Von Anna Klein
In der Schule habe man ihn früher oft gehänselt, erzählt Leo Wiedemann. „Du kommst doch vom Osterhasen“, musste sich der 52-Jährige damals immer mal wieder anhören. Seit seiner Geburt lebt Wiedemann im Weiler Osterkühbach, das sich westlich von Ustersbach an der B300 befindet. Heute ist er stolz darauf, ein original Osterkühbacher zu sein. Doch was hat denn der kleine Weiler nun wirklich mit dem anstehenden Osterfest zu tun? Hatten Wiedemanns Klassenkameraden recht mit ihrer Vermutung, dem Osterhasen?
Nicht von der heutigen Schreibweise herleiten
Es ist ein wolkenverhangener Nachmittag kurz vor Ostern, wie jeden Tag rauschen die Autos die B300 in Richtung Krumbach hinunter. Für viele ist der Weiler Osterkühbach bei der Durchfahrt nur ein lästiger Grund, die Geschwindigkeit zu drosseln. Denn am Ortseingang empfängt die Autofahrer des öfteren ein Blitzer.
Nur wenige widmen dagegen den drei Wohnhäusern abseits der Straße ihre Aufmerksamkeit. In einem davon wohnt Leo Wiedemann mit seiner Familie. „Mit Ostern hat unser Ort aber leider gar nichts zu tun“, bedauert Wiedemann. Und auch Kreisheimatpfleger Walter Pötzl bestätigt, dass Osterkühbach lediglich „das Kühbach des Ostens“ bedeutet. „Man darf Ortsnamen auf gar keinen Fall von der heutigen Schreibweise herleiten“, erklärt der Historiker.
Will man die Herkunft eines Ortsnamens herausfinden, müssten erst verschiedenste Belege zusammengesucht werden, beispielsweise Urkunden oder Kartenskizzen. Für den Landkreis Augsburg ist außerdem momentan ein historisches Ortsnamenbuch in Arbeit. Das Wort „Oster“ im Ortsnamen von Osterkühbach dient also lediglich als nähere geographische Bestimmung. Der Namensgeber Kühbach im Westen gehört zum Markt Dinkelscherben und geht zurück auf das kleine Bächlein, das zwischen den Orten hindurchfließt.
Auch wenn Osterkühbach nichts mit Ostern oder gar dem Osterhasen zu tun hat, gibt es dennoch einiges zu entdecken. 1295 wird Osterkühbach erstmals urkundlich erwähnt. Bis Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 besteht es weiterhin aus einem einzigen Hof, erst später entstehen die anderen Höfe.
Ein besonderes Bauwerk befindet sich heute noch in der Mitte Osterkühbachs: die kleine katholische Kapelle. Geweiht ist das Gebäude den 14 Nothelfern, die auch auf den Votivtafeln im Inneren zu sehen sind. Bis vor Kurzem verfügte der Weiler noch über zwei stattliche Bauernhäuser, die vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammen, aber jüngst abgerissen werden mussten.
Heute hat Osterkühbach 14 Einwohner. Die B300, die direkt durch den Ort hindurchführt, empfinden die meisten jedoch nicht als Störung. „Diese Anbindung ist doch toll, wir haben dadurch immerhin eine Buslinie und einen Radweg vor der Haustür“, findet auch Leo Wiedemann.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt Erika Schenk mit ihrer Familie. Sie sind aus einem ganz speziellen Grund nach Osterkühbach gezogen: Der Vater leidet an Leukämie und benötigte bisher ein zusätzliches Beatmungsgerät. Seit die Schenks in Osterkühbach wohnen, braucht er dieses Gerät nicht mehr. „Die Luft hier ist sehr sauber, das ist eine große Erleichterung für uns“, schildert Erika Schenk die Erfahrung, die ihre Familie macht.
Ein eigener Kleintierzoo im Garten
Außerdem verpflegen die Schenks auf ihrem großen Grundstück einen wahren Kleintierzoo. Neben dem Papageien-Gehege grasen Shetland-Ponys, über den Rasen fegen zwei Zwerg-Collies und im Haus streunen elegante Savannah-Katzen umher. „Wir wohnen wahnsinnig gern hier“, sagt Schenk. Auch ihr zweijähriger Sohn Gabriel genießt den großen Abenteuerspielplatz vor seiner Haustür. „Nur einen Osterhasen haben wir leider nicht“, bedauert Schenk lachend.