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Landwirtschaft: Biogas-Boom mit Schattenseite

Landwirtschaft

Biogas-Boom mit Schattenseite

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    Ab in den Tank: Erhard Schwarz vor seiner Biogasanlage in Affaltern. Dort wird auch Mais vergoren, mit dem Gas werden Strom und bald auch Wärme erzeugt.
    Ab in den Tank: Erhard Schwarz vor seiner Biogasanlage in Affaltern. Dort wird auch Mais vergoren, mit dem Gas werden Strom und bald auch Wärme erzeugt.

    Affaltern/Landkreis Augsburg Bei Bauer Schwarz brummt das Geschäft. Im Wortsinn: 24 Stunden am Tag läuft der umgebaute MAN-Schiffsdiesel. Angetrieben von Methangas, erzeugt der Motor via Generator mehr Strom, als das 550-Seelen-Dorf Affaltern (Gemeinde Biberbach) im Schnitt verbraucht. Demnächst wird Erhard Schwarz noch Wärme für bis zu 50 Haushalte in einem nahen Neubaugebiet liefern. Der Einstieg in das Geschäft mit Biogas – für Erhard Schwarz (48) und seine Familie hat er sich rentiert: „Das ist eine sichere Sache.“

    So sehen das immer mehr der knapp 1700 Bauern im Augsburger Land. An die 50 Biogasanlagen – meist von Landwirten betrieben – sind mittlerweile am Netz, ein Dutzend weiterer im Bau. Gras, Gülle, Mais, Getreide, Mist werden dort in Energie umgewandelt, die gesetzlich garantierten Entgelte für die Stromerzeugung machen das Geschäft gut kalkulierbar. Doch der Biogas-Boom hat auch eine Schattenseite. Er ist eine der Ursachen dass die Pachten für Felder und Wiesen steigen, weil „Energiebauern“ und herkömmliche Landwirte um die knapper werdenden Flächen rangeln.

    „Klar, das ist ein Kampf,“ bestätigt Erhard Schwarz. Der Hunger seiner Anlage nach vergärbarem Material ist enorm. 19 Tonnen, fast einen Lastzug voll, braucht sie am Tag. Alles, was die Familie Schwarz auf ihren Feldern anbaut, wird zu Biogas. Weil die ursprünglich 130 Hektar nicht ausreichten, wurde der Hof durch Zupacht um 40 Hektar vergrößert. Gewinner dieser Entwicklung seien unter anderem ehemalige Landwirte, die ihre Felder nun besser verpachten können, sagt Erhard Schwarz.

    Während die Verkaufspreise von Flächen noch dahin dümpeln (siehe grauer Kasten), registriert der Bayerische Bauernverband in Augsburg einen Anstieg der Pachtpreise. Auch weniger attraktive Flächen seien nun gefragt, sagt der für Augsburg Stadt und Land zuständige Geschäftsführer Franz Baumer. Er bestätigt, dass in der Bauernschaft die Energiebauern für diese Entwicklung verantwortlich gemacht werden, sagt aber: „Diese Schuldzuweisung können wir nicht bestätigen.“ Der Vorwurf treffe nur in Einzelfällen zu.

    Von Konkurrenten aus Pachtverhältnissen gedrängt

    Zwischen 250 und 400 Euro Pacht pro Hektar und Jahr sind laut Gerhard Ringler im Landkreis fällig. Nur für Sonderkulturen wie Spargel oder Erdbeeren geeignete Felder erzielen deutlich höhere Preise. Der Kreisobmann des Bauernverbandes spricht von einer teilweisen „Flächenknappheit“, die sich vor allem im Norden des Landkreises bemerkbar mache. Die Folgen beschreibt Ringler mit einem Wort: „ungut“. So komme es vor, dass einzelne Bauern von Konkurrenten aus langjährigen Pachtverhältnissen gedrängt würden. Den Betroffenen fehlen auf einmal Erträge oder sie müssen mehr für die Pacht ausgeben, als ursprünglich kalkuliert.

    Die „Energiebauern“, zu denen auch Ringler zählt, seien aber nur ein Faktor. Einzelne Betriebe, sagt der Kreisobmann, suchten durch starkes Wachstum ihre Existenz zu sichern – egal ob sie nun Mais für die Energiegewinnung oder ganz herkömmlich Getreide für die Nahrungsmittelherstellung anbauen.

    Mehr zu schaffen als die interne Konkurrenz macht den Bauern laut Ringler, dass Wiesen und Felder für ganz andere Projekte dran gegeben und so allmählich zum knappen Gut werden. Acker wird zu Bauland, zum Gewerbegebiet, zur Straße oder als „Ausgleichsfläche“ für ein Projekt hergenommen, bei dem andernorts die Natur dem Beton weichen muss.

    Täglich verlieren Bayerns Bauern nach Angaben ihres Verbandes so eine Fläche, die über 20 Fußballfelder entspricht. Der Verband hat mittlerweile eine Unterschriftenaktion gegen diesen „Flächenfraß“ gestartet. Doch so lange sich genügend Bauern finden, die gerne verkaufen, wird das vermutlich wenig nützen.

    Auch Erhard Schwarz und seine Familie trafen eine Zukunftsentscheidung, als sie auf die Biogasanlage setzten und aus der Produktion für den Nahrungsmittelmarkt ausstiegen. Sie folgten damit Empfehlungen, wie sie beispielsweise Bauernverbands-Funktionär Franz Kustner ausspricht: „Bei den derzeit schlechten Erzeugerpreisen sind wir fast schon gezwungen, zur Einkommensstabilisierung Alternativen im Bereich der Erneuerbaren Energien zu nutzen.“

    Bauer Schwarz hat diesen Schritt jedenfalls nicht bereut. Für ihn bedeute er kalkulierbare Einnahmen und weniger Plackerei. Dafür hat die Familie 1,5 Millionen Euro investiert. Wo heute Silos sechs Meter unter die Erde reichen und ein großer grüner Gastank steht, da war, so erzählt Erhard Schwarz, „vor einem Jahr noch ein Acker“. "Tagesgespräch

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