschäft zurück, blieb aber als Gesellschafter an Bord. Die nächste Generation übernahm, Sohn Florian ist heute einer der Geschäftsführer des Familienunternehmens, das inzwischen zu den größten Möbelhäusern Europas gehört. Aus den einst 15.000 Quadratmetern Verkaufsfläche in Friedberg ist inzwischen mehr als das Dreifache geworden. Weitere Filialen gibt es in Parsdorf bei München, in Stuttgart, Mannheim, Nürnberg, im hessischen Weiterstadt und in Pulheim bei Köln. Die Brüder Segmüller wurden 2016 mit dem Bayerischen Gründerpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Ihren Namen kennt man heute in ganz Deutschland – auch, weil Peter Segmüller einst eine Vision hatte.
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