Bundeskanzler Friedrich Merz reist diesen Dienstag mit einer großen Delegation nach China. Im Zentrum stehen die Wirtschaftsbeziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde hinter den USA. Während Deutschland Jahrzehnte als Technologieführer die chinesische Industrie mit Maschinen ausrüstete und Autos nach Fernost verkaufte, ist das Machtverhältnis inzwischen gekippt. Bei der Robotik, der Elektromobilität und Photovoltaik hat China die Nase vorn und überschwemmt derzeit den europäischen Markt mit Waren. Das beschränkt sich nicht nur auf Spielzeug, Mode und Handys, sondern greift mittlerweile auch Premiumprodukte des Mittelstandes an, wie zum Beispiel den Maschinenbau.
Entsprechend begleiten den CDU-Chef Erwartungen der regionalen Wirtschaft. Für Reinhold Braun, Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK), ist die Balance entscheidend, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagte: „Marktzugang sichern, faire Wettbewerbsbedingungen einfordern und zugleich Abhängigkeiten systematisch reduzieren. Unsere Unternehmen brauchen Offenheit im Handel, vor allem aber Verlässlichkeit, Transparenz und stabile Rahmenbedingungen.“
Die Zoll-Entscheidung des US-Gerichts sorgt für neue Unsicherheit
Das gilt umso mehr, als dass nach der jüngsten Zoll-Entscheidung des Obersten US-Gerichts die Unsicherheit vergrößert hat, was künftig im Handel zwischen den USA und der EU gilt. Auf viele EU-Importe in die Vereinigten Staaten soll US-Regierungskreisen zufolge künftig ein Zoll von 15 Prozent erhoben werden, wie ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses mitteilte. Das Europäische Parlament fror unterdessen die Umsetzung des bereits ausgehandelten EU-US-Zollabkommens ein.
Die neue Lage erhöht den Druck auf die Reise des Kanzlers nach China. Laut IHK ist das Land für viele Unternehmen Absatzmarkt, Wettbewerber und Risikofaktor zugleich. Rund 500 Betriebe aus der Region sind dort aktiv. Zwar wurden Lieferketten breiter aufgestellt, Produktionsstandorte diversifiziert, neue Märkte in Südostasien oder Indien erschlossen. Das „De-Risking“ sagt Braun, sei in den Unternehmen längst angekommen, eine vollständige Entkopplung jedoch „weder realistisch noch im Interesse unserer exportorientierten Wirtschaft“. Der Unternehmer betont: „Allein wegen seiner wirtschaftlichen Größe und technologischen Dynamik bleibt China ein zentraler Faktor.“
Was der Chef der BWF Group aus Offingen von Merz erwartet
Das sieht man bei der BWF Group aus Offingen im Kreis Günzburg so. Die hat zwei Standorte in Wuxi. Der Industriefilter-Spezialist hat dort 550 Beschäftigte. Was an dort, an der Ostküste, produziert wird, kommt vor allem auf den lokalen Markt. Der Chef des Familienunternehmens, Maximilian Offermann, erwartet sich, dass der Kanzler den „Draht nach China verbessert“, auch wenn das Geschäft wegen der dort schwächelnden Industrie „deutlich ruhiger“ geworden sei. Verbesserte Bedingungen sind ihm wichtig, weil er in China investiert hat - und weil er die Perspektive sieht: „China ist uns in vielen Dingen voraus. Wir müssen inzwischen technologisch von den Chinesen lernen.“
Der Direktor des Mercator Institutes for China Studies (Merics) Mikko Huotari weist zudem darauf hin: „China will zeigen, dass es Freunde hat und nicht isoliert ist“. Denn anders als US-Präsident Trump bekennt sich Chinas Staatschef Xi Jinping zur internationalen Zusammenarbeit und zum Freihandel. Gleichwohl unterstützt er Russland bei der Kriegsführung gegen die Ukraine und unterläuft faire Regeln des wirtschaftlichen Wettbewerbs durch Staatsdumping.
Was Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vom Kanzler erwartet
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) formuliert im Gespräch mit unserer Redaktion seine Erwartungen so: „Für Bayern geht es darum, dass die WTO-Regularien für einen fairen, regelbasierten Handel von der Regierung in Peking eingehalten werden. China subventioniert seine Wirtschaft, während der Bund und Brüssel der Wirtschaft Sand ins Getriebe werfen. Das müssen wir ändern. Mit China braucht es stetigen Dialog.“ Im November wird Aiwanger erneut mit einer Wirtschaftsdelegation nach Fernost reisen. Er betont: „Wir haben traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen und legen Wert darauf, diese weiterhin zu pflegen, vor allem, weil die Zeiten wie jetzt nicht einfach sind. Faire Zusammenarbeit ist nötig.“
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