Trotz des Zoll-Deals von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit US-Präsident Donald Trump stellt sich die bayerische Wirtschaft auf harte Zeiten im Handel mit den USA ein. „Klar ist, dass die Zölle von 15 Prozent unsere Exporte verteuern, unser Wachstum reduzieren und allgemein den Handel mit den USA erschweren“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, unserer Redaktion. „Es ist viel Vertrauen verloren gegangen, das so schnell nicht wieder kommen wird.“ Zumindest hätten die Unternehmen nun Planungssicherheit. „Das Gute ist: Ein Handelskrieg ist abgewendet worden“, sagt Ruben Staffa vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Die EU und die USA haben sich auf eine Grundsatzvereinbarung geeinigt, die für die meisten Produkte 15 Prozent Zoll bei einer Einfuhr in die USA vorsieht. Dies ist deutlich weniger als die 30 Prozent, die Trump zuvor angekündigt hatte.
Der Zollkonflikt ist deshalb so fatal für den Freistaat, weil die USA im bedeutenden Metall- und Elektrobereich der wichtigste Handelspartner Bayerns sind: „Die USA waren mit knapp 13 Prozent aller Ausfuhren im Jahr 2024 der größte Exportmarkt nicht nur für den Freistaat insgesamt, sondern insbesondere für unsere Exportschlager Pkw und Maschinen“, sagt Brossardt. Der Konflikt habe bereits tiefe Risse in den Wirtschaftsbeziehungen hinterlassen: „Zum Beispiel wurden geplante Investitionen teilweise gestoppt oder pausiert. Außerdem berichten Unternehmen, dass Bestellungen aus den USA verschoben oder reduziert wurden.“ Die Abwertung des Dollar und der teurere Euro erschweren den Export zusätzlich.
DIW-Experte: 15 Prozent sind das Zehnfache der Zölle vor Trumps zweiter Amtszeit
Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier nannte die Entwicklung in der ARD ein „Drama“: Zölle in Höhe von 15 Prozent seien eine ungeheure Belastung für die Wirtschaft, nicht nur hier, sondern auch in den USA. „Die 15 Prozent sind sehr schmerzhaft, da sie das Zehnfache des Zolls darstellen, der vor der zweiten Amtszeit von Donald Trump üblich war“, sagt auch DIW-Experte Staffa. „Dies ist eine wesentliche Verschlechterung“, aber natürlich besser als der angedrohte Zoll von 30 Prozent. „Dies hätte den Handel mit den USA zum Erliegen gebracht“, ist Staffa überzeugt.
In vielen Branchen herrscht nach wie vor Verzweiflung. Für Stahl sollen beispielsweise weiter 50 Prozent Zoll gelten. „Für die europäische Stahlindustrie hat sich nichts an der katastrophalen Situation geändert“, sagt Kerstin Maria Rippel, Chefin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Frust herrscht auch unter deutschen Winzern. Der Export deutscher und europäischer Weine in die USA könnte um zehn Prozent einbrechen, warnt das Deutsche Weininstitut. Unsicher sei die Lage auch für die Pharmabranche, wo die künftigen Zölle im Detail noch unklar seien, sagt DIW-Experte Staffa. Pharmazeutika stellen im Handel der EU mit den USA die größte Warengruppe dar.
Audi begrüßt höhere Planungssicherheit durch Deal
Die wichtige bayerische Autoindustrie reagiert vorsichtig. „Wir begrüßen die Einigung zwischen der EU und den USA im Zollstreit und die damit verbundene Planungssicherheit für die europäische Automobilindustrie“, sagte eine Audi-Sprecherin unserer Redaktion. Eine Einschätzung könne man erst geben, wenn die Details bekannt seien. DIW-Experte Staffa geht davon aus, dass die Autohersteller vom Deal profitieren: „Vor der Einigung sind zuletzt 27,5 Prozent Zoll auf die Exporte in die USA angefallen“, erklärt er. „Durch die Einigung auf 15 Prozent haben sich die Zölle praktisch halbiert.“
Trotzdem ist die Situation auch im Autobau deutlich schlechter als vor dem Handelskonflikt, betont Staffa. Bei Audi ist der Gewinn beispielsweise im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro eingebrochen. Dies spüren Autohersteller wie VW, BMW und Mercedes. Bei VW ist der Gewinn im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen, bei Audi ging er im ersten Halbjahr ebenfalls um mehr als ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro zurück. (mit dpa)
Hinweis: Dieser Text ist bereits am 28.07.2025 erschienen – direkt nach der Einigung zwischen EU und USA.
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