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Kommunalpolitik: Das Gersthofer Duell

Kommunalpolitik

Das Gersthofer Duell

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    So sehen die Narren den Konflikt: Jürgen Schantin (links) tritt zum Duell gegen Siegfried Deffner an.
    So sehen die Narren den Konflikt: Jürgen Schantin (links) tritt zum Duell gegen Siegfried Deffner an. Foto: Marcus Merk

    Im Gersthofer Fasching spielt die Fehde zwischen Bürgermeister Jürgen Schantin (CSU) und seinem Vorgänger Siegfried Deffner eine Hauptrolle. Dabei ist im echten Leben längst Schluss mit lustig. So sehr, dass Rathauschef Schantin um ein Haar die Faschingssitzungen der Kol-La boykottiert hätte, bei denen die heimische Politik stets derbleckt wird. Schantin kam doch und war nach eigener Aussage angetan von der närrischen Version seines Duells mit seinem politischen Ziehvater Deffner. „Ich hätte Schlimmeres erwartet.“

    Die Realität sieht anders aus. In der gerät Schantin zunehmend in die Defensive, muss sich von verschiedenen Seiten Kritik an seiner Amtsführung gefallen lassen. Fast stets gibt es eine Verbindung zwischen den Kritikern und Schantins Vorgänger Deffner. Dieser wirft seinem Nachfolger schon länger vor, in der Auseinandersetzung um den Umbau der Innenstadt in einigen Punkten „schlicht und einfach gelogen“ zu haben. Vor Kurzem setzte Deffner noch eins drauf und warf der Frau des Bürgermeisters vor, Unwahrheiten über ihn zu verbreiten.

    Schantin weist sämtliche Vorwürfe zurück und will über seine Auseinandersetzungen mit Deffner nicht mehr viele Worte verlieren. Nur so viel: „Die Situation belastet mich.“

    Gersthofens Konto quillt fast über

    Dabei hätte alles so schön sein können für den 50-Jährigen, der dank massiver Schützenhilfe von Deffner 2008 ins Amt gewählt wurde. Gersthofens Konto quillt mit einem Guthaben von fast 45 Millionen Euro schier über, im Stadtzentrum will der Dasinger Unternehmer Peter Pletschacher Millionen in ein neues Einkaufszentrum investieren. Auch der bisherige Platzhirsch im Einzelhandel, das City-Center, will investieren und erweitern.

    Doch genau an diesen Plänen zur Umgestaltung der Innenstadt droht Schantin zu scheitern. Als denen die aus den 1920er-Jahren stammende Strasser-Villa zum Opfer zu fallen drohte, setzte sich Deffner im vergangenen Mai an die Spitze einer Bürgerinitiative.

    Im Stadtrat zeichnet sich eine Lösung ab

    Mittlerweile sind die Pläne vom Tisch. Im Stadtrat zeichnet sich jetzt eine Lösung ab, die Deffner im Namen der Bürgerinitiative als „zu 100 Prozent auf unserer Linie“ bezeichnet. Durchgesetzt hat diese Linie, die dem neuen Einkaufszentrum Forum weniger Geschäfte und dafür auch Wohnungen bescheren würde, die CSU-Fraktion, in die der alte Bürgermeister nach wie vor beste Verbindungen hat.

    Schantin muss nun über eine Lösung verhandeln, die er nicht für ideal hält. Für den Bürgermeister wird das ein schwerer Gang, zumal Investor Peter Pletschacher inzwischen vergrätzt ist. Er stand bislang allen Vorstellungen und Volten der städtischen Politik aufgeschlossen gegenüber, die jüngste Entwicklung aber geht ihm zu weit. „Dieses Zentrumsplanungskonzept gefährdet, um es klar zu sagen, eine rasche neue Gestaltung der neuen Mitte Gersthofens,“ so Pletschacher.

    Schantin glaubt dennoch an einen Erfolg: „Politik besteht aus Kompromissen. Auch der Investor muss sich bewegen.“ Der Rathauschef sagt aber auch: „Bestimmte Leute verbinden mein politisches Schicksal mit dem Forum“. Zu gut deutsch: Klafft im Wahljahr 2014 weiter ein riesiges Loch in der Stadtmitte, hat der Bürgermeister ein dickes Problem. Eine öffentliche Prognose, wann es denn mit dem Bau los geht, vermeidet der Bür-germeister inzwischen. Schantins Verhandlungsspielraum ist gering. Denn er hat nach wie vor Deffner und die Bürgerinitiative im Nacken. Das nächste Konfliktfeld könnte die Verkehrsberuhigung der Bahnhofstraße sein, die eng mit dem Umbau der Stadtmitte zusammenhängt.

    Deffner ist mit seinem Nachfolger per du

    Sei das noch in seinem Sinne geregelt, werde er sich wieder aus der Kommunalpolitik zurückziehen, so Deffner: „Damit ist mein Comeback dann beendet.“ Die kommunalpolitische Karriere seines Nachfolgers, mit dem er weiter per du ist, könnte es dann auch sein – aber das ficht Deffner nicht an. „Ich habe ihm die Freundschaft aufgekündigt.“ Immerhin – in einem Punkt sind sich beide einig. Die Kol-La 2012 war beste Unterhaltung, besonders der Teil, in dem Jürgen Schantin und Siegfried Deffner sich zum Duell treffen.

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