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Pfand auf Taschen im Handel: Der Umwelt wird nur bedingt geholfen

Handel

Mehrweg mit Makel: Was Pfandtaschen leisten können und was nicht

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    Pfandtaschen im Umlauf: Händler setzen auf neue Rückgabesysteme – und hoffen auf das Verantwortungsbewusstsein ihrer Kundschaft.
    Pfandtaschen im Umlauf: Händler setzen auf neue Rückgabesysteme – und hoffen auf das Verantwortungsbewusstsein ihrer Kundschaft. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa (Symbolbild)

    Eine Tasche, viele Versprechen: Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, ein gutes Gewissen beim Einkauf. Immer mehr Handelsketten führen Pfandtaschen ein – Modelle, die zurückgegeben, gereinigt und erneut genutzt werden sollen. Klingt nach Kreislaufwirtschaft im Kleinen. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter.

    Das Bundesumweltministerium begrüßt solche Initiativen grundsätzlich, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. „Eine Stofftasche verursacht zunächst einen größeren ökologischen Fußabdruck“, heißt es aus dem Ministerium. Die Produktion von Baumwolle verbrauche enorme Mengen Wasser, Energie und Pestizide. Erst bei häufiger Nutzung gleiche sich dieser Nachteil aus. Elfmal müsse eine Baumwolltasche verwendet werden, um besser abzuschneiden als eine Papiertüte – gegenüber einer Tasche aus recyceltem Kunststoff seien sogar 83 Nutzungen nötig. Ein Pfandsystem könne helfen, diesen Wert zu erreichen, „wenn die Taschen tatsächlich im Kreislauf bleiben“.

    Das klingt plausibel – und zeigt zugleich, wie komplex nachhaltiger Konsum ist. Nachhaltigkeit hängt nicht allein vom Material ab, sondern auch vom Verhalten der Kundinnen und Kunden. In vielen Haushalten stapeln sich Baumwollbeutel zu Dutzenden in Schubladen oder Autos. Sie wurden gekauft, weil man sie „eh braucht“ oder weil sie ein Statement tragen. Doch häufig kommen sie nicht oft genug zum Einsatz, um ihren ökologischen Rucksack wirklich abzutragen.

    Der Kreislauf als Geschäftsmodell

    Der Handel setzt dennoch auf Mehrwegmodelle – auch, weil sie gut zum eigenen Image passen. Der Drogeriemarkt dm etwa bietet seit den 1990er Jahren Baumwolltaschen mit Rückgabegarantie an. Sie können bei Beschädigung umgetauscht werden – ein Service, der laut Geschäftsführer Sebastian Bayer „eine bewusste Investition in Nachhaltigkeit“ sei. Alte Taschen werden zu Papier-Baumwolltaschen recycelt, genaue Rücklaufzahlen nennt das Unternehmen nicht.

    Wesentlich systematischer arbeitet der Onlinehändler Knuspr. Dort zahlen Kundinnen und Kunden zehn Euro Pfand und erhalten ihre Lieferungen in sogenannten Eco-Bags aus recyceltem PET. Über 90 Prozent dieser Taschen werden laut Unternehmensangaben zurückgegeben, jede könne rund 25 Mal verwendet werden. Eine Studie der Universität für Chemie und Technologie in Prag bescheinigt ihnen eine um 80 Prozent bessere Umweltbilanz und einen um 62 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu Papiertaschen.

    Auch Rewe testet Pfandmodelle im Lieferservice – 50 Cent pro Tasche, Rückgabe bei der nächsten Bestellung. Ein einfaches System, das aber auf Vertrauen basiert: Ob Kundinnen und Kunden die Taschen tatsächlich zurückgeben, bleibt offen.

    Ein neues System: Boidel

    Einen vernetzten Ansatz verfolgt das Münchner Start-up Boidel. Es bietet ein „Bag-as-a-Service“-System, bei dem Taschen aus recyceltem PET über verschiedene Händler hinweg im Umlauf bleiben. „Unsere Pfandtaschen können bei allen Partnern zurückgegeben und professionell gereinigt werden“, sagt Mitgründerin Karolin Maiwald. Das Pfand beträgt 1,50 Euro, die Rückgabe erfolgt direkt an der Kasse.

    In einem Pilotprojekt mit Edeka Birol im Raum München testet Boidel das System derzeit im Alltag. „Jüngere Kundinnen und Kunden akzeptieren das Prinzip schnell, ältere brauchen eine kurze Erklärung“, so Maiwald. Die Rücklaufquote sei noch niedrig, was sie als normale Anlaufphase sieht. Langfristig will Boidel ein bundesweites Mehrwegsystem etablieren – auch mit Blick auf kommende EU-Vorgaben.

    Zwischen Anspruch und Umsetzung

    Während die Politik die Mehrwegnutzung mit der neuen EU-Verpackungsverordnung bald vorschreiben will, bleibt die Nutzung von Einkaufstaschen freiwillig. Die Verordnung verlangt, dass bestimmte Verpackungen und Transportbehälter ab 2030 zu mindestens 40 Prozent aus Mehrweg bestehen – Einkaufstaschen zählen nicht dazu.

    Elena Schägg von der Deutschen Umwelthilfe mahnt, Pfandtaschen dürften kein reines Symbol bleiben: „Sie sind nur dann sinnvoll, wenn sie tatsächlich im Umlauf bleiben und professionell aufbereitet werden.“ Andernfalls entstünden neue Materialströme, statt alte zu vermeiden.

    Pfandmodelle wie bei dm, Knuspr oder Boidel zeigen, dass praktikable Lösungen existieren, wenn Handel, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Logistik zusammenarbeiten. Ob sich diese Systeme dauerhaft durchsetzen, hängt davon ab, wie konsequent die Rückgabe organisiert wird – und ob sie im Alltag tatsächlich angenommen werden.

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