Die hohen Energiekosten machen vielen Einzelhändlern zu schaffen. Deswegen wurde in den vergangenen Wochen immer wieder über kürzere Öffnungszeiten diskutiert. Eine Discounter-Kette macht jetzt Ernst und schließt ihre Geschäfte früher. Andere Einzelhändler hoffen besonders auf das Weihnachtsgeschäft
Öffnungszeiten: Unternehmer schreibt Brief an Ministerpräsidenten
Der Discounter Aldi Nord will in der Energiekrise mehrere Filialen abends früher schließen. Die Öffnungszeiten "zahlreicher Märkte" würden angepasst, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Ab November würden diese Märkte um 20 Uhr schließen, hieß es. Die Maßnahme, die einen Beitrag zum Energiesparen leisten solle, gelte zunächst für die Winterzeit 2022/2023. Bisher sind viele Aldi-Nord-Märkte in Großstädten wie Hannover oder Hamburg bis 21 Uhr geöffnet.
Das Schwesterunternehmen Aldi Süd hielt sich derweil bedeckt, was seine Pläne angeht. Man richte seine Öffnungszeiten nach den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden aus und berücksichtige bei Bedarf gesellschaftspolitische Themenstellungen, hieß auf Anfrage vieldeutig.
Zuvor hatten sich bereits andere Einzelhändler für verkürzte Öffnungszeiten ausgesprochen. Darunter etwa tegut-Geschäftsführer Thomas Gutberlet. In einem Brief wendete er sich an verschiedene Landesregierungen und forderte, die Öffnungszeiten für Supermärkte grundsätzlich zu verkürzen. Bislang hat er laut Unternehmenssprecher Matthias Pusch noch keine Antwort erhalten. Pusch weist darauf hin, dass derzeit verschiedene Möglichkeiten diskutiert werden, um weniger Energie zu verbrauchen.
Allerdings schließen tegut-Filialen derzeit nicht früher. Dies liege daran, dass der Marktanteil des Unternehmens eher gering ist, so Pusch. "Erst wenn alle an einem Strang ziehen und die kürzeren Öffnungszeiten umsetzen, wäre es ein entsprechendes Zeichen und das Einsparpotenzial im relevanten Maße gegeben."
Energiekrise: Kühlung und Beleuchtung in Geschäften besonders teuer
Energie ist ein großer Kostenblock im Einzelhandel und fällt insbesondere für die Kühlung von Waren und die Beleuchtung an. Vor allem die Kühlung von Lebensmitteln verbrauche viel Energie, erklärt Christian Strauß, Pressesprecher von Edeka-Südbayern. Derzeit seien alle Filialen in Bayern regulär geöffnet, so Strauß. "Deshalb sehen wir derzeit keinen Anlass, unseren Kundinnen und Kunden einen reduzierten Service anzubieten", sagt er.
Einzelhändler aus Augsburg wollen ihre Geschäfte vorerst noch nicht früher schließen. Marcus Vorwohlt, Geschäftsführer der Mode-Kette Rübsamen, erklärt: "Für uns ist das vierte Quartal sehr wichtig." In den Monaten von Oktober bis Dezember seien die Umsätze deutlich höher, etwa wegen des Weihnachtsgeschäfts. Das könne sich im kommenden Jahr aber ändern, so der Geschäftsführer. Deswegen kommen kürzere Öffnungszeiten für ihn eher im nächsten Jahr in Frage. Momentan versucht er in seinen Filialen hinter den Kulissen Kosten zu sparen, zum Beispiel mit Energiesparlampen.
Kürzere Öffnungszeiten sind in der Branche umstritten
Ähnlich geht auch das Team um Axel Haug, Leiter der City Galerie in Augsburg vor. "Wir sperren unter der Woche etwa das oberste Parkdeck, weil es nicht gebraucht wird", sagt er. Außerdem werden nach und nach alle Lampen in der City Galerie mit LED-Birnen ausgestattet. Die Öffnungszeiten werden aber vorerst nicht verändert. Laut Haug sei auch der Personalmangel ein großes Problem für viele Einzelhändler. "Für manche ist es schon schwierig die regulären Öffnungszeiten abzudecken", sagt er.
Auch Andreas Gärtner, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern (HBE) in Augsburg, beobachtet, dass viele Einzelhändler bei dem Thema Öffnungszeiten zurückhaltend sind. Aus seiner Sicht sei es für viele derzeit schwierig, die konkreten Auswirkungen der Energiekrise abzuschätzen. "Ein möglicher Energiepreisdeckel wird ein entscheidender Punkt sein", sagt er. Erst dann könnten viele Unternehmer berechnen, ob es sich für sie lohnt, ihre Geschäfte früher zu schließen.
Kürzere Öffnungszeiten bei Einzelhändlern sind in der Branche aber umstritten. So hatte Rewe-Chef Lionel Souque unlängst gesagt, man habe an eine Verkürzung der Öffnungszeiten bisher noch nicht gedacht. Grundsätzlich sei es das Ziel der Rewe-Gruppe, "einen größtmöglichen Beitrag zu den bundesweit notwendigen Einsparungen zu leisten, ohne Einschränkungen für unsere Kundinnen und Kunden zu erzeugen", hieß es Anfang September. Dieses Ziel teilt Rewe wohl mit den meisten anderen Händlern. (mit dpa)
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