Kutzenhausen-Agawang Flurbereinigungen verändern die Landschaft und verbessern die Bewirtschaftung von Flächen, ordnen Wasserläufe, Straßen und Wege neu. In Agawang wurde sie vor 50 Jahren, 1961 abgeschlossen. Bei einem Hoigarta des Heimatgeschichtlichen Vereins erinnerten sich zahlreiche Zeitzeugen an diese Epoche der Dorfgeschichte.
Vorsitzender Gerhard Fritsch bezeichnete die Flurbereinigung als größte Gemeinschaftsleistung und Herausforderung, die von der Bevölkerung im 20. Jahrhundert in Hand- und Spanndiensten erbracht wurde. Josef Weser hat den gut besuchten Abend mit Unterlagen aus dem Staatsarchiv Augsburg vorbereitet und Sebastian Kriener unterstützte ihn mit der technischen Aufbereitung von Dokumenten, Plänen und einigen Fotos. Ziel der Flurbereinigung in Agawang mit Unternefsried war es, die extreme Zerstückelung der Felder mit Zufahrten und Überfahrten für eine sinnvolle Bewirtschaftung neu zu ordnen.
In einem Stundenbüchlein war alles genau notiert
Der konkrete Beginn der fünf Jahre dauernden Aktion war aus den Akten nicht ersichtlich und wurde im Herbst 1956 vermutet. Bis zu 80 Personen, damals gab es noch Knechte und Mägde auf den Höfen, waren an einem Tag im Einsatz, um 20 bis 30 Wagenladungen mit selbst mitgebrachten Schaufeln zu be- und entladen. Der anzurechnende Lohn war von einer bis 4,50 Mark je Stunde nach Männer über und unter 18 Jahre, Frauen, Kinder, für den Handdienst sowie für Pferde, Ochsen oder Zugmaschinen mit Wagen im Spanndienst gestaffelt. Er minderte durch Gutschrift den Kostenanteil der eingebrachten Fläche je Anwesen. Wegebaumeister Lorenz Zott hat sie in drei Stundenbüchlein notiert, die sein Enkel Hermann zur Versammlung mitbrachte.
Einziges technisches Hilfsmittel waren eine von der Teilnehmergemeinschaft gekaufte Deutz Raupe mit 60 PS und eine 6-t-Walze. Die Walze hatte Leonhard Donderer und den Schieber Ulrich Fritsch gefahren. An Arbeitstagen waren sie oft über zwölf Stunden im Einsatz, um das Gelände zu modellieren und zu festigen, wie am „Bucher Berg“. Auf ihn ist Ulrich Fritsch heute noch stolz und erzählt: „Über zwei Wochen haben ein zweiter Raupenfahrer und ich Erde bewegt, um extreme Steigungen abzubauen und Vertiefungen des vorherigen Hohlweges bis zu drei Meter aufzufüllen.“
Die Stimmung bei der Neueinteilung und Verteilung der Felder verlief nicht ganz konfliktfrei. An die damalige Meinung erinnerte sich Marianne Geh: „Gutes Feld hat man hergegeben und Schlechtes bekommen“. Nach Abzug der Gemeinschaftsflächen für Wasserläufe und Wege konnte jeder seinen Wunsch vorbringen, wo er das Feld haben möchte. Bereits vorher war die Bodenbeschaffenheit bewertet und auch die Entfernung zum Hof hatte Einfluss auf die Bonität und beeinflusste die Fläche, die man bekam. Annemarie Wiedemann