Kutzenhausen/Ustersbach Hopfen, Braugerste, Wasser und Hefe: Das sind die Zutaten, in denen sowohl in Ustersbach bei der Privatbrauerei Schmid als auch im benachbarten Kutzenhausen bei Rapp Bier gemacht wird. Der Unterschied der beiden Unternehmen liegt, abgesehen vom Geschmack, vor allem in der Vermarktung, wie Landrat Martin Sailer jetzt bei einem Besuch in den beiden Betrieben erfuhr.
Früher, erzählt Georg Rapp senior, selbst seit stolzen 72 Jahren Braumeister, habe die heimische Bierlandschaft ganz anders ausgesehen. Dutzende Brauer gab es allein in Augsburg. Jetzt müsse sich jeder Hersteller mit seinem Produkt eine Nische suchen. So machen das auch die Hersteller im westlichen Landkreis Augsburg, zu denen die Brauerei Schimpfle in Gessertshausen und Schwarzbräu in Zusmarshausen gehören.
Direkt nach Hause
Rapp ist dabei das Bier, das direkt zu den Kunden nach Hause kommt. 200 blaue Lieferwagen gehören zum Unternehmen, mit je zwei Mann ist jeder Wagen besetzt. Die Flotte beliefert regelmäßig die unglaubliche Zahl von 250000 Haushalten, vor allem im Großraum Augsburg. Die Ziele der „Blauen“ liegen aber bis an den Chiemsee und Karlsruhe. Auch rund um Frankfurt ist ein Absatzschwerpunkt.
Auch durch die große Fahrzeugflotte spürt die Brauerei Rapp die ständig steigenden Energiekosten. Regelmäßig stellt das Unternehmen auf Fahrzeuge um, die weniger Sprit verbrauchen. Doch auch die Bierherstellung an sich kostet viel Energie. „Noch gelingt es uns aber, unsere Preise am Markt durchzusetzen“, so Georg Rapp junior, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Vater und seinem Cousin leitet. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Firma hilft, die Energiekosten zusätzlich zu drücken.
Hochmodern und schnell sind in Kutzenhausen unter anderem die Abfüllanlage und die Flaschenspülanlage. Außerdem achtet Rapp auf eine gewisse Unabhängigkeit. Ein eigener Brunnen sorgt für das passende Wasser, und auch das Abwasser wird über eine firmeneigene Kläranlage wieder aufbereitet.
Der größte Arbeitgeber im Ort ist auch in Usterbach, wie in Kutzenhausen, die Brauerei. Im Moment liegt die Führung des Familienunternehmens bei Stephanie Schmid. „Wir haben das Unternehmen aber nur von den kommenden Generationen ausgeliehen“, so ihre Auffassung. Ihre Aufgabe sei es in dieser Zeit, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Auch Ustersbacher vertreibt sein Bier im Heimservice im Großraum Augsburg, anders als Rapp sind die Produkte aber vor allem in Getränke- und Verbrauchermärkten der Region zu finden, und zwar im familienfreundlichen Preissegment.
Preise fast wie Champagner
Kunden gibt es aber auch viel weiter weg. Jeden Monat wird ein Container voll Weizenbier nach Brasilien verschifft – und dort fast so teuer wie Champagner verkauft. Auch beim Italienurlaub findet man immer wieder auch in den abgelegensten Orten Ustersbacher Biere. Teilweise sind diese Absatzmärkte über alte Kontakte, teilweise über eine Biermesse in der Adriastadt Rimini, entstanden – bayerisches Bier ist eben weit geschätzt.
Umweltfreundlichkeit, etwa durch ein Biotop auf den Ausgleichsflächen der Firma, ist Stephanie Schmid darüber hinaus besonders wichtig. Freilich wird auch in Ustersbach in neueste Technologie investiert. So belädt ein Achtfachstapler heute einen Lieferwagen in vier Minuten. Als eine der ganz wenigen Brauereien hat die Brauerei Schmid die Möglichkeit, ihr Bier über eine Membran zu filtrieren. So fallen hier keine Abfallstoffe mehr an.
Bei allen Unterschieden, in einem sind sich beide Brauerfamilien einig: Über die mehrfach befüllbare Glasflasche lassen sie nichts kommen. Die soll bleiben.