Am 9. November ist ihr Tag. Dann übergibt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein neues Gutachten an die Bundesregierung. Und Monika Schnitzer wird erstmals als Vorsitzende der Wirtschaftsweisen die Ratschläge des wichtigsten ökonomischen Beratergremiums der Bundesregierung vorstellen.
Verbindlich, freundlich und klar strukturiert, die 61-jährige Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München ist nicht nur eine nachgewiesen exzellente Wissenschaftlerin, sondern auch eine scheinbar unermüdliche Kommunikatorin. Die Sorge vieler Wissenschaftler, in Interviews und Talkshows nie die ganze Komplexität einer Fragestellung darstellen zu können und darum lieber nur in Fachkreisen zu diskutieren, ist ihr fremd.
Monika Schnitzers Ziel ist ein besserer Dialog von Politik und Wissenschaft
Mit Schnitzers Wahl und der Neubesetzung der durch den Rückzug von Lars Feld und Volker Wieland vakant gewordenen Posten mit Ulrike Malmendier und Martin Werding, können die Wirtschaftsweisen endlich wieder in der angedachten Fünfer-Konstellation ihrem Auftrag nachkommen - und lange Debatten um Personen und inhaltliche Ausrichtung beenden. Schnitzer, die mit einem Hochschullehrer an der LMU verheiratet ist und drei Töchter hat, ist in der nun gut 60-jährigen Tradition des Gremiums die erste Frau als Vorsitzende, wie überhaupt seit diesem Jahr erstmals die Frauen in der Mehrheit sind.
Schnitzers Lieblingsthemen Innovationen, Wettbewerb und multinationale Unternehmen sind ungebrochen relevant. Auch bei der Frage, wie sich Deutschland in einer Welt zunehmend politisierter Wirtschaftsbeziehungen positionieren kann und soll, ist die Chance, dass die Wissenschaft von der Politik gehört wird, mit Schnitzer zumindest gestiegen. Schon als Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, den sie 2015/16 wiederum als erste Frau übernommen hatte, nannte sie als ihr wichtigstes Ziel, den Dialog zwischen Politik und Wissenschaft zu verbessern. Ihr Ansporn ist, dieses Feld zumindest nicht kampflos den Lobbyisten zu überlassen. Gefolgt wird ihrem Rat deswegen längst nicht immer, das weiß auch Schnitzer. Trotzdem streitet sie etwa für eine längere Lebensarbeitszeit oder eine Frauenquote in der Wirtschaft.