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Interview: „Überflüssig ist unser Verband noch lange nicht“

Interview

„Überflüssig ist unser Verband noch lange nicht“

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    Das gescheiterte Volksbegehen „Aus Liebe zum Wald“ gegen die bayerische Forstreform hat Paul Reisbacher bis heute nicht verwunden.
    Das gescheiterte Volksbegehen „Aus Liebe zum Wald“ gegen die bayerische Forstreform hat Paul Reisbacher bis heute nicht verwunden.

    Landkreis Augsburg Seit 1992 ist Paul Reisbacher das Gesicht des Bundes Naturschutz (BN) im Landkreis Augsburg. Als Kreisvorsitzender lenkte der heute 70-Jährige den Verband auf seine ganz eigene Weise, leise und unaufdringlich, aber beharrlich und vom Naturschutzgedanken zutiefst überzeugt. Am heutigen Dienstag will er bei der Jahreshauptversammlung der BN-Kreisgruppe Augsburg sein Amt in jüngere Hände legen.

    Herr Reisbacher, Sie wollen nach 20 Jahren tatsächlich aus dem Amt scheiden. Warum?

    Reisbacher: Nach dieser Zeitspanne sollte man sich überlegen, ob andere es besser können. Ich halte schon seit Jahren nach einem Nachfolger Ausschau, denn mir war bewusst, dass diese Suche länger dauern könnte. Schließlich ist der Vorsitz im Bund Naturschutz ein Ehrenamt, in dem man kein Geld verdient, sondern höchstens eine Aufwandsentschädigung bekommt.

    Dafür ist der Zeitaufwand, den man investieren muss, sicher sehr hoch. Warum haben Sie damals das Amt übernommen?

    Reisbacher: Es fand sich kein Nachfolger für meinen Vorgänger Dr. Rudolf Zinsmeister, und mir lag der Naturschutz sehr am Herzen. Da ich kein Fachmann bin, brauchte ich natürlich gute Berater, aber die haben sich immer gefunden, ob in den eigenen Reihen oder auch außerhalb.

    Sie haben den Vorsitz in einer Zeit übernommen, als die meisten Politiker beim Wort Mülltrennung noch einen Lachkrampf bekamen.

    Reisbacher: Ja, eine der ersten Aufgaben für mich war 1991 das Müll-Volksbegehren, an dem ich schon im Vorfeld aktiv beteiligt war. Wir haben damals zwar verloren, aber viele unserer Ideen wurden aufgenommen. Heute ist Mülltrennung eine Selbstverständlichkeit geworden.

    Was war für Sie in all den Jahren die größte Herausforderung?

    Reisbacher: Die immer wieder neu auftauchenden Probleme im Naturschutz, auf die man schnell eine Antwort finden muss. In letzter Zeit zum Beispiel die Windkraft.

    Diese Energieform wurde nicht von allen Naturschützern begrüßt.

    Reisbacher: Wir als Kreisgruppe sind Verfechter dieser erneuerbaren Energie. Die Naturschutzprobleme, die sich daraus zuweilen ergeben, lassen sich lösen.

    Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

    Reisbacher: Mich persönlich freut zum einen, dass die neuen Schulen im Landkreis nun als Energiespargebäude errichtet werden. Was vor einigen Jahren noch Probleme machte – ich denke da an die Schule in Dinkelscherben –, ist inzwischen über die Parteien hinweg Konsens. Zum anderen ist es die Wiederansiedlung des Bibers, denn er bringt viel Positives für die Landschaft, weil er für andere Tierarten neuen Lebensraum schafft.

    Und welcher Misserfolg macht Ihnen noch heute zu schaffen?

    Reisbacher: Ich bedaure, dass das Volksbegehren gegen die bayerische Forstreform im Jahre 2005 gescheitert ist. Langfristig bedeutet das meiner Ansicht nach nichts Gutes für den Wald.

    Wenn wir schon bei der Zukunft sind: Was ist für Sie die wichtigste Aufgabe in der nächsten Zeit?

    Reisbacher: Fukushima hat uns gezeigt, dass wir unsere Atomkraftwerke sofort abschalten und die Energiewende anpacken müssen. Im Landkreis bedeutet das zum Beispiel, die geplanten Energiewerke finanziell so auszustatten, dass sie wirklich was erreichen können. In den Gemeinden bedeutet das, die energetische Sanierung der Gebäude voranzutreiben, weitere Photovoltaikflächen vor allem auf den Dächern zu errichten und die Windkraft offensiver anzugehen, also nicht nur zu mauern, sondern das Positive daran zu sehen. Genauso dürfen wir die Zahl der Biogasanlagen nicht weiter ansteigen lassen, denn die „Ver-Maisung“ der Landschaft, also der ständig zunehmende Anbau von Mais, stört den Naturschutz nachhaltig.

    Was würden Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?

    Reisbacher: Mir war die gute Zusammenarbeit innerhalb unserer Organisation immer sehr wichtig. Man muss sich bewusst machen, dass der Bund Naturschutz ein ehrenamtlicher Verband ist und man die Leute motivieren muss. Man sollte ihnen das Gefühl geben, dass ihr Engagement gerne gesehen ist und noch lange Zeit benötigt wird. Denn überflüssig ist unser Verband noch lange nicht – leider.

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