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Augsburger Polizistenmord: Anklage! Hunderte Seiten voller Indizien

Augsburger Polizistenmord

Anklage! Hunderte Seiten voller Indizien

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    Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die mutmaßlichen Mörder des Polizisten Mathias Vieth erhoben.
    Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die mutmaßlichen Mörder des Polizisten Mathias Vieth erhoben. Foto: Ruth Plössel

    Nach mehr als einem Dreivierteljahr Ermittlungsarbeit hat die Augsburger Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen die mutmaßlichen Polizistenmörder Rudi R., 56, und Raimund M., 58, erhoben. Nach Informationen unserer Zeitung umfasst die umfangreiche Anklageschrift neben dem Mord an dem 41-jährigen Polizisten Mathias Vieth im vergangenen Oktober auch vier Raubüberfälle in Augsburg.

    Die Akten zu dem Fall, die mittlerweile von der Staatsanwaltschaft ans Landgericht übergeben wurden, beinhalten hunderte von Seiten. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass die beiden Brüder den Mord gemeinschaftlich begangen haben. Ihnen wird zur Last gelegt, nach einer missglückten Flucht auf dem Motorrad in einem Augsburger Waldstück im vergangenen Oktober auf den Polizisten und seine Streifenpartnerin geschossen zu haben. Im Kugelhagel starb Vieth, seine Kollegin wurde verletzt.

    Auf dem Parkplatz sollte ein Überfall vorbereitet werden

    Wie berichtet, waren Vieth und seiner Kollegin nachts auf einem Parkplatz am Naherholungsgebiet Kuhsee ein verdächtiges Motorrad und zwei Männer aufgefallen, die sie kontrollieren wollten. Daraufhin gab es eine halsbrecherische Verfolgungsjagd über einen Lechsteg, die schließlich im Wald endete.

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer sich auf dem Parkplatz trafen, um einen Überfall zu begehen. Um was genau es sich handeln sollte, ist unklar. Beide Männer schweigen seit der Festnahme. Die Staatsanwaltschaft ist zudem der Meinung, dass die Männer auch für vier Raubüberfälle zwischen 2002 und 2011 verantwortlich sein sollen. Bei Durchsuchungen fand sich etwa eine Pistole, die bei einem der Überfälle erbeutet worden sein soll. Wegen dieser Taten – zwei Überfälle auf eine Werttransportfirma in Augsburg, einer auf eine Sicherheitsfirma in Ingolstadt und einen Augsburger Supermarkt – werden sie sich verantworten müssen. Hinzu kommen schwere Verstöße gegen das Waffengesetz.

    Bei Hausdurchsuchungen bei Verwandten der Männer, darunter der Tochter von Raimund M., fand die Polizei nämlich ein ganzes Waffenarsenal, darunter Kalaschnikows und Handgranaten. Auch auf Vieth war mit einer Kalaschnikow geschossen worden. Was die Tatwaffe betrifft, scheint aber keine absolute Sicherheit zu herrschen. Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass die Tatwaffen nach dem Mord umgebaut wurden. Ein Gutachten ist wohl zum Ergebnis gekommen, dass zumindest Teile der gefundenen Waffen bei den Schüssen auf die Polizisten mit im Spiel waren.

    Von wem stammt die unbekannte DNA-Spur?

    Eine wichtige Rolle dürften im Prozess auch DNA-Spuren spielen. Auf einer Tasche, die in einem Waffenlager gefunden wurde, fanden sich Blutspuren des getöteten Polizisten. Auch von Raimund M. gibt es DNA-Spuren, die aus Sicht der Ermittler beweisen, dass er am Tatort war.

    Nicht geklärt ist bisher aber offenbar die Herkunft einer weiteren DNA-Spur, die auf einem der Gegenstände im Wald gefunden wurde. Sie lässt sich weder den beiden Verdächtigen noch Personen aus deren Umfeld zuordnen. Die Verteidiger könnten im Prozess auf diese Weise die Täterschaft ihrer Mandanten in Frage stellen. Dass sich unbekannte DNA-Spuren am Tatort fanden, kann aber auch ganz einfach daran liegen, dass sie vorher auf den Gegenstand gerieten.

    Eine untergeordnete Rolle spielen die angeblichen Entführungspläne der Männer, die sie in der Untersuchungshaft ausgebrütet haben sollen (wir berichteten). Wer das vermeintliche Opfer sein sollte, dazu schweigen die Behörden. Offenbar hatte ein Mithäftling der Justiz entsprechende Hinweise gegeben. Dieser Vorwurf erscheint in der Anklage nur am Rande . Die Männer wurden, als die angeblichen Pläne bekannt wurden, in Einzelhaft verlegt.

    Wann der Prozess vor dem Augsburger Landgericht startet, ist ungewiss. Momentan prüft die Schwurgerichtskammer die Anklageschrift, bevor sie das Hauptverfahren eröffnet. In der Regel handelt es sich bei der Zulassung um eine Formalie. Bis der Prozess startet, könnte es aber Winter werden. Die Prozessdauer ist ungewiss, zumal es kein Geständnis geben dürfte. Alle Gutachten, Zeugenaussagen und Indizien in die Verhandlung einzubringen, wird Monate dauern.

    Auch Sicherungsverwahrung ist möglich

    Den Männern könnte im Falle einer Verurteilung zusätzlich zur Haft sogar eine Sicherungsverwahrung drohen. Denn Rudi R. hat 1975, um einen vorherigen Überfall zu vertuschen, in Augsburg einen Polizisten ermordet. Und sollten beide Männer auch noch wegen der Raubserie verurteilt werden, bei der die Opfer teils verletzt und und mit Schlagstöcken traktiert wurden, wäre damit die Voraussetzung für eine Sicherungsverwahrung ebenfalls erfüllt.

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