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Warum die Ukraine diesen Krieg gewinnen muss

Kommentar

Die Ukraine kämpft gegen Putin, Europa gegen die Abstumpfung

Stefan Küpper
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    Die Ukraine wehrt sich seit 12 Jahren gegen Russland, diesen Dienstag jährt sich der Jahrestag der Vollinvasion.
    Die Ukraine wehrt sich seit 12 Jahren gegen Russland, diesen Dienstag jährt sich der Jahrestag der Vollinvasion. Foto: Kirsty Wigglesworth/AP, dpa

    Es hilft vielleicht, sich die Bilder zu vergegenwärtigen: die russischen Hubschrauber, die wie ein Hornissenschwarm den Flughafen Kiew-Hostomel in Gefechtsformation anfliegen. Oder die kilometerlangen Schlangen auf den verstopften Autobahnen aus der ukrainischen Hauptstadt, mit all den Verzweifelten, die nur wegwollen, aber nicht können. Oder Wladimir Putin, der mit seinem wächsernen Herrscher-Gesicht im russischen Fernsehen die Exekution seiner sogenannten „Spezialoperation“ verkündet. Später das Massaker von Butscha. Dieser Mann, den sie dort einfach vom Fahrrad geschossen haben. Es hilft, sich zu erinnern, weil die Ukraine zwar weiter mutig gegen Russland kämpft, Europa aber gegen die zunehmende Abstumpfung.

    Heute ist es vier Jahre her, dass Russland die Ukraine überfiel und mit der Vollinvasion den seit 2014 andauernden Krieg massiv eskalierte. Vier Jahre, in denen die Ukrainerinnen und Ukrainer Widerstand leisten und (oft gesagt und umso wahrer) die Freiheit Europas verteidigen. Und dies zu Hunderttausenden mit Leib und Leben bezahlen. In einem zerstörten, zerfurchten, zernarbten Land. Und dennoch nicht aufgeben. Man kann das nicht hoch genug schätzen. Man kann ihnen kaum ausreichend danken.

    Sich gegen die eigene Gleichgültigkeit wehren

    Was man hier aber zumindest tun kann: nicht gleichgültig werden. Zwar ist dieser Krieg in Europa viel gegenwärtiger als der im Sudan, aber er gehört – wenn auch ganz anders als in der Ukraine und für die nach Deutschland Geflüchteten – inzwischen zum Alltag. Dieser Krieg ist einerseits nah, aber er wird, weil selbst ein Waffenstillstand kaum erreichbar scheint, doch zunehmend weggeschoben. Die Leute zappen weiter. Sei es aus Hilflosigkeit, weil sie die Bilder nicht ertragen können, sei es, weil ihnen die eigenen Sorgen näher sind. Das ist so nachvollziehbar wie falsch. Denn genau darauf setzt Putin. Er kalkuliert mit dieser wachsenden Gleichgültigkeit, mit der Zermürbung, mit der Hoffnungslosigkeit, die einen Frieden so weit entfernt scheinen lässt.

    Die eigene Haltung zu diesem Krieg, die Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern, ist deshalb so wichtig, weil sich aus ihr die Politik speist. Wer wie die Europäische Union und Deutschland Milliarden an Steuergeldern für die Ukraine mobilisiert, kann das in Demokratien über Jahre nur tun, wenn er die Bevölkerung mehrheitlich hinter sich weiß. Die Menschen müssen über Jahre immer wieder neu gewonnen werden. Das ist einerseits banal, aber andererseits wesentlich.

    Olaf Scholz hatte Unrecht: Russland muss diesen Krieg verlieren

    Denn man kann auch das nicht oft genug wiederholen: Wenn die Ukraine verliert, wird Putin weitermachen. Es war deshalb historisch falsch (wenn auch im Kalkül nachvollziehbar), was Olaf Scholz (SPD) als Formel für sich wählte. Der Ex-Kanzler sagte immer: Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen, die Ukraine darf ihn nicht verlieren. Richtig ist aber doch: Diktatoren stürzen, wenn sie zurückgeschlagen werden.

    Die bittere Wahrheit dieses vierten Jahrestages ist daher: Putin wird immer weitermachen, wenn die USA und Europa ihn lassen. Dieser Krieg erhält das russische Herrschaftssystem. Auch ein 20. Sanktionspaket (so es überhaupt zustande kommt) wird nicht reichen. Wer die Lehren aus der Münchner Sicherheitskonferenz ernstnimmt, wer wirklich versteht, was es perspektivisch bedeutet, dass Europa sehr schnell auf sich allein gestellt sein wird, der muss seine Anstrengungen für die Ukraine vervielfachen. Freiheit gibt es nicht umsonst. Das muss man sich jeden Tag neu klarmachen.

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