Wer trübsinnig werden will, liest sich einen Bericht nach dem anderen von deutschen Wirtschaftsforschungs-Instituten durch. So listen die Ifo-Experten auf, jedes dritte Unternehmen beklage einen Rückgang seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Ländern außerhalb der EU. Weiter merkt etwa ein Drittel der heimischen Betriebe an, zu wenig Aufträge zu bekommen. Die Kette negativer Nachrichten über die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands lässt sich fortsetzen. Doch all diese Befunde beschreiben nur die aktuelle Stimmung in heimischen Betrieben. Das kommende Jahr könnte die Zuversicht wieder etwas zurückbringen. Denn viele Maßnahmen der Bundesregierung beginnen dann, ihre Wirkung richtig zu entfalten. So fließen verstärkt Gelder in den Ausbau der Infrastruktur und aus dem prall gefüllten Verteidigungstopf werden Summen für die Aufrüstung der Bundeswehr stärker abgeschöpft. Die Bundesregierung kann erst in den Jahren 2026 und 2027 die darbende Wirtschaft des Landes ein wenig anschieben. Wunder kann sie nicht vollbringen, doch die Stimmung könnte sich Monat für Monat leicht aufhellen.
Merz muss für Stimmung sorgen
Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz souveräner als heute auftritt, aufhört, sich über junge Renten-Rebellen aus dem eigenen Lager oder den Zustand der brasilianischen Stadt Belem zu mokieren, und sich auf das Wesentliche konzentriert, wäre das hilfreich. Das Wesentliche ist die Wirtschaft. Deutschland kann sich zwar seit 17 Jahren nicht mehr Exportweltmeister nennen. China und die USA haben uns abgehängt, es besteht jedoch Hoffnung, zumindest Platz drei zu verteidigen. Denn die Fähigkeiten der Beschäftigten geben Anlass zum Optimismus. Ob im Handwerk oder in der Industrie: Die Mitarbeitenden sind besonders gut darin, Hardware und Software zu verbinden, also etwa mit Künstlicher Intelligenz Maschinen schlauer zu machen. Gerade die vielen Hidden Champions des Mittelstands agieren nach wie vor auf Weltklasse-Niveau. Sie werden von Wissenschaftlern von Forschungs-Einrichtungen wie aus der Fraunhofer-Gesellschaft kräftig unterstützt. Das ist eine unschlagbare Kombination, um die uns Chinesen und Amerikaner beneiden. Der Standort Deutschland ist besser als sein Ruf, nur müssen seine Kräfte entfesselt werden. Dazu muss Merz zum Entfesselungs-Künstler aufsteigen, also mit seiner Mannschaft die Stimmung massiv verbessern, aber auch die Energiekosten deutlich für alle Betriebe senken und den Bürokratieabbau erheblich beschleunigen.
Die Lehren eines Nobelpreisträgers
Der kanadische Wirtschafts-Nobelpreisträger Peter Howitt rät allen Industrienationen, die wie Deutschland an der Wachstumsschwäche verzweifeln, offen zu sein für neue Ideen und Kooperationen mit anderen einzugehen. Sein schönster Satz lautet: „Gutes entsteht oft unerwartet. Man kann nicht vorhersagen, woher es kommt.“ Die großen Herausforderungen sind für den Spitzen-Ökonomen klar: „Wir müssen mit der Künstlichen Intelligenz umgehen lernen, den Klimawandel stoppen und in der Lage sein, mit kreativer Zerstörung umzugehen.“ Klimakiller-Technologien sollten daher durch neue, umweltfreundlichere ersetzt werden. Diese Transformation tut weh, ist alternativlos und bietet deutschen Firmen enorme Wachstumschancen. Nach den beiden Übergangs-Jahren mit den von Konjunkturforschern vorhergesagten noch verhaltenen Wachstumsraten könnte 2028 zum Jahr des Comebacks Deutschlands werden.
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