Landgrafen und Freiherren hoch zu Pferde und grölende Ritter in schweren Rüstungen kämpfen im von Rauchschwaden verhangenen Thierhaupter Wald um das sogenannte "Würzburger Fähnlein". Doch das Mittelalter ist nur kurz nach Thierhaupten eingezogen: Von Claus Braun



Thierhaupten. Landgrafen und Freiherren hoch zu Pferde und grölende Ritter in schweren Rüstungen kämpfen im von Rauchschwaden verhangenen Thierhaupter Wald um das sogenannte "Würzburger Fähnlein". Doch das Mittelalter ist nur kurz nach Thierhaupten eingezogen: Grund für das Spektakel waren Filmaufnahmen.
Der Bayerische Rundfunk gab die Dreharbeiten für die Serie "Das Bayerische Jahrtausend" in Auftrag. Die Münchner Produktionsgesellschaft "Bilderfest GmbH" erzählt anhand von zehn Episoden zu jeweils 45 Minuten die bayerische Geschichte. Die Filmemacher wollen die Geschichte des Landes auf eine neue Art dokumentieren: zehn Jahrhunderte, zehn Städte, zehn Leitbegriffe.
Seit dem 21. Juli geht Udo Wachtveitl, der als Hauptkommissar Franz Leitmayr in der ARD-Kriminalreihe "Tatort" schauspielerisch agiert, als Presenter der Serie in Bamberg, Würzburg, Regensburg, Straubing, Nürnberg, Augsburg, Ingolstadt, Erlangen, Fürth und München für das Geschichtsfernsehen des BR auf Spurensuche.
Für die sogenannten Roadmovie- und Dokumentationssequenzen, also den Dokumentarteil mit Erzähler, wird in den Städten selbst gedreht. Die aufwendig gestalteten Spielszenen werden an deutschlandweiten Drehorten und auch an internationalen Schauplätzen wie in Frankreich oder Venedig an voraussichtlich 40 Drehtagen inszeniert.
Die Orte bilden die Kulisse für die Einspielungen während des Erzählteils. Am vergangenen Wochenende hat sich ein Filmemacherteam auf dem landwirtschaftlichen Anwesen der Familie Sturm im Ortsteil Weiden breitgemacht. Hier haben die "Herzog-Tassilo-Ritter", ein Club von Mittelalterfans, ihre Heimat und den Unterstand vieler ihrer prächtigen Pferde.
Oliver Lauterbach, der Vorsitzende der "Tassilo-Ritter", hat auf die Ausschreibung der Filmemacher reagiert, das Können seiner Mannschaft präsentiert und wurde engagiert. Zum Job gehört auch viel Geduld - vor allem beim Anlegen der Rüstungen. Kostümbildnerin Claudia Ulrich achtete penibel darauf, dass alle Kleinigkeiten stimmten. Nachdem die Mitwirkenden "kampfbereit" waren, bewegte sich der gesamte Tross von rund 70 Personen in den Forst zwischen Thierhaupten und Pichl, wo auf einer Lichtung die Dreharbeiten begannen. Die Spielzeit stellte den Zeitraum zwischen 1126 bis 1159 dar, wo sich erbitterte Schlachten ereigneten. Speziell die Schlacht um das "Würzburger Fähnlein", die um das Jahr 1122 stattgefunden haben soll, stand hier im Mittelpunkt.
Das Kamerateam um Hannes Kaltenhauser leistete über Stunden Schwerstarbeit, um die Vorstellungen von Regisseurin Gabriele Rose umzusetzen: Einzelaufstellung der kampfbereiten Soldaten mit ernsten, entschlossenen Blicken war ebenso gefragt, wie ein Sturmangriff auf die feindlichen Truppen.
Mit Spaß dabei
Sichtlich Spaß hatten die Darsteller an den Einzelkämpfen mit Schild und Schwert. Spektakulär waren außerdem die Szenen, die die berittenen Landgrafen und Freiherren mit ihren prächtigen Pferden boten.
Um trotz Sonnenschein und warmen Temperaturen eine akzeptabel düstere Atmosphäre zu erzeugen, griffen die Filmemacher zu Tricks: Zwei Assistenten waren damit beschäftigt, in großen Pfannen künstlichen Nebel zu erzeugen. Das soll nicht zulasten der Umwelt gehen: "Wir verwenden ökologisch verträgliches Bio-Nebelpulver", versicherten die Assistenten.
Erst spät geht das Licht aus
Nach einem langen Drehtag ging kurz vor Einbruch der Dunkelheit das rote Licht an den Kameras dann aus. Diesen anstrengenden Tag haben die meisten sowieso nur durchgestanden, da beim tags zuvor aufgezeichneten Bankett und Festmahl auf dem Anwesen der Familie Sturm in Weiden deftige Schweinshaxen kredenzt wurden. Von Claus Braun
Ausgestrahlt wird die Dokumentationsserie "Das Bayerische Jahrtausend" voraussichtlich im Herbst 2011 im Bayerischen Fernsehen.
|
|
Artikel kommentieren