Für die Zuhörer war der zehnte Verhandlungstag im Mordprozess gestern alles andere als ergiebig. Er dauerte nur wenige Minuten und die halbe Zeit war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. So entging den Prozessbeobachtern eine offenbar rührende Szene, von der die Verteidiger nach der Verhandlung erzählten: die Begegnung zwischen dem Angeklagten und seiner Tochter. Wie mehrfach berichtet, muss sich der 47-jährige Aichacher seit November vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Augsburg wegen Mordes verantworten.
Dem italienischen Staatsbürger wird vorgeworfen, im März seine Ehefrau in einem Mehrfamilienhaus in Aichach mit 79 Messerstichen getötet zu haben. Nach wie vor geht es um die Frage, ob es Mord oder Totschlag war. Der Angeklagte schwieg auch am zehnten Verhandlungstag.
Gericht schließt Öffentlichkeit für Zeugenaussage aus
Zu diesem hatte die Kammer unter Vorsitz von Richter Christoph Wiesner die jüngere Tochter des Angeklagten und der Toten geladen. Um die psychische Belastung für die 15-Jährige so gering wie möglich zu halten, schloss das Gericht die Öffentlichkeit für die Zeugenaussage aus. Doch wie Staatsanwalt Hans-Peter Dischinger nach Verhandlungsende erklärte, machte die Tochter keinerlei Angaben. Nach Auskunft der Verteidiger Felix Dimpfl und Dr. Thorsten Junker bat sie das Gericht jedoch um Erlaubnis, ihren Vater umarmen zu dürfen. Das Gericht stimmte zu und so kam es laut Dimpfl zu einer sehr innigen Liebesbekundung. Wie berichtet, waren die 15-Jährige und ihr elfjähriger Bruder bei der Tat mit in der Wohnung. Die 19-jährige Tochter war nicht anwesend. Sie hatte vor Gericht bereits im November die Aussage verweigert.
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