Will die Stadt ihre maroden Finanzen aufbessern, indem sie im großen Stil Holz aus dem Stadtwald vermarktet? Das fragen sich Spaziergänger, die sich über umfangreiche Baumfällungen wundern. „Ein größerer Holzeinschlag ist Gesprächsthema bei den Leuten“, sagt Günther Groß von der Naturschutzallianz. „Es gibt Befürchtungen, dass die Gewinne aus den städtischen Forsten wegen der schlechten Finanzlage gesteigert werden sollen.“ Und das ausgerechnet im größten und wichtigsten Naturschutzgebiet Augsburgs.
Die Stadt ist der größte kommunale Waldbesitzer in Bayern. Und tatsächlich schossen in den vergangenen Jahren die Einnahmen aus den Wäldern, die weit über die Stadtgrenzen hinausreichen, massiv in die Höhe. Das bestätigt Hartmut Dauner, Chef der städtischen Forste. „Insgesamt haben wir einen deutlichen Überschuss, heuer ist es rund eine Million Euro.“ Vor einigen Jahren sei das ganz anders gewesen. 2004 habe der Gewinn aus der Waldwirtschaft bei noch nicht einmal einem Viertel dieser Summe gelegen.
Brennholz immer gefragter
Dass die Erträge in den städtischen Wäldern stark gesteigert werden konnten, hängt nach Angaben des Forstdirektors aber weniger mit verstärktem Holzeinschlag zusammen. Als Hauptgrund nennt er, dass sich die Preise auf dem Holzmarkt verteuert hätten, und zwar wegen der zunehmenden Nachfrage von immer mehr Sägewerken. Auch Brennholz sei immer gefragter.
Allerdings sind nicht allein die Preise gestiegen. Die Stadt schlägt auch mehr Holz als früher, besonders in den Landrevieren rund um Augsburg herum. Dort werden rund 10000 Festmeter mehr geerntet als noch vor einigen Jahren. Dauner betont aber: Im Naturschutzgebiet Stadtwald sei die Lage komplett anders. Dort werde sogar weniger Holz gemacht als früher. Geld werde im Naturschutzgebiet nicht verdient. Im Gegenteil: „Dort sind wir im Grunde genommen nur Parkwächter.“ Auch Umweltreferent Rainer Schaal versichert: „Der Stadtwald dient nicht zur Gewinnmaximierung, auch wenn er bewirtschaftet wird.“ Dort seien Trinkwasserschutz, Naturschutz und Naherholung die wichtigsten Ziele. Gerade auch wegen der jährlich vier Millionen Waldbesucher müsse einiges Geld investiert werden, um die vielen Wege instand zu halten und Bäume zu sichern. Unterm Strich schreibe die Forstverwaltung im Naturschutzgebiet deshalb rote Zahlen, so Dauner.
Wie viel Bäume gefällt werden dürfen, dafür gibt es strenge Regeln. Die schreibt die so genannte „Forsteinrichtung“ vor, an der Ämter, Institutionen und Fachleute beteiligt sind. Ein Gutachter legt die Quoten fest. „Wir schlagen punktgenau, was vorgegeben ist. Im Stadtwald wird der Hebesatz sogar unterschritten“, sagt Dauner. Trotzdem gibt es Kahlschläge im Naturschutzgebiet, die Spaziergänger stutzig machen. Etwa beim Wasserhäusl westlich von Haunstetten haben größere Fällungen stattgefunden, wie Dauner bestätigt. „Es sind auch noch zwei, drei andere Flächen dabei, wo mehr eingeschlagen wurde.“
Experiment: Neue Kiefern werden gepflanzt
Auf diesen Arealen gehe es aber nicht um Gewinnmaximierung für die Stadt, versichert er. Vielmehr hat Dauner ein forstliches Experiment im Blick. Am Wasserhäusl werden in diesem Jahr junge Kiefern gepflanzt, die zu einem neuen Wald heranwachsen sollen. Die lichten alten Kiefernwälder sind einer der größten Schätze im Stadtwald. Dort findet sich eine enorme Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Gerade dort gibt es aber seit Jahren Probleme. Die natürliche Verjüngung klappt nicht mehr richtig, weil nicht genügend junge Bäume nachwachsen. "Kommentar