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Augsburg: Flughafen: Klare Fronten im Streit um Fluglärm

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Flughafen: Klare Fronten im Streit um Fluglärm

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    ie Chancen der Fluglärmgegner, die Ansiedlung von Heli Aviation zu stoppen, scheinen gering. Der Flugbetrieb läuft ohnehin schon jetzt zu 90 Prozent.
    ie Chancen der Fluglärmgegner, die Ansiedlung von Heli Aviation zu stoppen, scheinen gering. Der Flugbetrieb läuft ohnehin schon jetzt zu 90 Prozent. Foto: dpa

    Die Fronten zwischen den Fluglärmgegnern und der Stadt Augsburg als Flughafenbetreiber bleiben verhärtet. Viereinhalb Stunden diskutierten beide Seiten am Dienstagabend vor gut 300 Zuhörern über die Ansiedlungspläne der Hubschrauber-Unternehmen Heli Aviation und Eurocopter – ohne Annäherung. Wir klären die wichtigsten Fragen.

    Was ist geplant? Seit April ist das Hubschrauberunternehmen Heli Aviation als Mieter am Flughafen. Bis kommendes Jahr möchte die Firma einen eigenen Hangar mit Verwaltungsgebäude bauen. Heli Aviation ist vor allem in der Schulung von Piloten tätig, fliegt beispielsweise aber auch für Filmaufnahmen oder Rundflüge.

    Heli Aviation will einen Hangar für 18 Maschinen bauen. Vier Plätze sind für Schulungshelikopter gedacht. Zudem sollen vier Hubschrauber zur Wartung da sein und zwei für den Außendienst. Hinzu kommen acht Hubschrauber von Eurocopter. Der Hersteller will für fünf Jahre vorübergehend seine Wartung von zivilen Maschinen von Donauwörth nach Augsburg verlagern. Eurocopter bringt vorübergehend 60 Arbeitsplätze, Heli Aviation verspricht dauerhaft um die 40.

    Ist das  rechtlich möglich? Es scheint so zu sein. Es gibt einen Planfeststellungsbeschluss von 2002, der den Flughafenausbau regelt. Damals ging es vor allem um Linienbetrieb von Flugzeugen. Hubschrauber spielten in den Überlegungen keine große Rolle, sind aber nicht ausgenommen. Laut diesem Planfeststellungsbeschluss ist auch die Ansiedlung von Luftfahrt-Firmen möglich.

    Das Luftamt-Süd als Genehmigungsbehörde des Freistaats hat in mehreren aktuellen Schreiben deutlich gemacht, dass aus seiner Sicht wegen Heli Aviation keine Änderung der Genehmigung nötig ist. Eine Obergrenze für Flüge ist im Planfeststellungsbeschluss nicht festgeschrieben. Die Fluglärmgegner wollen prüfen, ob mit Heli Aviation nicht doch dem Planfeststellungsbeschluss widersprochen wird. Sie haben einen Anwalt engagiert.

    Was fürchten die Anwohner? Nachbarn des Flughafens, vor allem aus Affing, Derching, Dickelsmoor, Gersthofen und Augsburg (Firnhaberau/Hammerschmiede) fürchten zusätzlichen Hubschrauberlärm. „Ein Flugzeug startet und ist weg. Beim Hubschrauber ist das anders“, so die Klage. Hintergrund sind die Schulungsflüge, die Heli Aviation rund um den Flughafen durchführen wird und die dort während des ganzen Flugs Lärm erzeugen.

    Erlaubt sind die Flüge auf zwei Platzrunden auf dem Areal südlich der Landebahn (siehe Grafik). Zusätzlich gibt es im Ostbereich ein Feld, auf dem Hubschrauber den besonders lauten Schwebeflug üben dürfen. „Davor haben wir Angst“, so die Anwohner. Zudem würden Hubschrauber schon jetzt immer wieder von den erlaubten Routen abweichen. Wirtschaftsreferentin Eva Weber (CSU) sagt, dass es künftig nicht viel lauter werde. Schon jetzt fliege Heli Aviation 90 Prozent der Flüge, die das Unternehmen später durchführen will.

    Wie laut wird’s? Es gibt Lärmprognosen, die besagen, dass die Grenzwerte auch künftig eingehalten werden. Doch dass es mit Hubschraubern lauter ist als ohne, ist klar. Seit April habe der Lärm zugenommen, klagen die Anwohner.

    Die Firma Accon berechnet im Auftrag des Luftamtes jährlich die Lärmwerte, denen Flughafenanwohner ausgesetzt sind. Hintergrund: Im Planfeststellungsbeschluss ist festgesetzt, dass den Anwohnern ab bestimmten Werten Lärmschutzfenster zustehen würden. Bisher wurden diese Werte aber nicht erreicht, weil der Verkehr am Flughafen deutlich hinter den Prognosen zurückbleibt. So lag die Prognose für 2010 insgesamt bei 73 580 Flugbewegungen pro Jahr, faktisch waren es nur 47 000.

    Wie verlässlich ist das? Wenn man für eine Belästigung einen Wert von 55 Dezibel annehme, werde dieser in bewohntem Gebiet nicht einmal erreicht, wenn man die 1800 Flugbewegungen von Heli Aviation sicherheitshalber mal vier nehme, so Markus Petz von Accon. Geht man von Werten wie 50 Dezibel oder weniger aus, würde es aber sehr wohl bewohntes Gebiet treffen. Ein Wert von 75 Dezibel entspricht einem Pkw, der an einer Straße nah an einem vorbeibraust.

    Zudem beziehen sich diese Zahlen auf Tagesmittelwerte. Während der tatsächlichen Flugstunden ist es deutlich lauter.

    Warum sind die Anwohner so sauer? Sie fühlen sich unzureichend informiert. „Uns sagt man erst was, wenn ohnehin schon alles entschieden ist“, so ein Vorwurf. Um die Gemütslage zu verstehen, muss man auch in die Vergangenheit blicken, als der Flughafenausbau nach jahrelangem Ringen genehmigt wurde. Es gab damals Klagen von Umlandgemeinden, doch vor Gericht hielten die Flughafenpläne. Die Flughafengesellschaft hatte angesichts der Streitigkeiten ihre Pläne abgespeckt, sattelte hinterher aber wieder drauf, etwa bei der Nutzung der Startabbruchstrecken. Flughafengegner sprechen von „Salamitaktik“.

    Wie geht es weiter? Die Flughafengegner wollen noch prüfen, was sie tun können, aber die Chancen scheinen nicht allzu gut zu stehen. Lediglich eine Baugenehmigung für den Hangar muss noch erteilt werden, doch die wird kommen, kündigt Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) an. Der entscheidende Vertrag zwischen Flughafen und Heli Aviation, der eine Laufzeit von 50 Jahren hat, wurde schon im Juli unterschrieben.

    Mit den Umlandbürgermeistern wolle man in Zukunft enger zusammenarbeiten und sie bei wichtigen Themen sofort ins Boot holen, kündigt Weber an.

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