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Wie der schlechte Zustand der Deutschen Bahn die Verteidigungsfähigkeit schwächt

Verteidigung

Wenn der Panzer zu spät an die Front kommt

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    Bundeswehr Schützenpanzer des Typs Marder werden für den Einsatz im Baltikum auf die Eisenbahn verladen. Früher hatte die Truppe eigenen Bahnkompanien, heute ist die Schiene eine Engstelle für die Streitkräfte.
    Bundeswehr Schützenpanzer des Typs Marder werden für den Einsatz im Baltikum auf die Eisenbahn verladen. Früher hatte die Truppe eigenen Bahnkompanien, heute ist die Schiene eine Engstelle für die Streitkräfte. Foto: Armin Weigel, dpa-Archiv

    Panzer und Haubitzen fahren und feuern an der Front. Seit drei Jahren zeigen Videos ihren Einsatz im Osten der Ukraine. Doch auf eigenen Ketten pflügt das tonnenschwere Kriegsgerät meist nur in der unmittelbaren Kampfzone, in Richtung Front gebracht werden sie auf anderem Weg. Die Stahlkolosse rollen auf Schienen in das Aufstellungsgebiet. Das ist so seit dem Ersten Weltkrieg. Mehr als 100 Jahre später stellt das für Deutschland Problem dar, genauer gesagt ein doppeltes.

    Denn der Bahn geht es wie der Bundeswehr: Beide wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten kaputtgespart und heruntergewirtschaftet. Mit dem Ende des Kalten Krieges geriet in Vergessenheit, dass eine Armee ohne eine intakte zivile Infrastruktur (Schienen, Brücken, Kanäle, Kraftwerke) nicht viel wert ist.

    Deutschland als Drehscheibe der Nato

    Wegen der zentralen Lage Deutschlands im Herzen Europas wird durch den Abbau der Wehrtüchtigkeit nicht nur die eigene Verteidigungsfähigkeit geschwächt, sondern auch die der Nato. Die Bundesrepublik ist im Konfliktfall mit Russland die Drehscheibe des Nordatlantikpaktes. Schwere Waffen aus den USA, Großbritannien und Kanada kämen zunächst mit dem Schiff in die Häfen, um dann per Eisenbahn weitertransportiert zu werden. Ein einziger Zug kann 18 Panzer oder 60 Munitionsbehälter transportieren. Zusammen kommen sie auf ein Gewicht von jeweils 1000 Tonnen.

    Selbst der Bahnvorstand hat mittlerweile erkannt, dass das Staatsunternehmen auf die neue Bedrohungslage im Osten Europas nicht ausreichend vorbereitet ist. „Mit Logistik gewinnt man keine Kriege, aber ohne Logistik verliert man Kriege“, warnte Güterverkehrschefin Sigrid Nikutta am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Sie forderte, die Kapazitäten auszubauen, um das Transportvolumen zu erhöhen und im Krisenfall besser gewappnet zu sein. „Wir müssen Waggons für Militärtransporte vorrätig halten, wir müssen Lokomotiven vorrätig halten, und wir müssen Mitarbeiter für Militärtransporte schulen“, sagte Nikutta. „Wir müssen vorbereitet sein“.

    Sigrid Nikutta ist im Bahn-Vorstand für DB Cargo, also den Güterverkehr zuständig. Sie verlangt ,mehr Geld für die Ertüchtigung der Militärlogistik.
    Sigrid Nikutta ist im Bahn-Vorstand für DB Cargo, also den Güterverkehr zuständig. Sie verlangt ,mehr Geld für die Ertüchtigung der Militärlogistik. Foto: Andreas Arnold, dpa

    Während des Kalten Krieges verfügten Bahn und Truppe über tausende spezielle Flachwaggons zum Verlegen von Kriegsgerät. Kasernen hatten sogar eigenen Gleisanschlüsse. Heute sind rund 350 Flachwaggons übriggeblieben. Der Schienenkonzern bekommt derzeit knapp 70 Millionen pro Jahr von der Bundesregierung, um jene Waggons, Dieselloks (wenn der Strom ausfällt) und Trassen für das Militär vorzuhalten. Dieser Vertrag wird laut Bahn jährlich erneuert, „was Investitionen sehr schwierig macht“, wie Nikutta beklagt. Für die überschweren Transporte müssen Strecken teilweise ertüchtigt werden, weil Brücken nicht die nötige Traglast aufweisen oder Tunnel zu niedrig sind. Bis in die 70er Jahre hatte die Bundeswehr eigene Eisenbahntruppen, die Nationale Volksarmee der DDR unterhielt sie bis zur Auflösung 1990.

    Erschwert wird der Transport von Soldaten und Waffen auf der Schiene durch den schlechten Zustand der Gleise. Vergangenes Jahr bewertete die Bahn die Hälfte ihres Netzes als mittelmäßig, schlecht oder mangelhaft. Die Sanierung desselben ist unter der Ampel-Koalition beschleunigt und mit vielen Milliarden Euro ausgestattet worden. Die Finanzierung für die zweite Hälfte des Jahrzehnts ist aber noch nicht gesichert. Den Finanzbedarf für das Netz bezifferte die Bahn seinerzeit auf 90 Milliarden Euro. Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Militärlogistik „hat jedoch unsere Verteidigungsbereitschaft geschwächt“, mahnte Bahn-Vorständin Nikutta.

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