Aichach-Friedberg Ab heute ist nicht nur in Sachen Fasching „Schluss mit lustig“, auch der Speise- und Getränkeplan sollte in der Fastenzeit etwas bescheidener ausfallen als sonst. 40 Tage lang, bis zum Ende der Karwoche, sind die Christen zum Fasten aufgerufen. Damit einher geht eine Zeit der inneren Einkehr und Buße. Gerade diese wird nach Ansicht vieler Geistlicher häufig missachtet. Wir haben uns bei fünf bekannten Personen aus der Region umgehört, wie sie es mit der Fastenzeit halten.
Franz Achter Der Gauschützenmeister beteuert, dass er das ganze Jahr über sehr bescheiden lebe und es auch in der Fastenzeit so halte. Er trinke nicht übermäßig viel Alkohol und esse nur sehr wenig Süßigkeiten. Völlig auf diese „Luxusgüter“ verzichten will Achter aber nicht. Das hat auch einen ganz konkreten Grund. Der Polizist fährt in der Fastenzeit nämlich stets eine Woche in den Urlaub an die Nordsee. Dort sei es mit dem Verzicht nicht so einfach. „Ich sehe auch nicht ein, dass ich ausgerechnet dann mit Gewalt nur Wasser trinken soll“, betont Achter. Da sei er lieber später wieder abstinent. Streng eingehalten habe er die Fastenzeit ohnehin noch nie. Als er noch im Schichtdienst gearbeitet hat, wäre das gar nicht gegangen: „Da braucht der Körper Energie. Wenn du bloß Wasser trinkst, bist du irgendwann leer.“
Marianne Breitsameter Die umtriebige Mitarbeiterin der Aichacher Stadtverwaltung ist ein bekennender Faschingsfan. Aber auch eine Anhängerin der strengen Fastenzeit. „Ab heute wird’s kritisch. Da gibt’s Fisch und dann wird auf Alkohol, Süßes und vor allem auf Kuchen – meine Schwäche – verzichtet“, rechnet sie vor. Breitsameter findet, dass die paar Wochen Fastenzeit durchaus auszuhalten seien. Auch in ihrem Bekanntenkreis nutzten viele die Karwoche, etwas bewusster zu leben. Ganz konkret heißt das für Breitsameter: Wieder ein bisschen von den Pfunden runterkommen, die an Weihnachten und in der Faschingszeit angesammelt wurden. Das beinhaltet auch mehr Bewegung, insbesondere mehr Ausflüge ins Freie.
Conny Höß Der Vorsitzende des Fußball-Landesligisten FC Pipinsried sieht keinen Grund zum Fasten. Er faste sozusagen das ganze Jahr, sagt der 70-Jährige. „Ich bin leicht zu haben und leicht zu füttern“, erklärt Höß. Er isst nach eigenen Angaben sehr viel Obst und in der Wirtschaft immer nur das kleine Schnitzel, also den Seniorenteller. Auch Alkohol genießt er nicht im Übermaß, ein Gläschen Bier zur Brotzeit muss aber schon ab und zu sein – selbst in der Fastenzeit. Höß’ Frau Kathi, die gute Seele des FC Pipinsried, ist nach Angaben ihres Mannes zwar molliger als er und vertrage auch größere Portionen, dennoch findet Höß, dass auch sie auf nichts verzichten sollte.
Gertraud Erhard Die stellvertretende Kreisbäurin aus Arnhofen (Gemeinde Aindling) ist für ihre Kochkünste bekannt und sammelt seit 20 Jahren Rezepte. Sie versucht in der Fastenzeit zwar, weniger Schokolade zu essen, streng abstinent werden sie und ihre Familie aber nur am heutigen Aschermittwoch und am Karfreitag sein. Ihre zwei Töchter und ihr Sohn seien ohnehin sehr schlank, sie müssten nicht bewusst fasten, erzählt Erhard. Heute gibt’s beispielsweise Forellen aus dem Weiher des Nachbarn. Und jeden Freitag statt Fleisch eine Mehlspeise – so wie es auf dem Land vielerorts Tradition ist.
Christoph Lang Der Leiter des Aichacher Stadtmuseums will es zumindest versuchen, die Fastenzeit einzuhalten und auf Alkohol und Fleisch zu verzichten. „Ob ich es schaffe, weiß ich allerdings noch nicht.“ Der Sonntag sei ohnehin außen vor, da dürfe man sich was gönnen. Problem sei die Willensschwäche, die vor allem am Donnerstagabend nach der Kirchenprobe und bei Geburtstagen auftrete. Außerdem will Lang in der Fastenzeit früher zu arbeiten beginnen, damit seine Familie – seine Buben sind fünf Jahre und elf Monate alt – am Abend mehr von ihm hat. Die Erfolgsaussichten? Zumindest am Anfang könnte es klappen, glaubt der Stadtarchivar.