Fehlende und sehr teure Wohnungen machen Suchenden seit Jahren das Leben schwer. Doch inzwischen gibt es erste Lichtblicke: Erstmals seit Jahren steigt die Zahl der Baugenehmigungen. Im Jahr 2025 gaben die Behörden grünes Licht für 238.000 neue Wohnungen in Deutschland - ein Plus von 10,8 Prozent. Der Trend hielt dieses Jahr an: Im Januar wurden 19.500 Wohnungen genehmigt - 8,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, berichtet das Statistische Bundesamt. Die Bundesregierung sieht dies als Indiz, dass der letztes Jahr auf den Weg gebrachte Bau-Turbo erste Wirkungen entfaltet. Doch Verbände und die Opposition warnen vor dem Wohnungsbau-Tag der Verbände am Donnerstag, dass das Problem längst nicht gelöst ist und sprechen von einer „Krisenstarre“ bei Immobilien. Bauzinsen und Immobilienpreise ziehen zudem wieder an.
Der Bau-Turbo vereinfacht die Genehmigung. Da er erst am 30. Oktober 2025 in Kraft trat, befinde er sich noch in einer „frühen Phase“, betont ein Sprecher des Bundesbauministeriums von SPD-Ministerin Verena Hubertz. „Gleichwohl zeigen erste Rückmeldungen und Anwendungsfälle, dass das Instrument grundsätzlich funktioniert und zunehmend genutzt wird“, sagte der Sprecher unserer Redaktion und nennt Beispiele: In Hamburg seien die Baugenehmigungen durch den Bau-Turbo deutlich angestiegen. Dortmund nutzt ein Bürogebäude um und schafft 200 Wohnungen. Im ländlichen Bereich sei die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern stärker. „Insbesondere die starken Zahlen des zweiten Halbjahres 2025 mit plus 17,8 Prozent mehr Baugenehmigungen unterstreichen, dass sich im Wohnungsbau vieles in die richtige Richtung bewegt.“
Katharina Dröge, Grüne: „Teuer-Turbo führt zu Wohnungen, die sich viele Menschen gar nicht leisten können“
Die Opposition hat dagegen Zweifel, dass mit dem Bau-Turbo mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht: „Durch den Teuer-Turbo entstehen in der Praxis vor allem teure Wohnungen, die sich viele Menschen gar nicht leisten können“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge unserer Redaktion. „Ohne klare Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum profitieren am Ende vor allem Investoren“, sagt sie. „Die Hoffnung, dass viele neue Wohnungen automatisch die Preise senken, geht so nicht auf, immer mehr Menschen, auch aus der Mittelschicht, finden nichts Bezahlbares.“ Dem sozialen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau im Bestand müssen deshalb „Vorfahrt“ eingeräumt werden. „Aufstockung, Umbau und Umnutzung könnten bis zu vier Millionen Wohnungen schaffen.“
Steigende Preise bei Neuvermietungen in den Städten führen dazu, dass es für ältere Menschen häufig nicht bezahlbar ist, in eine kleinere, aber teurere Wohnung zu wechseln. Die Folge: Die Betroffenen bleiben in ihren zu großen Wohnungen „quasi gefangen“, darauf weist Robert Feiger hin, Chef der Gewerkschaft IG BAU. „Dieser Zustand ist eines so reichen Landes wie Deutschland unwürdig“, sagte Feiger unserer Redaktion. Ohne Neubau wird es aus seiner Sicht nicht gehen.
Robert Feiger, IG Bau: „Brauchen Angebote für die arbeitende Mitte der Gesellschaft“
„Wir brauchen eine soziale und bezahlbare Neubauoffensive“, sagt Feiger. Nötig seien nicht nur Sozialwohnungen, sondern auch Angebote für die arbeitende Mitte der Gesellschaft: „Hier brauchen wir dringend ein zusätzliches Programm für mindestens 60.000 Wohnungen im Jahr im Preissegment zwischen acht bis zwölf Euro pro Quadratmeter.“ Zudem müsse gezielter gefördert werden: „Wir brauchen qualitativ guten, klimafreundlichen Wohnraum, aber keine überhöhten Komfortstandards wie Tiefgaragen“, betont er. „Dieses Ziel sollte bei der anstehenden Reform der KfW-Förderprogramme in den Blick genommen werden.“
Das Wohnungsbauproblem sei längst nicht gelöst, sagt auch Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverbandes IVD. Zwar seien 2025 mehr Wohnungen genehmigt worden, es seien aber weniger, als 2024 fertiggestellt wurden. „Neubau und Sanierung sind zu teuer geworden“, kritisiert er. „Der Staat sollte nur noch das regeln, was wirklich zwingend ist, etwa Statik und Brandschutz“, fordert er. Den Rest sollten die Vertragspartner selbst vereinbaren können. „Ebenso wichtig ist eine spürbare Entlastung beim Immobilienerwerb“, sagte Wohltorf unserer Redaktion. Die Grunderwerbsteuer verteuere Wohneigentum gerade für Familien und Haushalte mit mittleren Einkommen. „Wer mehr Eigentum – auch zur Altersvorsorge – und mehr Investitionen in den Wohnungsbau will, muss diese Hürde senken und den Eigenkapitalaufbau gezielt erleichtern.“
Zinsen und Immobilienpreise ziehen wieder an: Droht ein neuer Absturz?
Die Zeiten für den Kauf und Bau werden aber nicht leichter: Erstmals seit 2022 sind die Preise für Wohnungen und Häuser im letzten Jahr wieder deutlich gestiegen, meldet das Statistische Bundesamt - im Schnitt um 3,2 Prozent. Gleichzeitig steigen durch den Krieg im Iran die Bauzinsen massiv. Wer eine Finanzierung mit wenig Eigenkapital plane, muss dem Kreditvermittler Interhyp zufolge mit rund vier Prozent Zins rechnen.
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