Volkswagen geht es schlecht, doch der Konzernchef wird wie Krösus bezahlt. Während der VW-Gewinn 2024 um ein Drittel einbrach und das Unternehmen auch in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 30 Prozent weniger verdiente, kann der Vorstandschef nicht klagen. Oliver Blume hat vergangenes Jahr 10,6 Millionen Euro mit nach Hause genommen, wie eine Auswertung der TU München im Auftrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ergeben hat. Trotz der Krise im VW-Reich und des stark gefallenen Aktienkurses hat Blume 300.000 Euro mehr bekommen als im Jahr 2023.
Damit ist der 57-Jährige die Nummer 1 unter den Chefs der . Der Manager steht allerdings nicht nur an der Spitze von VW, sondern führt auch den Sportwagenbauer Porsche. DSW-Chef Marc Tüngler kritisierte das Vergütungssystem bei Volkswagen „Es wäre die Erwartung, dass bei sinkendem Aktienkurs die Vergütung sinkt“, sagte Tüngler.
Auch der Adidas-Chef durchbricht die Gehaltsschallmauer
Hinter Blume folgen auf Platz 2 der Großverdiener Adidas-Chef Björn Gulden mit einem Gehalt von 10,3 Millionen Euro und auf Rang 3 der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, , mit 9,9 Millionen Euro. Das kleinste Gehalt in der Riege der Konzernchefs bekam Hans Dieter Pötsch mit 2,1 Millionen Euro, der die Porsche Holding (nicht die AG) führt. In der Beteiligungsgesellschaft haben die Eigner-Familien von Porsche und Volkswagen ihre Anteile gebündelt.
Im Mittel verdiente ein DAX-Konzernchef 5,7 Millionen Euro und damit zwei Millionen Euro mehr als die anderen Manager, die im Vorstand der Unternehmen sitzen. Für DSW-Chef Tüngler ist die Marke von zehn Millionen die magische Schallmauer, die nicht überschritten werden sollte. „Sie ist aus unserer Sicht eine sinnvolle Marke, weil auch ein wichtiger Indikator für den sozialen Frieden in unserem Land“, sagte er. Die Schutzvereinigung vertritt die Interessen von Aktionären gegenüber börsennotierten Unternehmen. Tüngler erwartet, dass die Schallmauer künftig häufiger durchbrochen wird. Der DSW-Hauptgeschäftsführer sieht die Aufsichtsräte in der Pflicht, für eine leistungsgerechte Bezahlung zu sorgen. Der Aufsichtsrat ist für die Vergütung des Vorstands zuständig.
So viel Gehalt wie zwei Berufsleben
Die Bezahlung der Chefetage liegt laut der Analyse meilenweit vom Gehalt der Mitarbeiter entfernt. Vorstandsmitglieder bekommen im Mittel das 41-Fache eines Durchschnittsverdieners ihrer Unternehmen. Der Durchschnittsverdiener ist dabei kein einfacher Angestellter, weil in die Berechnung auch die Löhne von Teamleitern, Abteilungsleitern und mittleren Managern einfließen. Dennoch verdienen die Dax-Chefs pro Jahr so viel wie ihre Angestellte in einem ganzen Berufsleben. Bei VW-Chef Blume reicht es an zwei Berufsleben heran. Laut Statistischen Bundesamt lag das mittlere Einkommen im vergangenen Jahr hierzulande bei 52.000 Euro.
| Vorstandschef | Dax-Konzern | Verdienst in Mio EUR |
| Oliver Blume | Volkswagen und Porsche | 10,6 |
| Björn Gulden | Adidas | 10,3 |
| Christian Sewing | Deutsche Bank | 9,9 |
| Christian Klein | SAP | 9,3 |
| Oliver Bäte | Allianz | 8,5 |
| Bill Anderson | Bayer | 8,4 |
| Belén Garijo Lopez | Merck | 8,4 |
| Roland Busch | Siemens | 8 |
| Tim Höttges | Deutsche Telekom | 7,7 |
| Ola Källenius | Mercedes Benz | 7,7 |
Im internationalen Vergleich werden die Bosse in Deutschland gering bezahlt. Ihre durchschnittliche Gesamtvergütung von 5,7 Millionen Euro blieb unterhalb der Bezahlung französischer Firmenlenker, die 6,4 Millionen Euro bekamen. In der Schweiz lag der Wert bei umgerechnet 8,2 Millionen Euro, in den USA gar bei 28,5 Millionen.
Historische Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass sich das Gehaltsgefüge in der Wirtschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten nach und nach aufgespreizt hat. Die Spitzenmanager profitieren von den Bonuszahlungen, die sich am Aktienkurs ihrer Unternehmen bemessen. Teil ihres Gehalts sind häufig Optionen auf die Papiere des Konzerns, den sie leiten.
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