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Koffein-Kick: Wie gefährlich sind Enerydrinks?

Koffein-Kick

Wie gefährlich sind Enerydrinks?

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    Die Auswahl ist riesig, der Inhalt oft ähnlich - und gefährlich? Energydrinks sollen den Konsumenten wach halten, doch es gibt Warnungen.
    Die Auswahl ist riesig, der Inhalt oft ähnlich - und gefährlich? Energydrinks sollen den Konsumenten wach halten, doch es gibt Warnungen. Foto:  Sebastian Kahnert (dpa)

    Der Kick kommt aus der Dose. Mit knalligen Namen wie "Monster", "Rockstar" oder "Big Pump" wirbt die Industrie für Energydrinks. Das Motto: Dose auf, Leistungsturbo an. Die brauseähnlichen Getränke in den bunten Dosen enthalten eine Menge Koffein. Der Geschmack ist durch viel Forschung dem der vorzugsweise jungen Kundschaft angepasst worden. Die Werbung ist ebenfalls auf die Klientel zwischen 16 und 35 zugeschnitten.

    So setzt die Industrie auf Produktplatzierungen abseits des Mainstreams, um bei den Jugendlichen möglichst cool zu wirken. Skateboarder werben genauso  für die süßen Drinks wie Athleten der rasant wachsenden "E-Sport"-Szene. Auf Partys werden die Energydrinks dann oft mit hartem Alkohol gemixt - "Wodka-Bull" ist seit vielen Jahren eine feste Größe an den Theken der Nachtklubs.  

    Doch der von der Industrie oft angegebene harmlose Leistungsschub aus der Dose ist wohl weit weniger harmlos als gemeinhin angenommen. Koffein kommt in Kaffee- und Kakaobohnen sowie in Teeblättern vor und wird wegen seiner anregenden Wirkung seit Jahrhunderten von Menschen verzehrt. Energydrinks wird es künstlich zugesetzt. Koffein stimuliert das Herzkreislauf- und das zentrale Nervensystem. Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa stellen bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis kein gesundheitliches Risiko für Erwachsene dar. Mit drei herkömmlichen 250-Milliliter-Dosen Energydrink werden allerdings bereits 240 Milligramm Koffein aufgenommen, was gesundheitliche Risiken birgt. Über den Tag verteilt können gesunde Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein vertragen.

    Ist in den Energydrinks zu viel Koffein?

    Nach einer Ende Mai veröffentlichten Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa trinken bereits 68 Prozent der Teenager in der EU Energydrinks. Jeder Vierte von ihnen überschreitet mit drei und mehr Dosen hintereinander die als unbedenklich eingestufte Menge Koffein. Für Kinder schlägt die Efsa ein Sicherheitsniveau von drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag vor.  Bei 40 Kilogramm Körpergewicht wären das 120 Milligramm Koffein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht zudem gesundheitliche Risiken, wenn Energydrinks in größeren Mengen insbesondere in Zusammenhang mit Alkohol getrunken werden. Nach einer BfR-Umfrage trinken Besucher von Discos, Musik- und Sportevents sowie Lan-Partys erhebliche Mengen von Energydrinks. Durchschnittlich waren es in Clubs ein Liter gemischt mit Alkohol. In Einzelfällen waren es bis zu fünf Liter innerhalb von 24 Stunden.

    Die Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch" fordert nun ein Abgabeverbot der Trendgetränke an Minderjährige. Die Energiebrausen stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Nierenversagen und sogar Todesfälle zu verursachen. Kleine hochdosierte, Sirup-artige"Energy-Shots", sollen komplett verboten werden.

    Die Hersteller der Energydrinks sehen sich zu Unrecht verurteilt

    Das sind Energydrinks

    Neben Wasser und Koffein sind in Energydrinks vor allem Zucker, Kohlensäure, Geschmacksverstärker und Taurin enthalten.

    Der Hauptwirkstoff in Energydrinks ist Koffein. Eigentlich ist es ein tödliches Nervengift. In geringen Dosierungenführt es bei Menschen zu gesteigerter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit.

    Als erster Energydrink gilt Red Bull, das ursprünglich in Thailand unter dem Namen "Krating Daeng" erfunden wurde. Der Österreicher Dietrich Mateschitz kaufte das Patent in den 80er-Jahren und begann es unter "Red Bull" in Österreich zu vermarkten.

    Über die Auswirkungen des hohen Koffein- und Zuckergehalts wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. So sollen diese gerade in Verbindung mit Alkohol für Kreislaufprobleme verantwortlich sein.

    Die Hersteller von Energydrinks setzen vermehrt auf Werbung in Trendsportarten und anderen Szenen abseits des Mainstreams.

    Doch die Hersteller sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Schließlich enthalte eine herkömmliche 250-Milliliter-Dose nicht mehr Koffein als eine Tasse Filterkaffee. Die Forderungen hält die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränkehersteller in einem Statement für "absolut unverhältnismäßig". Und sie bekommt Schützenhilfe vom Bundesernährungsminister Christian Schmidt. Der CSU-Politiker hält nicht viel von restriktiverer Abgabe. Er setzt auf Aufklärung: "Verbote laufen hier ins Leere. Wir müssen stattdessen das Bewusstsein schärfen. Nachhaltige Erfolge erzielen wir durch Aufklärung und Bildung." Geplant sei unter anderem Material für den Schulunterricht.

    Doch Experten warnen schon vor neuen Wegen der Industrie, der Jugend das Koffein schmackhaft zu machen. Der Göttinger Kinderkardiologe Martin Hulpke-Wette hält den Kurs der Bundesregierung für unverantwortlich. Ein Verbot sei schon deshalb notwendig, weil die Folgen des chronischen, hochdosierten Konsums von Energydrinks im Jugendalter noch gar nicht wissenschaftlich untersucht seien, sagt der Mediziner. Mindestens 700 000 Kinder in Deutschland leiden dem Arzt zufolge unter Bluthochdruck, die meisten wüssten davon gar nichts. Hulpke-Wette betreut selbst einen jungen Bluthochdruck-Patienten, dem es wesentlich besser geht, seit er keine Energydrinks mehr anrührt. Inzwischen gibt es sogar "Energy Sweets", koffeinhaltige Fruchtgummis in Form von Dosen. "Das ist für mich die Perversion schlechthin. Immer jüngere Kinder sollen damit angefüttert werden", kritisiert Hulpke-Wette.  mit dpa

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